Die Inschriften des Landkreises Göppingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 41: Göppingen (1996)

Nr. 35 Göppingen-Bezgenriet, ev. Pfarrkirche (St. Laurentius) 1409

Beschreibung

Wandmalereien, Darstellung des Weltgerichts. Im Chor, in zwei Schritten 1947 und 1949 aufgedeckt und restauriert1. An der Nordost-, Ost- und Südostwand ein durchgehendes, in zwei Bildstreifen gegliedertes Gemälde, das in der Mitte der Ostwand von einem Fenster unterbrochen wird. In der oberen hellen Bildzone Christus als Weltenrichter in der Mandorla, umgeben von den 12 Aposteln mit ihren typischen Attributen; über dem Fenster zwei Posaunenengel; die untere Zone ist durch ihren dunklen Hintergrund und durch ein trennendes Wolkenband gegen die Himmelszone abgegrenzt. Szenenfolge von Norden nach Süden: Gruppe der Seligen; Maria und Johannes der Täufer als Fürbitter unmittelbar unter dem Salvator kniend (Deesis, an dieser Stelle ist durch Unterbrechung des Wolkenbands die Verbindung zwischen Himmelreich und Erde symbolisiert); Auferstehung der Toten; Engel mit drohend erhobenem Schwert und Gruppe der Verdammten in Ketten. In der Fensterlaibung ursprünglich vielleicht zwei Heilige (?) und im Bogen darüber Reste einer 2zeiligen Inschrift über einer Reihe von drei, ursprünglich sicher fünf 6strahligen Sternen. Insgesamt stark zerstört2, bei der Restaurierung wurden die Fehlstellen größtenteils sehr frei ergänzt. Von der Inschrift sind nur mehr Fragmente der linken Hälfte erhalten, darunter links eine Krone; der Rest der Malereien in der Laibung ist ganz verloren.

Maße: H. (Gesamt) 225, B. 796, T. (Laibung) 44, Bu. 5,5 (Zeile 1), 7,0 cm (Zeile 2).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, gotische Majuskel.

DI 41, Nr. 035 - Göppingen-Bezgenriet - 1409

 Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. [. . . . . . . . . .]ta) · gemaụḷ[tb) . . . . . . . . . . . . . . . . . / . . . . · M° ·] C[°]C°C°C° · V · IIII°c) [. . .

Kommentar

Die Inschrift bezeichnet sicherlich das Herstellungsjahr des Wandgemäldes und lautet nach gängigem Formular und unter Berücksichtigung des vorhandenen Platzes etwa: Dies Bild wart gemault nach christi geburt / im jahr M° C°C°C°C° V IIII° [. . .]3. Die spärlichen Schriftreste lassen immerhin erkennen, daß g und t mit einem langen, weit unter die Grundlinie reichenden senkrechten Abstrich versehen sind. Die Jahreszahl ist in Majuskeln geschrieben. Die Bogenschwellung des C hat eine gerade Innenkontur und einen diese parallel begleitenden eingestellten Zierstrich. Ebenso wird der Schaft des I links von einem Zierstrich begleitet, der in der Mitte außerdem einen Halbnodus aufweist. Die Inschrift beweist, daß die Malereien bald nach der Stiftung der Kapelle 1405 durch Hans von Randegg (vgl. nr. 499 †) entstanden sind.

Textkritischer Apparat

  1. Davor eine Haste mit großem Abstand zum t, vielleicht ein r, jedenfalls kein langes s; Ergänzung demnach wohl [war]t, nicht [is]t.
  2. u vom Befund her ziemlich sicher, jedenfalls kein h, da eindeutig keine Oberlänge vorhanden ist. Vgl. nr. 37.
  3. Das hochgestellte o steht über dem ersten I. Ob über den übrigen I-Zahlzeichen ebenfalls ein Endungs-o gesetzt war, ist nicht mehr zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Georg Sigmund Graf Adelmann von Adelmannsfelden, Mittelalterliche Wandmalereien in Nordwürttemberg. Aufdeckungen 1945–1956, in: Heilige Kunst Jg. 1956, 5–28, hier: 18; Hummel, Wandmalereien Kr. Göppingen 99, dort auch nähere Beschreibung.
  2. Vgl. ebd. Abb. 26: Foto des Aufdeckungsbefunds.
  3. Hummel, ebd. 100 konnte die Inschrift nicht deuten, vermutete aber richtig, daß sie „vielleicht die Datierung der Malerei enthielt“.

Zitierhinweis:
DI 41, Göppingen, Nr. 35 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012k0003508.