Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 17 Diemarden, ev.-luth. Kirche St. Michaelis 1379

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die Glocke, die möglicherweise nicht für die Kirche in Diemarden gegossen, sondern erst 1642/3 gekauft wurde (vgl. Kommentar), zeigt die alte Bienenkorbform. Oben um die Glockenschulter verläuft zwischen schlichten Stegen die Inschrift A, auf dem Mantel die Inschrift B, zwei Medaillons mit Darstellungen der Kreuzigung und der Verkündigung sowie ein Relief der Heimsuchung. Die Inschriften sind erhaben gegossen. Die Kronenöhre sind mit Rosetten besetzt.

Maße: H.: 78/63 cm (mit/ohne Krone); Dm.: 69 cm; Bu.: 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. A

    · AVE · MARIA · GR(ATI)A · PLENA · D(OMI)N(V)S · TECV(M) · B(E)N(E)D(I)C(T)A · TV · IN · MVLIERIBVS · ET · B(E)N(E)D(I)C(TV)S / · FRV(CTV)S · UE(N)TRIS · TVI · AMEN · 1) A(N)NO · D(OMI)NI · M · CCC · LXX · IX · IN · DIE · WALBURGIS2) ·

  2. B

    METELE GESE

Übersetzung:

Gegrüßt seist du, Maria, Gnadenreiche, der Herr sei mit dir, gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes, Amen. Im Jahr des Herrn 1379 am Walpurgistag. (A)

Kommentar

Die Buchstaben sind stark erhaben und auffallend scharfkantig gegossen. Die einzelnen Buchstaben sind sehr sorgfältig gestaltet, Schaft- und Balkenenden sind keilförmig verbreitert. A in flachgedeckter Form mit zwei senkrechten Hasten, die linke mit aufgesetzter Schwellung unten umgebogen und in tropfenförmiger Schwellung endend, die rechte unten beidseitig mit tropfenförmigen Sporen; E mit breitem Abschlußstrich und Ausrundung der Innenkonturen, am Balken beidseitiger Nodus; leicht eingerolltes fast geschlossenes G, I mit beidseitigem Nodus, L mit keilförmigem Balkensporn, rundes N, der Bogen in einem Dreiecksporn endend, R mit tropfenförmiger Schwellung der Cauda, alle S retrograd.

Ein Glockengießer namens Metele Gese läßt sich nicht nachweisen. Nach einem Vermerk in einem Inventarverzeichnis der Kirche von 1896 wurde die Glocke im Jahr 1642 vom Eichsfelde für 88 Taler 19 Mariengroschen und 4 Pfennige gekauft.3) Das Rechnungsbuch dieser Zeit enthält allerdings nur unter den für das Jahr 1643 verbuchten Ausgaben den Eintrag: Eine glocken in die Kirche gekauffett mit Unkosten Schmiede und Timmerarbeitt alles in allem 88 Thaler 19 Mariengroschen 4 Pfennige. Darzu die Kirche geborgett 55 Thaler, mussen inkünftig von Ihren gutern dazu aufkommen als 60 Taler 7 Mariengroschen 6 Pfennige.4) Aus diesem Eintrag geht somit weder hervor, daß die Glocke aus dem Eichsfeld stammt, noch daß es sich dabei um die Glocke von 1379 handelte.

Anmerkungen

  1. Lit. Text nach Lc. 1,28.
  2. 1. Mai.
  3. KKA Göttingen, Pfarrarchiv Diemarden, Rep. 19, Nr. 160.
  4. KKA Göttingen, Pfarrarchiv Diemarden, Ältestes Rechnungsbuch, p. 208.

Nachweise

  1. L. Hardege, Chronik des Dorfes Diemarden. 1957, Ms. KKA Göttingen, S. 35.

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 17 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0001706.