Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 24 Bernshausen, kath. Kirche St. Peter und Paul 1399

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die Inschrift A verläuft zwischen Kordelstegen um die Glockenschulter, die Inschrift B unten um den Rand der Glocke. Beide Inschriften sind erhaben gegossen. Als Wort- und Satztrenner sowie auf dem Glockenmantel mehrere Abdrücke von Münzen oder Medaillen sowie ein sich mehrfach wiederholendes Medaillon, das ein Fabelwesen mit menschlichem Oberkörper und zwei mit beiden Händen gehaltenen Schwänzen darstellt, die zugleich die Umrandung des Medaillons bilden. Neben diesem Medaillon sind weitere Münzabdrücke in die Inschrift B eingefügt, dort auch eine große erhaben gegossene Marke (M1), vermutlich das Gießerzeichen. Die Kronenöhre sind mit Masken besetzt.

Maße: H.: 130/114 cm (mit/ohne Krone); Dm.: 131 cm; Bu.: 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 66, Nr. 24 - Bernshausen, kath. Kirche St. Peter und Paul - 1399

 Sabine Wehking [1/4]

  1. A

    anno · domini · milesimo tricentesimo nonagesimo · nono · in die · vinclaa) · petri 1) · hilfb) · got · ave · maria 2)

  2. B

    bertoldvs · gropengeter · von · dvderstat · derc) · dvsse · clockend) · goit · edeler · gvdenheinrikes · e) · her · ia(n)f) · sterng) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1399 am Tag Petri Kettenfeier. Hilf, Gott. Sei gegrüßt, Maria. (A)

Bertold Gropengeter aus Duderstadt goß diese Glocke. Edeler Gudenheinrikes. Herr Jan Stern. (B)

Kommentar

Die gotische Minuskel weist als Besonderheit v mit stark linksschräger linker und senkrechter rechter Haste auf. Zur Verwendung des hochdeutschen hilf in der Inschrift vgl. Einleitung, S. 25.

Der Glockengießer Bertold Gropengeter ist in den Duderstädter Schoßlisten von 1396/7 und 1398/9 bis 1402/3 unter dem Sackviertel verzeichnet.3) Er starb vor Michaelis 1404, da in der Schoßliste von 1403/4 seine Witwe genannt ist.4) Walter weist für Bertold nur diese eine Glocke nach.5) Ein Gießer namens Bertold war auch auf der Glocke von 1403 in Dransfeld genannt (vgl. Nr. 35). Bei den beiden Namen am Ende der Inschrift B könnte es sich um Kirchenvorsteher und Pfarrer handeln; in den zeitgenössischen Duderstädter Quellen tragen die Geistlichen im allgemeinen den Titel ‚Herr’. Nach Wolpers, der jedoch keine Quelle dafür angibt, wäre ein Johann Steyn 1399 der Pfarrer von Bernshausen gewesen.6)

Textkritischer Apparat

  1. Das c in Form eines e oder r mit Zierstrich am Quadrangel.
  2. Die Buchstaben des Wortes hilf verrutscht.
  3. r in Form einer Haste. Die unregelmäßige Kontur der Haste oben rechts deutet darauf hin, daß die Fahne des r beim Guß abgebrochen ist.
  4. Das c in Form eines e oder r mit Zierstrich am Quadrangel.
  5. An dieser Stelle die Marke M1.
  6. Kein Kürzungszeichen.
  7. stern] steyn Mithoff und Wolpers.

Anmerkungen

  1. 1. August.
  2. Lit. Text nach Lc. 1,28.
  3. StA Duderstadt, AB 3, fol. 2v; AB 4, fol. 3r; AB 5, fol. 2v; AB 6, fol. 2v; AB 7, fol. 2v.
  4. StA Duderstadt, AB 8, fol. 2v.
  5. Walter, Glockenkunde, S. 695.
  6. Wolpers, Glocken, S. 105. Möglicherweise beruht diese Information auf der Glockeninschrift (vgl. Anm. g).

Nachweise

  1. Otto, Notizen, S. 135.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 9.
  3. Walter, Glockenkunde, S. 695 (nur Bezeichnung des Glockengießers).
  4. Wolpers, Glocken, S. 105.
  5. Engelhardt, Cyriacuskirche, S. 35.
  6. Werner, Verehrung, S. 38.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 24 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0002401.