Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 41 Sattenhausen, ev.-ref. Kirche 1432

Beschreibung

Steintafel. Die Tafel ist in eine Mauer eingesetzt, die an die nordöstliche Ecke der Kirche grenzt. Die Inschrift, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch einigermaßen gut lesbar war, ist heute fast vollständig verwittert. Sie verläuft zeilenweise in eingehauenen Buchstaben über den Stein. Obwohl die Buchstabenbestandteile noch weitgehend erhalten sind, wäre die Inschrift ohne die kopiale Überlieferung praktisch unlesbar.

Inschrift ergänzt nach Mithoff.

Maße: H.: 51 cm; B.: 130 cm; Bu.: 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 66, Nr. 41 - Sattenhausen, ev.-ref. Kirche - 1432

 Sabine Wehking [1/1]

  1. na go[dde]s · bort · m · cccc · [darna] / in dem [xxxij iair des] fridages / na mi(sericordi)a · d(omi)ni1) · hebbe ek hans · vo(n) / [.]deca) dut werk laten angeheue(n) / [unde he]ynema(n) kok lechteb) den / [ersten steijn]c)

Übersetzung:

Nach Gottes Geburt 1400, danach in dem 32. Jahr am Freitag nach Misericordia Domini habe ich, Hans von ... , dieses Werk anfangen lassen, und Heinemann Kok legte den ersten Stein.

Kommentar

Die Kirche in Sattenhausen wird bereits 1383 urkundlich erwähnt.2) Vermutlich bestand sie damals bereits als Wehrkirche mit den beiden heute noch in Ansätzen vorhandenen Ringmauern als Befestigung mit Wassergraben. Das Dorf Sattenhausen befand sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz der auf Neuengleichen ansässigen Herren von Uslar, deren Mitglieder Ernst und Hans von Uslar das Dorf zusammen mit anderen Besitzungen im Jahr 1451 an den Landgrafen von Hessen verkauften.3) Wenn man davon ausgeht, daß die heute völlig zerstörte Jahreszahl auf dem Stein von Mithoff richtig wiedergegeben ist, so käme für das Jahr 1432 als Initiator von Baumaßnahmen nur ein Hans von Uslar in Frage. Eine Lesung Usler oder Uslar läßt sich jedoch mit dem erhaltenen Buchstabenbefund des Namens am Beginn der vierten Zeile nicht in Einklang bringen. Allerdings war Hans von Uslar, der Vater des 1451 als Verkäufer auftretenden gleichnamigen Sohns, im Jahr 1432 bereits verstorben, seine vier Söhne, deren Geburt um 1420 angesetzt wird,4) jedoch noch unmündig. Es könnte also ein namentlich nicht bekannter Vormund sein, der Baumaßnahmen an der Kirche von Sattenhausen veranlaßte. Ebenso ist es aber auch denkbar, daß Mithoff die Jahreszahl der zu seiner Zeit ebenfalls bereits beschädigten Inschrift nicht zutreffend wiedergegeben hat. Nach Lufen, der die Quelle nicht angibt, auf die er sich bezieht, ist für das Jahr 1461 ein Ausbau der Wehrkirche belegt.5) Wenn dies zutrifft, käme in Betracht, daß an der heute völlig zerstörten Stelle auf dem Stein die Angabe lxi gestanden hat, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon nicht mehr eindeutig zu lesen war. Da die Lesung nidec für den teilweise zerstörten Namen naheliegt, auch wenn sich nur noch zwei Hasten am Beginn der Zeile erkennen lassen, könnte es sich bei dem Genannten um Hans von Stockhausen zu Niedeck gehandelt haben, der 1452 urkundlich erwähnt ist.6)

Textkritischer Apparat

  1. .dec] u... Mithoff, n’dec Atmer. Die drei letzten Buchstaben des Namens sind eindeutig zu lesen.
  2. lechte] let hir Mithoff.
  3. Die Lesung der beiden Wörter in der letzten Zeile als ersten steijn bei Mithoff und irsten steyn bei Atmer läßt sich nur schwer mit den Buchstabenresten in Einklang bringen.

Anmerkungen

  1. 9. Mai, im Jahr 1461 der 14. April.
  2. UB Uslar-Gleichen, Bd. 2, S. 875.
  3. UB Uslar-Gleichen, Bd. 2, S. 912.
  4. UB Uslar-Gleichen, Bd. 1, S. 637 (Stammtafel 3).
  5. Lufen, Altkreis Duderstadt, S. 285.
  6. StA Göttingen, Urkunden Nr. 2260. Vgl. Heinrich Atmer, Chronik von Sattenhausen (Ms., Sattenhausen, Anf. 19. Jh.), S. 328. Zum Amt Niedeck gehörten Teile Sattenhausens, vgl. Fahlbusch, Landkreis, S. 84.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 186.
  2. Heinrich Atmer, Chronik von Sattenhausen (Ms., Sattenhausen, Anf. 19. Jh.), S. 328.
  3. Gertrud Dirksen, Sattenhausen, eine heimatkundliche Darstellung (masch., Sattenhausen, ca. 1955), S. 96 (nach Atmer).
  4. Erwin Steinmetz, Zur Geschichte des Dorfes Sattenhausen. In: Göttingen, Informationszeitschrift für die Universitäts- und Kongreßstadt Göttingen, 21. Jg., August 1974, S. 34–36; September 1974, S. 33–36; Oktober 1974, S. 40f.; November 1974, S. 38–40; hier September 1974, S. 35 (nach Mithoff).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 41 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0004102.