Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 37 Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius 4. V. 14./1. V. 15. Jh.

Beschreibung

Bronzetür der Sakramentsnische. Die Sakramentsnische befindet sich auf der Südseite des Chors in der Wand hinter dem Altar. Die Tür ist durch ein aufgelegtes Kreuz in vier Felder untergliedert. In den Feldern Reliefdarstellungen: oben links Christus als Weltenrichter in der Mandorla umgeben von vier Engeln, die beiden oberen mit den Leidenswerkzeugen, die beiden unteren wecken mit Posaunen die Toten aus ihren Gräbern; rechts oben die Kreuzigung mit Maria und Johannes, oben links und rechts vom Kreuz Sonne und Mond; unten Christus als Befreier Adams aus der Hölle und die Auferstehung. Die Kreuzmitte ist zu einem Feld in Form eines Kreuzes mit eingestelltem Quadrat erweitert. Darin das Agnus Dei mit Kreuzfahne und Kelch. Auf dem unteren Kreuzbalken ein Lebensbaum in Form einer Ranke über einem Feld, in dem der Löwe durch sein Gebrüll seine Jungen aufweckt, auf dem oberen Balken ein Stab mit Knäufen, der oben ein Nest trägt, in dem sich der Pelikan seine Brust für seine Jungen aufhackt. Die waagerechten Kreuzbalken und die Rahmenleisten links und rechts sind mit Rauten besetzt, die jeweils vier Vertiefungen tragen. Außen in den vier Ecken Felder mit den Evangelistensymbolen, die jeweils ein leeres Schriftband halten. Oberhalb der Bildfelder und von diesen durch eine Ornamentleiste mit Rauten darauf getrennt in drei durch Stege abgegrenzten Zeilen die Inschrift A, auf dem unteren Rand die Inschrift B. Die Inschrift A ist erhaben gegossen, die Inschrift B gestochen, die Buchstaben glatt vor schraffiertem Hintergrund.

Maße: H.: 86,5 cm; B.: 62,5 cm; Bu.: 2–2,5 cm (A), 2,4 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, mit Versalien (A).

  1. A

    · Qvi · preit · et · nescit · qvid · in hoc / · loculo · reqviescit · Jnclinet · isti · / · loculo · pro · corpore · cristi +

  2. B

    got mvte de(r) syle(n) pleghe(n) dy hirtv heft ghehvlpe(n) vnde ghe(ve)n

Übersetzung:

Wer vorbeigeht und nicht weiß, was in diesem Gehäuse ruht, der verneige sich vor dem Gehäuse um des Leibes Christi willen. (A)

Gott möge sich der Seele/Seelen annehmen, die hierzu geholfen und gegeben hat/haben. (B)

Versmaß: Zwei Hexameter, zweisilbig leoninisch gereimt (A).

Kommentar

Während die erhaben gegossene Inschrift A vergleichsweise grob gearbeitet ist und breite Buchstabenbestandteile aufweist, ist die in der Art von Goldschmiedearbeiten gestochene Inschrift B, deren Buchstaben glatt vor schraffiertem Grund stehen, sehr viel sorgfältiger ausgeführt. Ihre Buchstaben weisen feine Zier- und Begleitstriche auf. Die Worttrenner der Inschrift A in Form von Quadrangeln mit nach links und rechts schräg angesetzten Zierhäkchen.

Die Bronzetür wird aus stilistischen Gründen auf die Zeit um 1400 datiert.1) Die von Mithoff erwogene Zuschreibung an den Bronzegießer Nikolaus von Stettin,2) der 1392 das Taufbecken für St. Blasius goß (Nr. 19), liegt daher zwar aus Zeitgründen nahe, die beiden Stücke zeigen aber keinerlei stilistische Übereinstimmungen. Nikolaus von Stettin käme daher nur dann als Gießer in Betracht, wenn er lediglich die Vorlagen zweier unterschiedlicher Künstler umgesetzt hätte. Während der Aufbau der Taufe klar strukturiert ist, zeigt die Bronzetür auf relativ geringem Raum eine Vielfalt an Details sowohl im Hinblick auf die Figuren als auch auf die Zierelemente. Die Figuren der Bronzetür sind deutlich einfacher gestaltet als die der Taufe.

Anmerkungen

  1. Kat. Stadt im Wandel 2, Nr. 1133, S. 1312.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 139, Anm. 3.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 139.
  2. Kat. Stadt im Wandel 2, Nr. 1133, S. 1312, Abb. S. 1311.
  3. 1000 Jahre St. Blasius, Abb. S. 38.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 37 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0003708.