Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 366 Geislingen an der Steige, ev. Stadtkirche (U. L. Frau) 1600

Beschreibung

Grabmal des Hans Pleickhart Landschad von Steinach. Innen an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffs, 5. Stein von Osten; bis zur Kirchenrenovierung 1971/76 an der Nordseite des nördlichen Turmpfeilers1. Schmale Platte aus hellgrauem Sandstein mit Bronzeauflage im oberen Teil: zwei Wappen unter einem Helm in hohem Relief, darunter 11zeilige Inschrift (A), am Ende der letzten Zeile Meistersignatur (B). An den Rändern und im unteren Bereich bestoßen, Oberrand und beschädigte Stellen mit Zement ergänzt, dabei die letzte Zeile zugeschmiert und falsch nachgearbeitet; die ganze Schrift unsachgemäß schwarz nachgezogen.

Maße: H. 140, B. 56, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 41, Nr. 366 - Geislingen a. d. Steige - 1600

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    An(n)o. Do(min)ÿ : M. D. C. : Mo(n)tag / den 8 Septe(m)b(ris) morge(n)s zwische(n) / 7 v(n)d 8 vhr(en) vormittag, ist in Gott /seliglich entschlaffe(n); der Edel / hansz Bleÿckhardt Landtsch=/ad von Stainach zu Gundelsz=/haim. seines alters 44 Jar, / getragne(n) vogt ampts zu Geuszlinge(n) 17 Jar, Gott / verleihe ihm ein fröliche auf=/ferst[ehung. am]e(n)a).

  2. B

    M(ichael) (Stz. nr. 7) S(challer)

Wappen:
Landschad von Steinach, Seckendorff; Helmzier: Landschad.

Kommentar

Die Buchstabenformen stimmen mit denen auf dem Landschadepitaph von 1598 für die Ehefrau, die Mutter und die Schwester des Verstorbenen überein (vgl. nr. 353). Das Meisterzeichen ist das des ulmischen Bildhauers Michael Schaller2. Es weist ihn als den Modellbildhauer (und Gießer?) der künstlerisch hervorragenden Wappenplatte aus.

Hans Pleickhart Landschad war als Nachfolger seines Vaters Friedrich von 1583 bis zu seinem Tod ulmischer Vogt zu Geislingen. Die Ehe mit Sibylle von Seckendorff wurde 1584 geschlossen3.

Textkritischer Apparat

  1. In Klammern gesetzte Buchstaben überschmiert, falsch nachgehauen: lehung.

Anmerkungen

  1. Nach Wollaib, Par. Ulm. 375 war der Stein im nördlichen Seitenschiff „zu End der Männer Stühl, unten in der wand“, d. h. im östlichen Joch der Nordwand eingemauert. Direkt daneben befand sich ein zweites mit einem kleineren bronzenen Landschad-Wappen belegtes Grabmal, „an dem … die eingehauene Schrifft gantz ausgegangen“ war, vielleicht der Grabstein für den Vogt Friedrich Landschad († 1583).
  2. Vgl. Klemm, Württ. Baumeister 156 nr. 301; ders., Stadtkirche. Nachträge 18f.
  3. Möller, Stammtaf. I Taf. 36. Gabelkover (WLB, Cod. hist. O 16c) p. 16 berichtet, daß sich in Hans Pleickharts Haus in Geislingen zwei mit je vier Wappen bestickte Kissen sowie eine Tapete mit acht paarweise angeordneten Vollwappen befanden, alle aber offenbar ohne Inschriften, da Gabelkover bei der Wappenbestimmung unsicher ist. Erstes Kissen: „Bach, Lemlin, Urbach, Venningen; zweites Kissen: Enzberg oder Dürrmenz, Urbach, Helmstatt („vel tale quid“), Höfingen oder Münchingen; Tapete: Handschuhsheim/Venningen, Yberg/Nothafft, Lichtenstein/Sperberseck, Sachsenheim/Sickingen oder Flehingen.

Nachweise

  1. Wollaib, Par. Ulm. 375f.
  2. Klemm, Stadtkirche. Vortrag 49f.
  3. Kdm Geislingen 44.
  4. Burkhardt, Gräber 74 (Abb.).
  5. Bischoff, Führer 15 nr. 9.

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 366 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0036608.