Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 399 Geislingen an der Steige, ev. Stadtkirche (U. L. Frau) 1611, 1630

Beschreibung

Epitaph für die Eheleute Matthäus Altersheimer und Margareta geborene Walther und zwei ihrer Kinder. Innen an der Südostwand des Chors. Rotmarmorplatte, in der Mitte mit aufwendiger Metallauflage, diese oben spitzbogenförmig umrahmt von einer in zwei 2zeiligen Schriftblöcken eingehauenen Versinschrift (A). Auf der Bronzeplatte, bekrönt von einem Engelskopf mit eingravierter Umschrift (B) auf dem Nimbus, in ädikulaähnlicher Rahmung vollplastischer Kruzifixus mit Titulus (C), unten flankiert von zwei Vollwappen und zwei Putti, unter der Bildzone querrechteckige Schrifttafel mit 8zeiliger Inschrift (D); unter der Tafel halbplastische Löwenfratze mit eingravierter Gießersignatur (E) und Steinmetzzeichen und -signatur (F). Erhaltung gut. Das Epitaph war früher umrahmt von einem wohl gleichzeitig entstandenen Wandgemälde, „das an den Tod und das jüngste Gericht erinnerte“1 und das eine Beischrift (G) enthielt. Darstellung zweier Engel mit Posaunen und „wie vor des Todes starkem Arm Krone und Zirkel, Ehre und Macht und Kunst dieser Erden mit einander in Trümmer sinken“2.

Wortlaut von (G) nach Wollaib und Klemm.

Maße: H. 203, B. 103, Bu. 4,5 (A), 0,3 (B, E), 1,2 (C), 1,9 (D), 0,7 cm (F).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Kapitalis (C, E, F), Fraktur (D).

DI 41, Nr. 399 - Geislingen a. d. Steige - 1611, 1630

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. A

    Mit Reinem hertzen diene Gott,  Mit starckem glauben auff Jhn bawVnd halt für augen sein gebott.   Mit gutem gewissen im vertraw.

  2. B

    GOS MICH HANS BRAVN

  3. C

    INRI

  4. D

    Anno. 1611. den 14(ten) Octob(ris) Jst Seliglich Endtschlaffen der Ern=/uest Matheus Altersheimer seines alters 35. Jar. Deme ist A(nno)a) 16〈30〉 / den 〈8 Jenner〉b) nachgefolgt. die Edel vnd Tugentsam Fraw Mar=/gretha · Geborne Waltherin Jres alters 〈54〉 Jar, als sie sament Vier / Kinder Hans Matheus Anna Maria Margretha vnnd Fride=/richc) ehelich erzeügt Deren das zwaite den 10(ten) Decemb(ris) A(nno)a) 1609 / Das Vierte den 28 Julij bemelts jar abgeleibet sein Gott der All=/ mächtig Verleihe Jnen : vnd vns allen ein Fröliche Aufferstehung

  5. E

    H·C·B·

  6. F

    (Stz. nr. 9) . G(eorg) . H(uber)d)

  7. G

    Alles was Lepte) auff diser ErdenDas muß zu Erd und Aschen werden.wer selig stirbt hat jenes leben,daß wird uns Gott für dieses gebenf).

Versmaß: Deutsche Reimverse (A, G).

Wappen:
Altersheimer, Walther3.

Kommentar

Matthäus Altersheimer stammt aus Wasserburg am Inn4. Die Heirat mit Margareta Walther fand 1600 in Ulm statt. Er selbst ist in Geislingen gestorben, aber in Ulm begraben (16. Oktober). Die Witwe blieb in Geislingen und ist auch dort beigesetzt worden, vermutlich im Chor der Stadtkirche nahe dem Epitaph.

Die eine Meistersignatur mit Steinmetzzeichen weist den Ulmer Georg Huber als Steinmetz aus. Die eingehauene Inschrift (A) entspricht in ihren Formen ganz denen auf den übrigen von Huber geschaffenen Grabsteinen in Geislingen5. Ob die Initialen HCB ebenfalls wie die Gießersignatur den Leiter der Ulmer Gießhütte Hans Braun bezeichnen, oder vielleicht den Modellbildhauer, ist unklar6. Gegenüber dem künstlerisch hochrangigen Kreuzigungs- und Wappenrelief fällt die Ausführung der Schrifttafel in der Qualität deutlich ab. Die Glättung des Schriftgrunds ist bei der Ausbereitung unterblieben, die Zeilenführung ist nicht ganz gerade, die Buchstaben wurden nicht sehr sorgfältig nachgemeißelt. Wahrscheinlich wurde überhaupt die ganze Inschrift aus der glatten Tafel herausgemeißelt. Die Todesdaten der Ehefrau sind 19 Jahre später äußerst unbeholfen aus den stehengebliebenen Bossen nachgehauen. Die Meistersignaturen unter der Tafel wurden erst nach dem Guß eingraviert7.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch Doppelpunkt.
  2. Nachtrag füllt die Lücke nicht ganz aus.
  3. Wohl so zu trennen: Hans Matthäus, Anna Maria, Margaretha und Friedrich.
  4. Steinmetzzeichen und Buchstaben in Konturschrift graviert.
  5. Klemm; lebt Wollaib.
  6. Die letzten beiden Verse fehlen bei Klemm.

Anmerkungen

  1. Burkhardt, Gräber 80.
  2. Klemm, Stadtkirche. Vortrag 50.
  3. Zum Wappen Walther vgl. Zimmerman, Augsb. Zeichen u. Wappen, Taf. 64 nr. 1864.
  4. Zur Familie, auch zum Folgenden vgl. Burkhardt, Gräber 76.
  5. Vgl. Register 2b.
  6. Braun ist v. a. als Glocken- und Geschützgießer bekannt. Zur Person: Häcker, Schwäb. Erzbildnerei 47f. Vgl. aber auch die Schrifttafel von 1608 mit Meisterzeichen Brauns in der Gruft der Stuttgarter Stiftskirche (Harald Schukraft, Die Grablegen des Hauses Württemberg, Stuttgart 1989, 74f.).
  7. Zur Technik der Inschriftherstellung auf Bronzetafeln vgl. ausführlich Zahn, Beiträge 70–86, bes. 71–77.

Nachweise

  1. Wollaib, Par. Ulm. 384f.
  2. StAL, E258 VI, Spezialia, Konvolut 17: OA. Geislingen, Einzelblatt „In der Kirche zu Geißlingen“ (ungenau u. verkürzt).
  3. Klemm, Stadtkirche. Vortrag 50f.
  4. Kdm Geislingen 44f. (Abb.).
  5. Burkhardt, Gräber 77 (Abb.), 80.
  6. Bischoff, Führer 29 nr. 23.

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 399 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0039901.