Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 47 Bursfelde, Klosterkirche 2. V. 15. Jh.

Beschreibung

Deckplatte des Sarkophags für den Grafen Heinrich den Fetten von Northeim. Sandstein. Das Grabdenkmal wurde vermutlich im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts als Stiftergrab zunächst in der Westkirche neu errichtet und ist seit 1848 in der Südapsis der Ostkirche aufgestellt.1) Um die Platte verläuft in vertiefter Zeile die erhaben gehauene Inschrift. Im langen Innenfeld im Relief ein großer Wappenschild mit einem Stechhelm darüber. Unter dem Wappenschild ein Hündchen. Die Platte ist in Höhe des in die Rahmenleiste hineinragenden Wappenschildes einmal quer gebrochen und wieder aneinandergefügt worden.

Maße: L.: 195 cm; B.: 56,5 cm; Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 66, Nr. 47 - Bursfelde, Klosterkirche - 2. V. 15. Jh.

 Sabine Wehking [1/4]

  1. Anno d(omi)ni m / ci iiii id(us) april(is)2) sep(u)lt(us) a) hic glo(rio)sus / comes hinric(us) / filius otto(n)is duc(is)b) fu(n)dator hui(us) cenobij

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1101 am vierten Tag vor den Iden des April wurde hier der ruhmreiche Graf Heinrich bestattet, der Sohn Herzog Ottos, Gründer dieses Klosters.

Wappen:
Northeim3)

Kommentar

Das Stiftergrab dürfte in der Zeit der Bursfelder Reform seit 1433 entstanden sein, die auch zu einer baulichen Erneuerung des Klosters führte. Die Rückbesinnung auf den Stifter wird dabei ebenso ausschlaggebend gewesen sein wie die bauliche Umgestaltung der Klosterkirche. Seinen Platz hatte das erneuerte Stiftergrab zunächst in der Westkirche, dem Begräbnisort Heinrichs von Northeim.

Heinrich von Northeim, der Sohn Ottos von Northeim und der Richenza von Schwaben, war mit Gertrud, der Tochter des Markgrafen Eckbert I. von Meißen verheiratet. Im Jahr 1093 gründete er das Benediktinerkloster Bursfelde mit Mönchen aus dem Kloster Corvey. Im Jahr 1101 wurde Heinrich von Northeim in Friesland getötet, wo er versuchte, die ihm vom Kaiser kurz zuvor übertragenen Hoheitsrechte durchzusetzen. Beigesetzt wurde er im Gründungsbau der Bursfelder Klosterkirche, der heutigen Westkirche. Zu Heinrich von Northeim und der Gründungsgeschichte von Bursfelde vgl. Nr. 147.

Textkritischer Apparat

  1. An dieser Stelle ist die Inschrift durch den Wappenschild unterbrochen.
  2. Nach du ist das Wort durch den Wappenschild unterbrochen.

Anmerkungen

  1. Perlitt, Bursfelde, S. 26.
  2. 10. April.
  3. Wappen Northeim (Reiter mit einer Fahne in der Rechten), als Helmzier oberhalbes springendes Sachsenross.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 17.
  2. Rehtmeier, Chronica, S. 282.
  3. Lotze, Geschichte, S. 331.
  4. Perlitt, Bursfelde, S. 26.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 47 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0004704.