Inschriftenkatalog: Landkreis Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 66: Lkr. Göttingen (2006)

Nr. 12 Renshausen, kath. Kirche Mariä Geburt 1355

Beschreibung

Glocke. Bronze. Oben um die Glockenschulter verläuft zwischen einfachen Stegen die zweizeilige Inschrift A. Zwischen Anfang und Ende der zweiten Zeile ein größerer Freiraum, darin links und rechts jeweils ein Gießerstempel, links in einem von Ornament umgebenen Spitzoval ein großer Buchstabe (B), rechts ein rundes Medaillon mit umlaufender Inschrift (C), in der Mitte eine Glocke in Bienenkorbform mit Krone. Oberhalb des die Inschrift A begrenzenden oberen Stegs verteilen sich die Buchstaben der Inschrift D um die Glockenschulter. Unterhalb der Inschrift auf dem Glockenmantel ein rundes Medaillon mit einem Kruzifix darin und dem Titulus E links und rechts unter den Kreuzarmen sowie drei Frauenfiguren im Relief, eine der Figuren verdrückt. Die Glocke trägt keine Krone mehr. Alle Inschriften sind erhaben gegossen.

Maße: H.: 75 cm; Dm.: 88 cm; Bu.: 3 cm (A, D), 1,5 cm (B), 0,25 cm (C), 0,5 cm (E).

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 66, Nr. 12 - Renshausen, kath. Kirche Mariä Geburt - 1355

 Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    + ANNO · D(OMI)NI · M · CCC · LV · IN DIE CONCEPCIONIS · MARIE 1) · + O · REX · GLORIE · IH(ES)V / · CRISTE · VENI · CVM · PACEa) · AMEN + BARTRAMMO · PLEBANO · REGENTE

  2. B

    B

  3. C

    + · IOH(ANN)IS · [.]UDERO[.]b) + MAG(IST)R(I)

  4. D

    + MARIA

  5. E

    IN//IR 2)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1355 am Tag Mariae Empfängnis. O König der Ehre, Jesus Christus, komm mit Frieden. Amen. Zur Amtszeit des Pfarrers Bartram. (A)

(Zeichen) des Meisters Johannes ... (C)

Kommentar

Die sehr sorgfältig gestaltete gotische Majuskel der Inschriften A und D zeigt flachgedecktes A mit beidseitig weit überstehendem Deckbalken und einer aufgesetzten Schwellung der linken Haste, vollkommen abgeschlossene C und unziale E mit Bogenschwellung bei gerader Innenkontur, der Mittelbalken des E mit einem Nodus besetzt, beidseitige Nodi am I, L mit großem Balkensporn, R mit tropfenförmiger Bogenschwellung der Cauda. Als Worttrenner in Inschrift C nach dem ersten Kreuz ein Dreiblatt, der zweite Worttrenner als kleines Quadrangel mit Häkchen nach oben und unten.

Ein Pfarrer namens Bartram ist für Renshausen nicht nachzuweisen. Die Anbringung der beiden Gießerzeichen läßt darauf schließen, daß die Glocke von zwei Gießern gegossen wurde, die sich jedoch nicht identifizieren lassen.

Textkritischer Apparat

  1. Das A verdrückt.
  2. Der zweite Teil des Namens ist trotz guten Erhaltungszustands des Medaillons nicht sicher zu lesen, da die sehr klein ausgeführten Buchstaben der gotischen Majuskel mit breiten Buchstabenbestandteilen zum größten Teil nicht die entscheidenden Charakteristika der Buchstaben erkennen lassen. Bei dem zweiten Buchstaben könnte es sich auch um ein E handeln, bei dem letzten Buchstaben um ein D oder um ein Y.

Anmerkungen

  1. 8. Dezember.
  2. Für I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDEORVM), die beiden letzten Buchstaben vertauscht. Io. 19,19.

Nachweise

  1. Johannes Eggers, Das Dorf Renshausen auf dem Untereichsfeld. In: Unsere Diözese 29, 1969, S. 44–65, hier S. 57 (A).

Zitierhinweis:
DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 12 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0001201.