Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 19 Hann. Münden, ev.-luth. Kirche St. Blasius 1392

Beschreibung

Taufbecken. Bronze. Das Taufbecken steht auf vier Füßen, die jeweils aus einem am Boden liegenden Löwen, einem Drachen und einer auf dem Drachen sitzenden männlichen Figur gebildet werden, auf deren Nacken der Taufkessel ruht. Um die Beckenwand herum Spitzbogen auf mit Laternen bekrönten Konsolen in Form von Menschenköpfen, darunter halbplastische Figuren: der bekrönte Christus mit zum Segen erhobener Rechter, es folgen nach rechts Johannes Evangelista mit Kelch und Buch, Petrus mit Schlüssel und Buch, Andreas mit Andreaskreuz und Buch, Jacobus maior mit Pilgerstab und -hut sowie Muschel, Paulus mit Schwert und Buch, Judas Thaddäus mit Keule und Buch, Jacobus minor mit Hammer und Buch, Thomas mit Winkelmaß und Buch, Blasius mit Bischofsmütze und -stab sowie Horn, Matthias mit Stein und Buch, Matthäus mit Beil und Buch, Bartholomäus mit Messer, Philippus mit Geißel und Buch, die bekrönte Maria zur Rechten Christi.1) Alle Figuren stehen auf kleinen Podesten. Unterhalb der Figuren läuft zwischen Stegen die erhaben gegossene Inschrift um. Oben am Rand der Taufe an zwei gegenüberliegenden Seiten jeweils ein Frauenkopf zwischen Drachenköpfen.

Maße: H.: 118 cm; Dm.: 88 cm; Bu.: 4,5–5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. · a(n)no · domi(ni) · m° · ccc° · xcij · i(n) vigiliaa) · palmaru(m)2) · illud · vas baptismi · factv(m) · est · per · m(a)g(ist)r(u)m · nicolav(m) · de · stettin

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1392 am Tag vor Palmsonntag ist dieses Taufbecken durch Meister Nikolaus von Stettin verfertigt worden.

Kommentar

Die gotische Minuskel weist senkrechte Zierstriche an g, t und dem Quadrangel des r auf, ist sonst aber vergleichsweise schlicht gestaltet. Die Worttrenner in Form dreier Punkte.

Nikolaus von Stettin war in den 90er Jahren des 14. Jahrhunderts in der Göttinger Gegend tätig. Im Jahr 1393 goß er eine Glocke für die Klosterkirche in Bursfelde (vgl. Nr. 20). Walter weist für Nikolaus von Stettin nur diese beiden Stücke nach.3)

Textkritischer Apparat

  1. in vigilia] dominica Lotze, Wächter.

Anmerkungen

  1. Brethauer (1000 Jahre St. Blasius, S. 62, Anm. 20) identifiziert die Figur des Philippus irrtümlich als Stephanus und hält die Figurenfolge für unerklärlich. Es handelt sich jedoch neben Christus und Maria eindeutig um den Kirchenpatron und die Zwölf Apostel. Lediglich die Anordnung der Figuren ist etwas ungewöhnlich, da man die Figur des Blasius gegenüber von Christus und Maria in der Mitte der Zwölf Apostel oder zur Linken Christi erwarten würde.
  2. 6. April.
  3. Walter, Glockenkunde, S. 828.

Nachweise

  1. Wächter, Beschreibung und Erläuterung des in der Kirche zu Zeven befindlichen metallenen Taufbeckens. In: Vaterländisches Archiv des historischen Vereins für Niedersachsen 1843, S. 217–246, hier S. 219.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 139.
  3. Lotze, Geschichte, S. 10.
  4. 1000 Jahre St. Blasius, S. 62, Anm. 20.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 19 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0001907.