Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 40 Duderstadt, Rathaus 1432, 1432–36, 1528 etc.

Beschreibung

Baudaten und Inschriften an verschiedenen Teilen des Rathausbaus. Über dem Eingang zum Ratsweinkeller auf der Ostseite des südöstlichen Rathausanbaus eine querrechteckige Steintafel mit der Inschrift A. Die erhaben gehauene Inschrift verläuft in vertieften Zeilen im ebenfalls vertieften Innenfeld. Aus derselben Zeit wie die Bauinschrift, die auf den Anbau von 1432–36 Bezug nimmt, stammt ein Schlußstein im ehemaligen Ratsweinkeller des Anbaus. Dargestellt sind darauf zwei Männer, die eine Traube tragen (Josua und Kaleb?). Die oben über der Darstellung eingehauene Inschrift B ist nicht mehr sinnvoll zu lesen. Auf der Südseite des Rathauses auf dem im Winkel zwischen dem Salzkammer- und Rathausanbau errichteten Pfeiler, der als Träger für den diese Ecke einbeziehenden Fachwerkanbau von 1528 diente, ein Quader mit dem Baudatum C in erhabenen Buchstaben im vertieften Feld; außerhalb des Feldes in der linken unteren Ecke des Quaders ein Steinmetzzeichen (M2). Im Scheitel des Torbogens an der Westwand der Rathauslaube die auf die Errichtung der Laube Bezug nehmende Jahreszahl D, die Ziffern links und rechts von einem eingehauenen Steinmetzzeichen (M3) erhaben in vertieftem Feld vor aufgerauhtem Hintergrund. Ein im Fachwerkanbau an der Saalbausüdwand gefundener, heute innen an der Westwand der Passage über dem Fußboden eingemauerter Stein trägt das eingehauene und mit roter Farbe nachgezeichnete Baudatum E. Am südöstlichen Rathausanbau im reich dekorierten Gewände des südlichen Fensters die Jahreszahl F erhaben in vertieftem Feld. Im Bogen des Hoftors auf der Ostseite in vertieften Feldern links und rechts von dem mit einem Maskenkopf besetzten Scheitelstein die erhaben gehauene Jahreszahl G.

Maße: Bu.: ca. 6 cm (A, F), ca. 2 cm (B), 8 cm (C, E), 10 cm (G).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (B), mit Versalien (A, C), Kapitalis (E).

DI 66, Nr. 40 - Duderstadt, Rathaus - 1432, 1432–36, 1528 etc.

 Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    A(n)no · d(omi)ni · M° · cccc° · xxx°ija) · h(oc) / opvs · est · inceptvm · post / die(m) · s(anc)tj · servacij · episcopj1)

  2. B

    syve[.....]e · na · uateb)

  3. C

    Anno d(omi)ni · 1 · 5 · 2 · 8

  4. D

    · 1 · 5 · · 3 · 3 ·

  5. E

    ANNO · DOMI(NI) / · 1562 ·

  6. F

    · 1 · 5 · 7 · 4 ·

  7. G

    1 · 5 · 9 · 8

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1432 wurde dieses Werk begonnen (am Tag) nach dem Tag des heiligen Bischofs Servatius. (A)

Kommentar

In der Inschrift A sind die Ober- und Unterlängen der Buchstaben, die Kürzungszeichen sowie der letzte Buchstabe in der zweiten Zeile nicht erhaben gehauen, sondern nur in ihren Konturen in die rahmenden Stege eingehauen.

Der als ‚Kaufhaus’ bezeichnete älteste Teil des Duderstädter Rathauses erscheint in den Archivalien erstmalig im Jahr 1397.2) Das Kaufhaus, ein gotischer Saalbau, hatte bereits einen Vorgängerbau, der in der Mitte des heutigen nach Süden hin abfallenden Areals des Rathauses stand. Dessen nördliche Wand wurde als Südwand in den Bau des Kaufhauses einbezogen. Der Südwand wurde im 14. Jahrhundert in der Mitte der sogenannte ‚Salzkammeranbau’ vorgesetzt. Im südöstlichen Winkel zwischen dem Anbau und dem Kaufhaus wurde in den Jahren 1432 bis 1436 ein weiterer Anbau errichtet, dessen Baubeginn durch die Inschrift A bezeichnet ist. In diesem Anbau war der Ratsweinkeller untergebracht, auf den der in dieser Bauphase entstandene Schlußstein mit der Inschrift B zumindest in seiner Darstellung Bezug nimmt. Im Jahr 1528 wurde der südwestliche Winkel zwischen Salzkammer und Rathausanbau durch einen weiteren Anbau in den Gebäudekomplex einbezogen. Diesem Bauvorgang, der durch die Inschrift C dokumentiert ist, folgte kurz darauf die bedeutende Erweiterung, durch die der Gebäudekomplex des Rathauses im wesentlichen sein heutiges Erscheinungsbild erhielt. Im Jahr 1531 begann man mit dem Neubau der Laube und der Front zur Marktstraße und setzte zunächst die östliche Mauer des Saalbaus auf Höhe des Rathausanbaus von 1432–36 zurück. Der Duderstädter Rat schloß mit dem Steinmetzen Henze Vorwiß aus Northeim einen Vertrag, wonach er zwei Mauern von 20 Fuß Länge in der Höhe der alten Mauer vor dem Rathaus errichten und eine mit einem Schwibbogen versehene Laube bauen sollte. Man war mit den Leistungen des Baumeisters jedoch unzufrieden und schloß 1532/3 einen neuen Vertrag mit Valentin Colst aus Nordhausen, der aber kurz nach Baubeginn starb. Daraufhin wurde 1533 sein Geselle Thomas Voß beauftragt, den Bau fertigzustellen. Man kann daher davon ausgehen, daß es sich bei dem zusammen mit dem Baudatum D an der Laube angebrachten Steinmetzzeichen um dasjenige des Thomas Voß handelt. Das Baudatum E kann keiner Bauphase des Rathauses zugeordnet werden; es dürfte sich daher nur auf eine kleinere Maßnahme beziehen. Dasselbe gilt für die Baudaten F und G, die jeweils nur den Einbau eines Fensters bzw. eines Portals markieren.

Textkritischer Apparat

  1. xxxij] xxij Mithoff.
  2. Unsichere Lesung der gesamten Inschrift.

Anmerkungen

  1. 14. Mai.
  2. Zum Bau des Rathauses und den verschiedenen Bauphasen vgl. Rathaus Duderstadt, passim, hier besonders Horst Masuch, Zur Baugeschichte des Rathauses, S. 41–97.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 29 (A).
  2. UB Duderstadt, Nr. 275, S. 187 (A).
  3. Engelhard, Hausinschriften, S. 36f. (A, C, D, G).
  4. Jaeger, Alt-Duderstadt, S. 22 (A).
  5. Jaeger, Bilder, S. 49 (A).
  6. Wüstefeld, Duderstadt, S. 93 (A).
  7. Rathaus Duderstadt, S. 66 mit Abb. 46 (A); Abb. 57, S. 70 (C); S. 76, S. 152 mit Abb. 162 (D); S. 88 mit Abb. 77 (E); S. 60 (F); S. 84 mit Abb. 69 (G).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 40 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0004005.