Die Inschriften des Landkreises Göppingen

2. Historischer Überblick

Der Landkreis Göppingen ist im Zuge der württembergischen Verwaltungsreform von 1938 gebildet worden9). Der Zusammenschluß der Oberämter Göppingen und Geislingen und einige Gebietsabrundungen im Norden, Westen und Südosten legten seine Grenzen fest. Anders als die meisten übrigen Kreise Baden-Württembergs, wurde der Landkreis in diesen Grenzen bei der jüngsten Verwaltungsreform von 1973 nur geringfügig verändert. Dagegen wandelten sich die inneren Strukturen des Kreises zum Teil einschneidend durch Zusammenlegung von Gemeinden und Eingemeindungen, die das Ziel hatten, größere Verwaltungseinheiten zu schaffen. So wurden die historisch gewachsenen Ortschaften Weißenstein und Nenningen unter dem Kunstnamen „Lauterstein“ zusammengefaßt, die Städte Göppingen, Geislingen, Ebersbach und Donzdorf durch zum Teil umfangreiche Eingemeindungen bislang selbständiger Gemeinden erheblich vergrößert. Nach der Stadterhebung von Süßen 1995 besitzt der Landkreis nunmehr acht Städte.

Naturräumlich gliedert sich das Kreisgebiet in drei Zonen10): Im Nordosten hat es Anteil am Schurwald, der Süden und Osten gehört zur Schwäbischen Alb, und dazwischen erstreckt sich das breite Band des Albvorlands. Der Schurwald mit seinen engen Tälern und schmalen Höhenzügen bietet keine günstigen Siedlungsvoraussetzungen, er ist heute noch zum größten Teil bewaldet. Das Albvorland nimmt etwas weniger als die Hälfte des Kreisgebiets ein. Zu unterscheiden sind im Westen die schon früh besiedelte flachwellige Hochfläche, die in Ost-West-Richtung vom Filstal und in Nord-Süd-Richtung von den flachen Tälern der Zuflüsse durchzogen ist, und die dem Steilabfall des Albtraufs vorgelagerte schmale Vorbergstufe, die sich im Norden zwischen Hohenstaufen und Lauter zum Hügelland des Rehgebirges erweitert. In dieser durch Bachläufe tief durchschnittenen Hügellandschaft erfolgte die Besiedlung durch Einzelhöfe im wesentlichen im Hochmittelalter. Der Albtrauf bildet mit seinem rund 300 m steilen Anstieg gegenüber dem Vorland eine markante Geländestufe. Die Randhöhenzone der „Filsalb“ ist geprägt durch die tiefen Taleinschnitte der Fils und ihrer Zuflüsse. Ihre frühe Besiedlung in der Landnahmezeit und im Frühmittelalter erfaßte ausschließlich die Täler. Im äußersten Süden und Südosten des Landkreises erstreckt sich die Albhochfläche mit den Dörfern Hohenstadt und Aufhausen, den Nordosten des Kreisgebiets nimmt die mit [Druckseite XII] unfruchtbaren Böden ausgestattete und daher fast unbesiedelte Hochfläche des Albuch ein. Die Hauptlandschaften des Kreises werden verbunden durch die Fils, die in seinem südwestlichen Winkel entspringt, parallel zum Albtrauf die Filsalb bis Geislingen-Altenstadt durchzieht, dort nach Zufluß der Eyb fast rechtwinklig nach Nordwesten abbiegt, die Alb verläßt, das Albvorland durchfließt und schließlich bei Plochingen in den Neckar einmündet. Wichtigster Zufluß im Kreisgebiet ist die Lauter, die aus ihrem Tal zwischen Alb und Rehgebirge bei Süßen in die Fils mündet.

Zahlreiche Mineralquellen ließen seit dem 15. Jahrhundert zum Teil bedeutende Heilbrunnen und Bäder entstehen, die zu Bade- und Trinkkuren aufgesucht wurden. Im oberen Filstal sind die Säuerlinge von Ditzenbach und Überkingen, im unteren Filstal die von Göppingen, Jebenhausen und Faurndau zu nennen, ferner das Schwefelbad von Boll.

Vor- und frühgeschichtliche Besiedlung des Kreisgebiets sind mangels ausreichender archäologischer Untersuchungen nur unzureichend dokumentiert11). Erste Siedlungsspuren reichen in die späte Jungsteinzeit zurück. Der geschichtsträchtige Hohenstaufen war vielleicht schon in der Hallstattzeit, jedenfalls aber in der Latènezeit besiedelt. Bald nachdem die Römer um 85 n. Chr. die Neckarlinie erreicht und die Grenze zum Neckar-Alb-Limes vorgeschoben hatten12), entstand zwischen Eislingen und Salach ein Kastell zum Schutz der Rhein-Donau-Straße zwischen Cannstatt und Urspring13). Ein weiteres Kleinkastell konnte bei Deggingen nachgewiesen werden14). Spuren römischer Besiedlung – wenn auch spärliche – finden sich fast im gesamten Kreisgebiet.

Als die Alamannen 259/60 den Limes überrannten, fand die Römerherrschaft im rechtsrheinischen Obergermanien und in der Raetia nördlich der Donau ihr Ende. Außer unbedeutenden Einzelfunden in Göppingen und Türkheim hat die frühe Alamannenzeit im Kreisgebiet keine archäologischen Spuren hinterlassen15). Nach ihrer Unterwerfung durch die Franken Ende des 5. Jahrhunderts wurden die Alamannen in das merowingische Großreich eingebunden. Ab dem 5. Jahrhundert bis um 700 sind im ganzen Kreisgebiet, aber vornehmlich im Filstal, zahlreiche Reihengräberfriedhöfe angelegt worden. Zugehörige Siedlungen konnten freilich bislang archäologisch kaum nachgewiesen werden. Sie lassen sich durch die Ortsnamenforschung aber vielfach erschließen16). Die älteste Siedlungsschicht der Orte auf -ingen und -heim (5./6. Jahrhundert) findet sich vor allem im Filstal und den Seitentälern sowie auf der Albhochfläche. Das Albvorland südlich der unteren Fils und das oberste Filstal wurde durch den frühen Landesausbau des 7.–9. Jahrhunderts erschlossen (Orte auf -hausen, -hofen, -stetten); in diese Periode gehören auch Boll, Faurndau, Gingen und Wiesensteig. In den Reihengräberfriedhöfen fanden sich reichere Bestattungen in Donzdorf, Gruibingen, Eislingen und Geislingen-Altenstadt. Die Donzdorfer Funde, vorweg die hohe Zahl von mit Langschwertern ausgestatteten Kriegergräbern des 7. Jahrhunderts, dürfen als Hinweis darauf gewertet werden, daß Donzdorf (vielleicht der „Waldenbühl“?) damals der Sitz eines Adeligen mit kriegerischem Gefolge war17). In einem der Kriegergräber fand sich eine Gürtelgarnitur mit beschrifteten Riemenzungen (nr. 1). Die Inschrift bezeugt zusammen mit weiteren Grabfunden der Zeit die zumindest teilweise Christianisierung des alamannischen Stammesgebiets.

Kirchlich gehörte fast das gesamte Kreisgebiet zum Bistum Konstanz18), näherhin zu dessen Archidiakonat circa Alpes. Nur die ursprünglich zur Pfarrei Lorch gehörenden Orte Hundsholz (Adelberg-Dorf, vgl. nr. 169), Birenbach, Wäschenbeuren und Maitis im Norden zählten zur Augsburger Diözese. Zu den ältesten Pfarrkirchen gehören ihrem Patrozinium nach die Martinskirchen in Donzdorf, Göppingen-Oberhofen, Gruibingen und Zell, die Michaelskirchen in Geislingen-Altenstadt und Heiningen und die Marienkirchen in Eislingen, Eybach und Faurndau.

861 stifteten die Adeligen Rudolf und Erich das Cyriakuskloster in Wiesensteig und dotierten es reich. Die ersten Mönche kamen wahrscheinlich aus dem Kloster Lorsch an der Bergstraße. Um 950 [Druckseite XIII] erscheint Wiesensteig als Eigenkloster des Hochstifts Augsburg, 1130 wurde es dann in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt. Als Kleinkloster (monasteriolum) begegnet 875 Faurndau in einer Schenkung König Ludwigs des Deutschen an seinen Kaplan Liutprand, welcher es an St. Gallen weiterschenkte. Auch Faurndau erfuhr die Umwandlung in ein Kollegiatstift (vor 1228). Lorsch hatte im Kreisgebiet noch weiteren Besitz, unter anderem erhielt es durch eine Schenkung der Königin Kunigunde im Jahre 915 den Ort Gingen (bis 1147), wo Abt Salmann 984 eine Kirche errichten und weihen ließ. Bau und Weiheakt wurden inschriftlich festgehalten (nr. 2). Möglicherweise auf ein älteres Kloster läßt sich den Baubefunden nach die Cyriakuskirche in Boll zurückführen, die urkundlich 1155 als Chorherrenstift erscheint. Als Stifterin gilt die legendenumwobene Berta von Boll (vgl. nrr. 170, 230). Wesentlich jünger ist das Göppinger Oberhofenstift, das erst 1448 von Graf Ulrich von Württemberg errichtet und dem 1464 das Boller Stift inkorporiert wurde. 1178 gründete Volknand von Staufen/Ebersberg, vielleicht ein Verwandter des staufischen Königshauses19), mit dem Prämonstratenserkloster Adelberg auf dem Schurwald das einzige Kloster des Kreisgebiets, das einige Bedeutung erlangte. Es konnte eine ausgedehnte Grundherrschaft ausbilden und zahlreiche Güter und Patronatsrechte im und außerhalb des Landkreises an sich bringen. Eine unbedeutende Franziskanerinnenklause in Geislingen (1355) war die einzige Niederlassung der Bettelorden im Kreisgebiet. Auswärtige Klöster, die außer Lorsch zu verschiedenen Zeiten Besitz im Landkreis hatten, waren vor allem das Kirchheimer Frauenkloster, Kaisheim, Ursberg und Ellwangen, dem seit 1291 Eybach gehörte.

Die weltlichen Herrschaftsverhältnisse im Frühmittelalter bleiben weitgehend im dunkeln. Der Westrand des Kreisgebiets war Teil des Neckargaus. Die Grenze zum östlich benachbarten Filsgau, über den 998 ein Graf Walter gebot, könnte sich in der kirchlichen Grenze zwischen den Dekanaten Kirchheim und Göppingen bewahrt haben. Der Gau Pleonungotal umfaßte vermutlich das obere Filstal. Die Gründer von Wiesensteig, mit denen erstmals eine Adelsfamilie im Kreisgebiet aufscheint, gehörten der Sippe der Alaholfinger an, die wohl vorwiegend im Neckargau begütert waren, aber auch im Filsgau und an der oberen Fils Besitzungen hatten. Derselben Sippe entstammt Kunigunde, die, wie erwähnt, Gingen an das Kloster Lorsch schenkte. Als Rechtsnachfolger der Alaholfinger finden sich in wesentlichen Positionen im Süden und Westen des Landkreises im 11. Jahrhundert die Zähringer, ohne daß der Erbgang im Einzelnen sicher rekonstruiert werden kann. In deren Erbe wiederum traten eine Seitenlinie, die Herzöge (seit 1187) von Teck, sowie die Grafen von Körsch-Aichelberg ein, deren Besitz im Westen des Kreisgebiets eng ineinander verzahnt war.

Als Erben der Filsgaugrafen erscheinen nördlich von Fils und Lauter im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts die Staufer. Aus dem Ries stammend, bekleideten sie schon seit einiger Zeit die schwäbische Pfalzgrafenwürde20). Zu den Herrschaftsschwerpunkten zwischen Rems und Fils zählten im Kreisgebiet die um 1070 erbaute namengebende Burg auf dem Hohenstaufen, Göppingen, Ebersbach und die Vogtei über Kloster Adelberg. Das mächtige Geschlecht, das mit Friedrich von Büren 1079 zur schwäbischen Herzogswürde, mit seinem Enkel Konrad 1138 zur Königswürde und 1155 mit Friedrich Barbarossa schließlich zur Kaiserwürde gelangte und über ein Jahrhundert lang die europäische Geschichte entscheidend mitgestaltete, hat im Kerngebiet seiner Herzogsmacht kein einziges erhaltenes oder auch nur kopial überliefertes inschriftliches Zeugnis hinterlassen. Lediglich die Faurndauer Grabplatte eines Cunemunt aus dem 12. Jahrhundert (nr. 3) läßt sich mit Vorbehalt mit der staufischen Familie in Verbindung bringen. Erst das 16. Jahrhundert gedachte in Inschriften der staufischen Vergangenheit in Adelberg (nrr. 188, 189) und Hohenstaufen (nr. 360).

Im Süden des Landkreises begegnen als Angehörige der mächtigen Adalbertsippe im 11. Jahrhundert die älteren Herren von Helfenstein und die Herren von Ravenstein, in deren Besitz im 12. und frühen 13. Jahrhundert die Herren von Sigmaringen schrittweise durch Erbheiraten einrückten21). Nach der Verlegung ihres Hauptsitzes auf den Helfenstein benannten sie sich nach dieser Burg, ab etwa 1150 führten sie den Grafentitel. Die Herrschaft Spitzenberg im oberen Filstal, die bereits gegen Ende des 11. Jahrhunderts an die Sigmaringer gefallen war, könnte aus zähringischem Erbgut stammen. Den Grafen von Helfenstein gelang in der Folgezeit die Konsolidierung eines umfangreichen und verhältnismäßig geschlossenen Herrschaftsgebiets im Süden und Osten des Kreises. Ihren Machthöhepunkt erreichte die Familie in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als sie zusätzlich die Herrschaften Heidenheim und Blaubeuren an sich brachte.

[Druckseite XIV]

Der Burgenbau22) setzt im Kreisgebiet im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts mit den Dynastenburgen Hohenstaufen, Spitzenberg, Ravenstein und Helfenstein ein, im 12. Jahrhundert folgten wenige Burgen freiadeliger Familien, darunter Scharfenberg bei Donzdorf und Aichelberg. Den entscheidenden Impuls erhielt der Burgenbau im 13. Jahrhundert, als eine große Zahl von Ministerialenburgen und Amtssitzen errichtet wurden. Burgen staufischer oder königlicher Dienstmannen waren u. a. Staufeneck, das Wäscherschloß, Filseck, Ramsberg und Rechberghausen, zu den helfensteinischen Ministerialenburgen gehörten Weißenstein, Bühringen, die Hiltenburg bei Ditzenbach, Hoheneybach und das Geislinger Stadtschloß; der Reußenstein an der Südwestgrenze des Kreises war teckischer Ministerialensitz. Die späteren Ansitze des 14. Jahrhunderts waren vorwiegend Dorfburgen des Niederadels.

Unter den Städten des Bearbeitungsgebiets ist Göppingen die älteste. Die Marktanlage durch die Staufer erfolgte in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Vielleicht aber ebenfalls schon im 12. Jahrhundert wurde das wohl von den Grafen von Helfenstein bei dem Cyriakusstift gegründete Wiesensteig Stadt (Erstbeleg 1356). Helfensteinergründung des 13. Jahrhunderts ist Geislingen, das am Ausgang des Rohrachtals unter der Burg Helfenstein angelegt wurde, und von der nordwestlich an der Eybmündung gelegenen alten Siedlung Geislingen (seither „Altenstadt“) den Namen übernahm. Die Stadterhebungen von Heiningen (Teck) und Kuchen (Helfenstein-Spitzenberg) im ausgehenden 13. Jahrhundert waren nicht mehr erfolgreich, beide Orte sanken wieder auf den Status eines Dorfes herab. Dagegen konnten Rechberghausen (Teck) und der Burgflecken Weißenstein (Rechberg), Stadtgründungen des 14. Jahrhunderts, ihren Rang als Zwergstädte wahren. In Anlehnung an Burgen entstanden auch die Orte Aichelberg, Drackenstein und Hohenstaufen. Der hochmittelalterlichen Rodungsphase, mit der eine allgemeine Siedlungsverdichtung einherging, verdanken die Orte auf dem Schurwald ihre Entstehung.

Der Niederadel, der ab dem 12. Jahrhundert mit Besitz in den Orten des Kreisgebiets begegnet, ist fast ausschließlich der staufischen, teckischen, helfensteinischen oder aichelbergischen Ministerialität zuzuordnen. Nach dem Aussterben der Staufer 1268 gelang es vor allem den vormals staufischen Dienstmannen im Norden des Kreises, ihren Besitz auszubauen und teilweise in Allod umzuwandeln.

Hauptnutznießer des Endes der Staufer waren freilich die Grafen von Württemberg, denen noch im 13. Jahrhundert Göppingen und reicher Besitz in Ebersbach und Umgebung zufiel, der ihnen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Basis für eine zielstrebige Erwerbspolitik diente. Durch Kauf rückten sie in die Positionen der Herzöge von Teck und der durch Mißwirtschaft völlig heruntergekommenen Aichelberger ein. Ein großer Teil der Orte im Albvorland südlich der Fils unterstand ihnen nun direkt oder durch die Übernahme der Vogtei über Kloster Kirchheim und Boll. 1319 und 1362 erhielt Württemberg als Reichspfandschaften aus ehemals staufischem Besitz Burg und Amt Hohenstaufen und die wichtige Vogtei über Kloster Adelberg hinzu. Im 15. Jahrhundert gelangen noch der Erwerb von Faurndau und weitere Gewinne vorwiegend auf Kosten des Niederadels. Der württembergische Besitz im Kreisgebiet war zum überwiegenden Teil dem Amt Göppingen als Verwaltungseinheit zugeordnet.

Als Gegengewicht gegen Württembergs hegemoniale Stellung im Nordwesten des Bearbeitungsgebiets wuchs zunächst, wie gesehen, im Süden und Osten die Herrschaft der Grafen von Helfenstein, deren Abstieg aber 1356 einsetzte mit der Teilung der Familie in eine Wiesensteiger und eine Blaubeurener Linie. Die Wiesensteiger Linie, die den Besitz im Kreisgebiet erhielt, mußte ihre gesamte Herrschaft aus Finanznot 1382 an die Reichsstadt Ulm verpfänden und schließlich 1396 fast vollständig verkaufen, um zumindest die kleine Herrschaft Wiesensteig im oberen Filstal (bis Reichenbach) halten zu können. Sitz der Helfensteiner wurde zunächst die Hiltenburg bei Ditzenbach bis zu ihrer Zerstörung 1516, ab 1551 das neu erbaute Stadtschloß in Wiesensteig (nr. 264 †). Ulm war es gelungen, durch energische Territorialpolitik innerhalb von zwei Jahrhunderten das größte Territorium aller Reichsstädte aufzubauen. Geislingen wurde Zentrum der sog. Unteren Herrschaft sowie Sitz eines adeligen Vogts und eines Pflegers, der dem Ulmer Patriziat angehörte. Amtssitze im Kreis waren Süßen, Türkheim, Stötten und (Unter-)Böhringen, zeitweilig auch Aufhausen, Gingen, Kuchen und das 1405 erworbene Überkingen.

Neben Württemberg im Nordwesten, Ulm im Südosten und der zusehends an Bedeutung verlierenden „Rumpf-Grafschaft“ Helfenstein im Süden behauptete der Niederadel seine Stellung. [Druckseite XV] Allerdings konzentrierte sich der Besitz in den Händen weniger Familien. An erster Stelle sind die 1179 aufscheinenden von Rechberg zu nennen, deren Bedeutung für die Geschichte und den Inschriftenbestand des Kreises ein Blick in das Namen- und Wappenregister dieses Bandes hinreichend verdeutlicht. Der Stammsitz Hohenrechberg liegt ebenso wie die rechbergischen Orte Straßdorf, Waldstetten, Rechberg und Wißgoldingen im nördlich benachbarten Ostalbkreis. Vom Rehgebirge bis nach Böhmenkirch auf der Albhochfläche konnten die Rechberger einen beachtlichen, annähernd geschlossenen Besitz erwerben, dazu zeitweilig Faurndau und Eschenbach sowie teilweise umfangreichen Außenbesitz im Schwarzwald (Schramberg, vgl. nr. 219), in Oberschwaben und vor allem in bayerisch Schwaben (Illereichen, Kronburg, Osterberg, Babenhausen, Kellmünz). Häufige Teilungen in verschiedene Linien und Zweige führten aber immer wieder zu Besitzzersplitterung. Frühe Grablegen der Familie sind in Faurndau und im Gmünder Dominikanerkloster, ab dem Ende des 14. Jahrhunderts (nr. 24 †) entwickelte sich dann die Donzdorfer Pfarrkirche zur zentralen Grablege mehrerer auf den Burgen ringsum residierender Linien (Hohenrechberg, Ramsberg, Ravenstein, Scharfenberg, Donzdorf). Im 16. Jahrhundert begründeten die Staufenecker, die Weißensteiner und die Rechberghausener Linie jeweils eigene Grablegen23).

Die nach den Rechbergern bedeutendste Niederadelsfamilie sind die von Degenfeld, ursprünglich Rechbergische Ministeriale mit Stammsitz nördlich von Weißenstein außerhalb des Landkreises. Ihr wichtigster Besitz war das 1456 als ellwangisches Lehen erworbene Eybach, dazu kam 1623 als zillenhartsches Erbe die Ortsherrschaft über Dürnau. Die eigentliche Herrschaftsbildung der von Degenfeld vollzog sich erst nach 1650 durch Zuerwerb von Salach, Teilen von Großeislingen und Rechberghausen. Vom 14. Jahrhundert bis 1589 hatten die von Westerstetten die Ortsherrschaft über Drackenstein inne, die von Zillenhart waren von 1479 bis ins frühe 17. Jahrhundert Ortsherren von Dürnau. Schließlich seien noch, weil für den Inschriftenbestand von Belang, die von Liebenstein angeführt, die ab 1467/68 das Rittergut Jebenhausen als Allod besaßen.

Die Reformation hielt im Kreisgebiet zuerst 1531 im Ulmer Herrschaftsbereich Einzug24), freilich gegen den zum Teil lang anhaltenden zähen Widerstand der Landbevölkerung und der Geislinger Bürgerschaft. Die anfängliche zwinglische Ausrichtung der Ulmer Kirche bescherte den Kirchen einen heftigen Bildersturm, dem eine große Zahl von Inschriftenträgern, vor allem wohl Wandmalereien, Altäre, Bildepitaphien, Paramente und Vasa sacra, zum Opfer gefallen sein dürfte25). Ab 1558 orientierte sich Ulm dann eng an der lutherischen württembergischen Kirche, was zu einer deutlichen Milderung der Bilderfeindlichkeit führte. Die Ulmer Kirchenbehörde beaufsichtigte die Pfarreien zentralistisch durch regelmäßige Visitationen. Die wichtige Stellung des Visitators wird aus vielfachen Nennungen in Inschriften ersichtlich.

Württemberg führte die Reformation 1534 durch. Die Stifte Oberhofen (mit dem inkorporierten Boll) und Faurndau wurden aufgehoben. Das Kloster Adelberg, das in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts eine letzte kulturelle Blütezeit erlebt hatte, dann aber im Bauernkrieg teilweise zerstört worden war, wurde in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, die bis 1629 bestand. Die Güter und Einkünfte der kirchlichen Institutionen wurden eingezogen, der Adelberger Besitz blieb in einem eigenen Klosteroberamt (bis 1807) gesondert organisiert. Das Interim (1548–52) brachte nur für kurze Zeit eine Wiederbesetzung des Klosters mit Prämonstratensern, der letzte katholische Abt starb 1565 (nr. 298). Die Auswirkungen des Restitutionsedikts von 1629, unter anderem die Wiederbelebung des Oberhofenstifts durch Jesuiten, fanden keinen nachweisbaren inschriftlichen Niederschlag.

Daß das Kreisgebiet seit der Reformation konfessionell uneinheitlich war, liegt vor allem daran, daß die meisten Ritterschaftsorte katholisch blieben. Die von Rechberg mit ihrem großen Besitz blieben in sämtlichen Linien beim alten Glauben. Dagegen wurden Dürnau und Gammelshausen (Zillenhart) 1545 und Jebenhausen (Liebenstein) 1559/63 unter württembergischem Einfluß reformiert. Besitzwechsel führten nicht selten zu Konfessionswechseln der Ritterschaftsorte. In Salach und Eybach entstanden Simultaneen. Die helfensteinische Herrschaft Wiesensteig blieb zunächst katholisch, die von Graf Ulrich 1555 durchgeführte Reformation wurde bereits nach sieben Jahren von ihm selbst wieder rückgängig gemacht unter maßgeblichem Einfluß des Jesuitenpaters Petrus [Druckseite XVI] Canisius26). In die evangelische Zeit fallen die Hexenverbrennungen von 1563, denen 70 Frauen in Wiesensteig zum Opfer fielen.

Reformation und Gegenreformation haben im Kreisgebiet ihren deutlichen Niederschlag in Inschriften gefunden, einerseits in protestantischen Inschriften, die sich – nicht selten polemisch – gegen die „papistische“ angebliche Bilderverehrung wenden, andererseits in Inschriften und Darstellungen mit betont katholischer Thematik, wie etwa dem monumentalen Kelterbild in der Ramsberger Schloßkapelle (nr. 418) und dem Marienmonogramm in Winzingen (nr. 436), oder aber in Inschriften, die sich gegen die Zerstörungswut der evangelischen Bilderstürmer wenden, wie die Renovierungsinschrift auf einem Gnadenbild (nr. 389).

Der Dreißigjährige Krieg berührte das Kreisgebiet in den ersten Jahren noch kaum. So konnte noch 1618 die neue evangelische Stadtkirche in Göppingen errichtet werden (nrr. 424, 426, 431), und auch der Badbetrieb in den Kurorten scheint nach Ausweis der gestifteten Wappentafeln der Badgäste bis etwa 1630 noch funktioniert zu haben. Von Beginn an finden sich freilich inschriftlich ausgeführte Friedensgebete in den Kirchen (nrr. 434, 441, 444, 462), 1622 wird eine Teuerung – wohl auch als Folge des Kriegs – in einer Inschrift festgehalten (nr. 445). Von Truppendurchzügen zeugt eine Gedenkinschrift für zehn in Geislingen wegen Plünderungen hingerichtete kaiserliche Soldaten (nr. 461), Kriegszerstörungen durch kaiserliche Truppen werden in einer Inschrift über eine Kapellenerweiterung in Altenstadt (nr. 475) indirekt dokumentiert.

Die letzte bedeutende politische Veränderung des Kreisgebiets vor dem Ende des Bearbeitungszeitraums folgte aus dem Aussterben der Grafen von Helfenstein im Mannesstamm 1627. Die Herrschaft Wiesensteig fiel über die Erbtöchter zu einem Drittel an Fürstenberg, zu zwei Dritteln an Kurbayern und blieb somit katholisch. Bayern konnte 1752/53 auch den Rest der Herrschaft erwerben.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde zunächst 1802 das gesamte reichsstädtisch ulmische Gebiet kurbayerisch, der im Kreisgebiet liegende Teil wurde Teil des neuen Amtsgerichts Geislingen. Diesem wurden auch die Ritterschaftsorte östlich der Lauter zugeschlagen, die 1805 an Bayern fielen, während gleichzeitig die übrigen Ritterschaftsorte im Kreis Württemberg zugesprochen wurden. 1806 trat Bayern zunächst die Herrschaft Wiesensteig, 1810 auch die vormals ulmischen und ritterschaftlichen Gebiete an das Königreich Württemberg ab, das Wiesensteig und Teile des Amtsgerichts Geislingen im neuen Oberamt Geislingen zusammenfaßte. Außer den Oberämtern Göppingen und Geislingen hatten seither weiters im Westen das Oberamt Kirchheim (Aichelberg, Zell, Roßwälden, Sulpach) und im Norden die Oberämter Schorndorf (Adelberg), Welzheim (Wäschenbeuren) und Gmünd (Reichenbach unter Rechberg und Winzingen) Anteil am Gebiet des heutigen Landkreises. Diese Oberamtsgliederung27) blieb im wesentlichen bis zur Verwaltungsreform von 1938 unverändert.

2.1. Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Standorte

Für die Zeit bis 1650 sind im vorliegenden Band insgesamt 721 Inschriften nachgewiesen. Die 219 Wappentafeln der Badgäste aus Göppingen, Jebenhausen und Überkingen sowie einige weitere Inschriften wurden in Sammelnummern zusammengefaßt, woraus die deutlich niedrigere Zahl der Katalognummern resultiert. Abgesehen von den erwähnten Wappentafeln, die erstmals textkritisch ediert werden, bietet der Band 162 Erstveröffentlichungen (32%), von weiteren 32 Inschriftenträgern war bislang lediglich ein Teil der Inschriften publiziert. Aber auch viele der übrigen Texte waren bisher nur unzureichend und ungenau im Druck wiedergegeben.

Die geographische Verteilung der Inschriften zeigt mit den beiden wichtigsten Städten Göppingen (45) und Geislingen (69)28) und mit dem Ritterschaftsort Donzdorf (65) deutliche Schwerpunkte. Ins Gewicht fallen dann vor allem die drei genannten Bäder mit der großen Zahl von Wappentafeln: Jebenhausen 121, Göppingen 75, Überkingen 22. Enttäuschend wenige Inschriften sind dagegen – gemessen an der historischen Bedeutung – aus Kloster Adelberg (16) sowie aus Wiesensteig (15) und Boll (8) mit ihren Stiftskirchen überliefert. Ein Großteil der Wiesensteiger Inschriften ist zudem nur mehr abschriftlich bezeugt. Faurndau hat, vorwiegend aus der ehemaligen Stiftskirche, [Druckseite XVII] 16 Inschriften aufzuweisen, die bis auf zwei noch erhalten sind. Vor allem die Kopialüberlieferung vermehrt die Zahl der Inschriften in einigen Orten des ehemals ulmischen Gebiets erheblich: Bad Überkingen 16 (ohne die Wappentafeln), Kuchen und Süßen je 14, Gingen 11 und Türkheim 7. Deutlich hinter Donzdorf zurück bleiben hinsichtlich der epigraphischen Überlieferung die Ritterschaftsorte Eybach (17), Weißenstein (15), Drackenstein (12), Salach (12), Dürnau (11) und Rechberghausen (8).

Im Folgenden werden die bedeutendsten Inschriftenstandorte kurz vorgestellt. Damit soll eine erste Orientierung geboten werden und sollen die Inschriften im Zusammenhang in ihren lokalen Kontext eingeordnet werden. Die wichtigsten geschichtlichen Daten der hier nicht berücksichtigten Standorte finden sich in der Regel im Kommentar des Inschriftenkatalogs.

Oberhofenkirche Göppingen

Daß die Oberhofenkirche heute der einzige Inschriftenstandort von Bedeutung in Göppingen ist, ist der wiederholten völligen Zerstörung der Stadt durch Brände in den Jahren 1425 und vor allem 1782 zuzuschreiben. – An der Stelle eines römischen Gutshofs wurde im 7. Jahrhundert die erste Kirche in Oberhofen als Holzkirche errichtet29). Martinspatrozinium (ab dem 2. Drittel des 15. Jahrhunderts Maria und Martin) und ein ursprünglich sehr großer Pfarrsprengel deuten auf ihre Stellung als Urkirche hin. Es folgten zwei Steinbauten des 8./9. und wohl des 10. Jahrhunderts. Nach der nicht genau zu datierenden Stadterhebung der nahegelegenen und zum Pfarrsprengel gehörenden Staufergründung Göppingen wurde die Kirche etwa zwischen 1220 und 1240 als romanische Basilika mit halbrunder Apsis und Chorflankentürmen aufwendig neu errichtet. In die Stadtummauerung wurde sie freilich nicht einbezogen. Wie schon zuvor die Stadtherrschaft über Göppingen ging das Patronat der 1275 erstmals urkundlich erwähnten Pfarrkirche an Württemberg über. Auf die Initiative des Grafenhauses, das seit Anfang des 15. Jahrhunderts den Göppinger Sauerbrunnen bevorzugt zu Kuraufenthalten aufsuchte, geht der spätgotische Neubau der Oberhofenkirche zurück, dessen Baubeginn 1436 durch eine Inschrift am Westportal (nr. 51) dokumentiert ist. Wohl gleichzeitig mit dem Westteil (Tympanonrelief um 1440, nr. 55) entstand der polygonale überhöhte Chor, der nach Ausweis der Wappen in den Gewölbeschlußsteinen um 1450 vollendet war30). Aus dieser Zeit stammt auch das monumentale Wandgemälde an der Chornordwand zum Gedenken an die 1449 im Städtekrieg bei dem Gefecht am Mutzenreis auf württembergischer Seite gefallenen Ritter und Knappen (nr. 65). Erst jetzt wurde die romanische Kirche abgebrochen und das neue Langhaus an ihrer Stelle erbaut, die Chorflankentürme wurden auf den alten Fundamenten errichtet. Nachträglich wurde das einschiffige Langhaus im Osten querhausartig erweitert, im Süden ferner durch die Anfügung der gewölbten Zillenhartkapelle und der Portalhalle. Diese Erweiterungsbauten waren den aufgemalten Jahreszahlen (1488 und 1490) zufolge um 1490 abgeschlossen. Die südliche Eingangshalle ist mit einem Fresko der Zeit geschmückt, das die Gründungslegende der Kirche zum Thema hat (nr. 121). Schon 1448 war die Pfarrkirche auf Betreiben Graf Ulrichs V. zur Stiftskirche mit Propst, Scholaster, Kantor, neun Kanonikern und neun Chorvikaren erhoben worden. Das teilweise erhaltene Chorgestühl stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts (nr. 153).

Die Pfarrkirche ist seit jeher von einem Friedhof umgeben. Die bevorzugte Grabstätte in der Kirche blieb wohl, soweit man dies aus den überlieferten Grabinschriften schließen kann, den Angehörigen des Stifts und Adeligen, die sich vermutlich als Stifter hervorgetan hatten, vorbehalten. Erhalten sind aus der ersten Gruppe nur eine einzige Grabplatte eines Propstes (nr. 99), eine inschriftlose Kreuzgrabplatte, die einem Chorherrn zuzuordnen sein dürfte31), sowie das Epitaph eines Chorvikars von 1528 (nr. 228). Die nachweisbaren Adelsbestattungen in der Kirche beginnen 1466: Die von Schechingen (nrr. 84, 98) waren Lehenträger des Göppinger Sauerbrunnens, die von Randegg (nr. 92 †) werden als Stifter der Kapelle in Bezgenriet erwähnt, die von Zillenhart (nrr. 100, 182, 183; ferner nr. 164) stifteten die Zillenhartkapelle und stellten mit Wolfgang von Zillenhart von 1477 bis 1517 (?) den Stiftspropst (vgl. nr. 103).

Im Zuge der Reformation wurde das Stift 1535/36 aufgelöst und sein Vermögen säkularisiert. Die zuvor auch als Wallfahrtskirche aufgesuchte Stiftskirche verlor ihren gesamten reichen Kirchenschatz, [Druckseite XVIII] darunter sicherlich etliche Inschriftenträger32). Der Brauch der Kirchenbestattungen wurde weiterhin geübt, er blieb offenbar zunächst nach wie vor dem Adel vorbehalten: 1563 wurde Hans von Liebenstein, der Ortsherr und Reformator von Jebenhausen (nr. 276), in der Kirche beigesetzt, 1565, 1567 und 1590 drei Töchter des Göppinger Obervogts von Degenfeld. Erst ab dem Ende des 16. Jahrhunderts tritt die Ehrbarkeit der Stadt mit zum Teil aufwendigen Holzepitaphien in Erscheinung (nrr. 341, 398, 437, 463), der Stadtarzt Öxlin erhielt ein Steinepitaph (nr. 415). Vereinzelt lassen sich Bestattungen auswärtiger Adeliger nachweisen (nrr. 452, 470), die vermutlich während des Badaufenthalts in Göppingen verstorben sind.

Der Kirchenbau hatte 1580 eine Renovierung nötig (nr. 305 †). 1619 wurden die Pfarrechte auf die neu errichtete Göppinger Stadtkirche (Bauinschriften 422, 424, 426) übertragen. Die Oberhofenkirche wurde seither nur mehr für Taufen, Trauungen und als Begräbniskirche genutzt. Von der inschriftlich bezeichneten protestantischen Ausstattung ist lediglich eine Almosentafel von 1630 erhalten (nr. 464). Die zeitweilige Restitution des Stifts während des Dreißigjährigen Kriegs 1638–48 und die Wiederbesetzung durch Jesuiten läßt sich nicht in inschriftlichen Zeugnissen fassen. Ein Ergebnis war lediglich die Zerstörung der Empore und eines Teils der Grabplatten und Epitaphien durch die Jesuiten33). Trümmer von Holzepitaphien wurden lange Zeit im Raum über der Sakristei aufbewahrt34) und gelangten von dort zum Teil ins Städtische Museum im „Storchen“ (nrr. 388, 470). Das Geläut der Kirche ist nicht erhalten. Die größte Glocke mußte bereits 1653 an die Stadtkirche abgegeben werden35), wo sie vermutlich dem Stadtbrand von 1782 zum Opfer fiel. Die baufällige Kirche erfuhr eine barocke Umgestaltung (Stuckdecke 1686). Bestattungen des späten 17. und 18. Jahrhunderts dokumentieren sich in prunkvollen Barockepitaphien36). Nach vorübergehender profaner Nutzung des Baus im frühen 19. Jahrhundert begann 1854 die Restaurierung und neugotische Umgestaltung, die 1900 abgeschlossen wurde. Seit 1902 ist die Oberhofenkirche zweite Pfarrkirche Göppingens.

Geislingen an der Steige: ev. Stadtkirche und Friedhof Rorgensteig

Geislingen wurde zu unbestimmtem Zeitpunkt im ausgehenden 12. oder eher im 13. Jahrhundert, jedenfalls vor 1275, von den Grafen von Helfenstein unter ihrer namengebenden Burg am Beginn des Albaufstiegs zur Sicherung der dortigen bedeutenden Zollstation als Stadt gegründet. Älter als die Stadt sind das nordwestlich gelegene (Alten-)Giselingen (später Altenstadt), von dem die Neugründung den Namen übernahm, mit seiner in die Alamannenzeit zurückreichenden Martinskirche (nrr. 5, 20 †) und die am Oberlauf der Rohrach gelegene, wohl im 8. oder 9. Jahrhundert entstandene Mühlensiedlung Rorgensteig mit der Pfarrkirche St. Peter (urk. 1275)37). Der letzteren war Geislingen kirchlich zugeordnet. Erst nachdem der Hauptort der Grafschaft Helfenstein zusammen mit dem Großteil der Herrschaft 1382 an die Reichsstadt Ulm verpfändet worden war, wurde – wohl mit Ulmer Unterstützung – die in der Südwestecke der Stadtmauer gelegene Marienkapelle in den Rang einer Pfarrkirche erhoben und somit aus dem Filialverhältnis von Rorgensteig gelöst. Die Peterskirche verlor damit an Bedeutung und wurde 1537 abgebrochen. Über Alter und Aussehen der Marienkapelle, deren Patronat mit der Ortsherrschaft 1396 endgültig an Ulm überging, ist nichts bekannt; immerhin sind sechs Altäre und Meßpfründen bezeugt38). Mit den Pfarrechten erhielt die Marienkirche auch das Begräbnisrecht. Die kopial überlieferte Grabschrift des Veit von Eselsburg von 1416 (nr. 36 †) könnte zu einer Kirchenbestattung gehört haben39). Möglicherweise wurde auch Maria von Bosnien, die verwitwete Gräfin von Helfenstein, 1403 in der Geislinger Marienkirche beigesetzt, für die sie noch 1400 einen Altar gestiftet hatte. Darauf könnte ein nachträglich im 16. Jahrhundert angefertigtes „Epitaphium“ hindeuten, dessen inschriftliche Ausführung freilich nicht gesichert ist (nr. 359 †).

[Druckseite XIX]

1424 wurde die Kapelle abgerissen und an ihrer Stelle auf Geheiß des Ulmer Rats mit dem Neubau der Stadtkirche begonnen (Bauinschrift am Nordportal, nr. 41), den man offenbar dem Rang der Stadt als Mittelpunkt der Unteren Herrschaft und Sitz eines ulmischen Obervogts für angemessen erachtete40). Der Bau wurde als querschifflose Pfeilerbasilika mit Westturm in kürzester Zeit errichtet (Weihe 1428). Noch aus dem 2. Viertel des 15. Jahrhunderts dürften die nur mehr kopial überlieferten Glasmalereien in den Chorfenstern stammen, darunter vielleicht eine sog. Quaternionenreihe mit den die Reichstruktur symbolisierenden Wappen seiner wichtigsten Glieder (nrr. 44 †, 59 †). Eines der Fenster, das gleichzeitig als Epitaph fungierte, ist 1450 entstanden (nr. 63 †). Die älteste bezeugte Glocke wurde 1440 gegossen (nr. 54 †), zwei weitere 1567 (nrr. 282, 283†). Vor das Südportal wurde 1467 durch den Windsheimer Steinmetzen Hans Schweinbach eine Vorhalle gesetzt (eingehauene Jahreszahl und Steinmetzzeichen). 1512 zwang der Einbau des für eine Pfarrkirche ungewöhnlich großen Chorgestühls aus der Werkstatt Jörg Syrlins d. J. (nr. 196) zum Umbau der Sakristei, die sich seither nicht mehr zum Chor, sondern zum südlichen Seitenschiff hin öffnet. In der neuen Sakristei wurde 1518 eine Spruchtafel angebracht, die die Priester zur ordentlichen Ausführung der gottesdienstlichen Handlungen anhielt (nr. 208 †).

Von Beginn an wurde die Marienkirche offenbar für Bestattungen genutzt. Als Friedhof diente der enge Platz zwischen Kirche und südlicher Stadtmauer, der nach Westen hin noch durch das Gebäude der Franziskanerinnenklause beschnitten wurde. Bestattungen in der Kirche sind durch Grabplatten und Epitaphien für zwei Priester (nrr. 142, 167) und für Ulmer Patrizier (nrr. 88, 104, 128), Angehörigen der vom Ulmer Rat eingesetzten Pfleger zu Geislingen und Burgvögte auf Helfenstein, bezeugt. Das älteste erhaltene Grabdenkmal, der Totenschild des Adeligen Konrad von Degenfeld von 1430 (nr. 46), und die Epitaphien und Totenschilde für drei Angehörige der lokalen Oberschicht (nrr. 113 †, 220 †) weisen vielleicht ebenfalls auf Grablegen in der Kirche hin.

Die vorreformatorische Kirchenausstattung ist bis auf weniges, darunter das Chorgestühl und ein (inschriftloser) Seitenaltar aus der Werkstatt Daniel Mauchs, dem Bildersturm nach der Einführung der Reformation in Geislingen ab 1531 zum Opfer gefallen. Die Kirche diente auch danach noch als Begräbnisstätte, vornehmlich weiterhin für Pfarrer (nr. 432), für Ulmer Patrizier (nrr. 262, 323 †, 357, 442) und für die adeligen Vögte und ihre Angehörigen (nrr. 353, 366, 472 †, 473 †), daneben ferner für in Geislingen verstorbene auswärtige Bürger (nrr. 273 †, 399). Eine feste Tradition der Grablege für Vögte und Pfleger konnte sich schon deshalb nicht ausbilden, weil der Ulmer Rat die Ämter nicht auf Lebenszeit vergab. Die Geislinger Bevölkerung, auch ihre Oberschicht, d. h. die Familien, die die Mitglieder des zwölfköpfigen Gerichts stellten, scheint durchweg auf dem Friedhof und nicht in der Kirche bestattet worden zu sein. Darauf deutet hin, daß für einige Richter, die zwar Totenschilde oder Epitaphien in der Kirche erhielten, die Grabsteine vom Friedhof erhalten sind.

1608 wurde der Friedhof bei der Stadtkirche wegen Platzmangels aufgelassen und wieder nach Rorgensteig verlegt (Denkmal und Schrifttafel am Karner, nrr. 392 †, 393 †)41). Dabei oder wenig später müssen einige der jüngeren Grabsteine vom Kirchhof auf den neuen Friedhof versetzt worden sein (nrr. 303, 309, 377, 385)42). Die Geislinger Oberschicht ließ ihre – meist beidseitig beschrifteten – Grabsteine nach recht einheitlichem Muster im späten 16. und im 1. Viertel des 17. Jahrhunderts in Ulm anfertigen. Zwölf der Grabsteine (davon elf erhalten) wurden 1879 zum Schutz vor der fortschreitenden Verwitterung von Rorgensteig in die Stadtkirche versetzt, dort jedoch zunächst (und erneut nach der letzten Renovierung und Versetzung 1971) so eingemauert, daß die Rückseiten heute unzugänglich verdeckt sind.

Die Entstehungszeit der nachreformatorischen Ausstattungsstücke der Stadtkirche läßt sich meist durch Inschriften nachweisen: Das Gestühl auf der Westempore wurde 1606 vom Geislinger Gericht neu errichtet (nr. 382 †), der neue Altar von 1619 wurde 1621 mit weiteren chronikalischen Inschriften versehen (nr. 434), die Kanzel entstand 1621 (nr. 440); im selben Jahr wurde eine aus Holzheim stammende Orgel in die Kirche gestiftet (nrr. 383 †, 441 †), und 1622 wurde die Stelle beim Sakristeieingang, an der der Taufstein stand, mit einem Wandgemälde der Taufe Christi ausgeschmückt (nr. 355 †). An den Wänden und auf Schrifttafeln haben der Pfarrer Walliser und sein Helfer und Nachfolger Roth wiederholt ihre Dichtkunst unter Beweis gestellt, unter anderem in Form von Friedensgebeten oder in der Aufforderung der Gemeinde zum Kirchengesang (nrr. 413 †, 433 †, 462 †).

[Druckseite XX]

Adelberg, Kloster und Dorf (Hundsholz)

Nach wiederholt gescheiterten Anläufen gründete Volknand von Staufen43) 1178 das in der Folge von Prämonstratensern aus Roggenburg besiedelte Kloster Adelberg44). Kaiser Friedrich I. nahm das noch nicht fertiggestellte Kloster 1181 in seinen Schutz45). Nach der Errichtung eines Frauenkonvents 1188 war Adelberg Doppelkloster, bis das Frauenkloster 1476 nach Lauffen am Neckar verlegt wurde46). Aus den ersten Jahrhunderten des Klosters, das zunächst von den Herzögen von Schwaben und ab 1362 von Württemberg bevogtet wurde, sind keinerlei inschriftliche Zeugnisse bekannt. Die fast völlige Zerstörung der Klosteranlage 1361 durch Brand könnte dafür mit verantwortlich sein. Die – verlorenen – Beschläge eines Gesangbuchs, die mit Nameninschriften und Wappen an die Stifter Friedrich Barbarossa und Volknand von Ebersbach erinnerten, können vielleicht mit der Neubelebung der Stiftermemoria im frühen 15. Jahrhundert in Verbindung gebracht werden (nr. 42), sie gehören möglicherweise aber auch erst ins frühe 16. Jahrhundert, als die intensivierte Rückbesinnung auf die Anfänge des Klosters zur Ausmalung der Ulrichskapelle mit Szenen der Gründungsgeschichte führte (nr. 188)47). Die Adelberger Herkunft des von Jörg Syrlin d. Ä. angefertigten Evangelienpults von 1458 (nr. 73), das im vorigen Jahrhundert aus Ottenbach ins Ulmer Museum gelangte, ist nicht gesichert.

Die sicher nachweisbare inschriftliche Überlieferung setzt erst spät mit dem baufreudigen Abt Berthold Dürr (um 1460–1501) ein. Seine Bautätigkeit dokumentiert sich zunächst in Bauinschriften an Wirtschaftsgebäuden des Klosters 1481 (nr. 105) und 1485 (nr. 109). 1490 wurde mit dem Bau der Dorfkirche im benachbarten, zur Augsburger Diözese gehörenden Hundsholz (seit 1851: Adelberg) begonnen (Bauinschrift nr. 118). An der Holzdecke der Kirche ließ Dürr wenig später ein Gemälde zum Gedenken an den ersten Propst des Klosters mit Gebetinschrift anbringen (nr. 132 †). Die Anfertigung des Altars der Dorfkirche, deren Predella erhalten ist (nr. 175), fällt wohl bereits in die Amtszeit von Abt Bertholds Nachfolger und Verwandten Leonhard Dürr (1501–38). Noch 1500 wurde eine Glocke für die Adelberger Klosterkirche gegossen (nr. 166), im selben Jahr der Grundstein für den Neubau der Ulrichskapelle im Kloster gelegt (Bauinschrift nr. 169), welche bereits 1054 urkundlich erwähnt wird. 1507 erhielt die neue Kapelle eine Glocke (nr. 186) und 1511 einen in der Zeitblom-Werkstatt gefertigten Retabelaltar (nr. 155). Die bereits erwähnte Ausmalung mit Szenen der Klostergründungsgeschichte erfolgte ebenfalls in dieser Zeit. 1517 wurde eine zweite Glocke gegossen (nr. 203). Leonhard Dürr setzte die Baumaßnahmen seines Vorgängers fort. Davon zeugen ein nicht näher zu datierender Gewölbeschlußstein aus der Klosteranlage (nr. 236) sowie eine Bauinschrift von 1514 am Kornhaus des Adelberger Klosterpfleghofs in Göppingen (nr. 199). Unter Abt Leonhard war im Kloster eine eigene Bildhauerwerkstatt tätig48), die um 1520 eine Reihe von Abtsepitaphien schuf, darunter das für Abt Berthold Dürr (nr. 209). Von drei der vier nur mehr fragmentarisch erhaltenen Figurenepitaphien sind keine Inschriften bekannt. Alle älteren Propst- bzw. Abtsgrabmäler sind ganz verloren – Folge der teilweisen Zerstörung des Klosters im Bauernkrieg und des nach Einführung der Reformation verfügten Abbruchs der Klosterkirche, deren Steinmaterial zum Festungsbau nach Schorndorf geschafft wurde49). Abt Leonhard wich ins Roggenburger Mutterkloster aus, doch gab es auch nach seinem Tod (1538) noch bis 1565 katholische Äbte in Adelberg. Der letzte, Abt Ludwig Wernher, erhielt 1576 ein Epitaph in der Ulrichskapelle (nr. 298). Das Kloster wurde in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, die bis 1629 bestand. Namenkritzeleien [Druckseite XXI] auf dem Altar in der Ulrichskapelle dürften vorwiegend das Werk von Klosterschülern sein (nr. 193 M). Für einen evangelischen Abt ist die Bestattung in oder bei der Dorfkirche in Hundsholz durch das erhaltene Epitaph bezeugt (nr. 454).

Faurndau, ehemalige Stiftskirche

Faurndau wird 875 erstmals erwähnt. König Ludwig der Deutsche schenkte das damals bestehende monasteriolum seinem Hofdiakon Liutprand50), der es wenige Jahre später an das Kloster St. Gallen weitergab. Vielleicht schon in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, jedenfalls aber vor 1228, erfuhr das Kloster die Umwandlung in ein weltliches Chorherrenstift, das sich aus der Abhängigkeit von St. Gallen lösen konnte. In das frühe 13. Jahrhundert fällt der Bau der erhaltenen spätromanischen Stiftskirche, für die durch Notgrabungen (1959) drei Vorgängerbauten ermittelt werden konnten51). Die dreischiffige Säulenbasilika ist eines der herausragendsten spätromanischen Bauwerke Schwabens52). Noch aus dem Vorgängerbau stammt das Fragment einer Grabplatte des 12. Jahrhunderts (nr. 3). Wohl dem späten 13. Jahrhundert gehört die erhaltene Ausmalung des Chorgewölbes (nr. 10 I) an, wenig später wurden auch die Chorwände bemalt (nr. 10 II–III). Der geplante Bau eines Turms am Westende des südlichen Seitenschiffs kam nicht zur Ausführung. Stattdessen wurde vor der Mitte des 14. Jahrhunderts der mächtige Glockenturm auf den Westgiebel gesetzt. Etwa gleichzeitig führten Bauveränderungen im Chor zur Beschädigung der Wandmalereien durch Einbruch eines Maßwerkfensters. Der Guß einer Glocke 1455 (nr. 69) könnte im Zusammenhang stehen mit Umbaumaßnahmen an den oberen Turmgeschossen.

Die Vogtei über das Stift kam vermutlich von den Staufern an die Herren von Staufeneck; spätestens 1346 befand sie sich dann in Händen der Herren von Rechberg zu Rechberghausen53), denen die Kirche auch als Grablege diente (nrr. 13, 23). Aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert sind einige Grabplatten für Adelige der näheren Umgebung (Reuß von Reußenstein, Zillenhart) bezeugt (nrr. 80, 93, 211); durchweg der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts gehört eine Reihe von zum Teil inschriftlosen Grabplatten für Priester – wohl allesamt Stiftsherren – an (nrr. 107, 117).

Nach dem Aussterben der älteren Rechberger Linie der Herren von Rechberg wechselten die Vögte wiederholt, bis die Vogtei zu Beginn des 16. Jahrhunderts an Württemberg überging. Württemberg hob mit der Einführung der Reformation 1535/36 das Stift auf. Die Kirche dient seither nur mehr als Pfarrkirche. Die weitere Nutzung als Begräbnisstätte dokumentiert sich in Grabplatten des 17. Jahrhunderts (nrr. 406, 407, 446). Ein Grabstein von 1568 (nr. 285) befand sich wohl seit jeher auf dem die Kirche umgebenden Friedhof.

Donzdorf, kath. Pfarrkirche St. Martin

In oder nahe bei Donzdorf befand sich schon in fränkisch-alamannischer Zeit ein Adelssitz54). Der Ort selbst wird aber erst 1275 urkundlich erwähnt. Er gehörte möglicherweise zu der südlich gelegenen Burg Scharfenberg, die 1156 erstmals urkundlich bezeugt ist und die zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Besitz der Rechberger, dann der Grafen von Helfenstein und schließlich ab 1379 wieder der Rechberger erscheint. Die Herrschaftsrechte im Ort gingen noch vor der Mitte des 14. Jahrhunderts weitgehend von den Helfensteinern an die Herren von Rechberg über, die alleinige Ortsherrschaft konnten diese gleichwohl erst 1797 gewinnen. Außer der ab etwa 1426 nachweislich auf dem Scharfenberg ansässigen Seitenlinie der Rechberger zu Illereichen war auch die Linie zu Staufeneck an Besitz und Herrschaft im Ort beteiligt. Nach dem Aussterben der Scharfenberger folgte ihnen ein anderer Zweig der Illereichener Seitenlinie im Besitz nach. Er benannte sich seit der Verlegung der Residenz in das Donzdorfer Schloß 1568/69 nach dem Ort zu. Das Schloß im Ort ist im Kern freilich älter und wurde schon im 15. Jahrhundert zumindest zeitweilig als Wohnsitz genutzt (vgl. nr. 95 †).

[Druckseite XXII]

Die Pfarrkirche St. Martin wird wie der Ort 1275 erstmals erwähnt. Ihr Patronat – ursprünglich helfensteinisch – war seit dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts in Händen der Rechberger. Zur Baugeschichte der Kirche fehlen gründliche Untersuchungen55). Notgrabungen (1987) lassen auf mindestens drei Vorgängerbauten der heutigen Kirche schließen, deren frühester vielleicht noch ins 8. Jahrhundert zu datieren ist. Der Bau, wie er sich heute darbietet, ist im Kern spätgotisch, wurde aber 1778/79 durchgreifend im Barockstil umgestaltet. Es haben sich keine präzisen Beschreibungen des Zustands vor der Barockisierung erhalten. Vage Anhaltspunkte liefert Oswald Gabelkover, der sich in seinen „Annotata zu Dunzdorf Inn der Kirchen“ freilich im wesentlichen auf die Angabe der Grabdenkmäler beschränkt56). Die Gabelkoversche Beschreibung wurde 1893 fast vollständig von Theodor Schön veröffentlicht unter dem Titel „Die einstige Ausschmückung der Kapellen in Hohen-Rechberg, Ramsberg, Stauffeneck, sowie der Kirche in Donzdorff“57). Dabei ist Schön allerdings ein folgenschwerer Irrtum unterlaufen. Denn er erkannte durch die falsche Ordnung der Blattlagen58) nicht, daß sich die gesamte Aufzeichnung Gabelkovers allein auf die Donzdorfer Pfarrkirche bezieht, und daß die Beschreibung der Grabmäler in der „Stauffenecker Capell“, in der „Ramsperger capell“ und in der „Hohen Rechberger Capell“ durchweg die Seitenkapellen der Pfarrkirche und nicht etwa die Burgkapellen von Staufeneck, Ramsberg und Hohenrechberg meint. Alle seither von der Lokalforschung daraus gezogenen Schlußfolgerungen für die Ausstattung der drei Burgkapellen sind mithin hinfällig. Zwar sind für alle drei Burgen im späten Mittelalter Burgkapläne bezeugt, von einer Übertragung von Pfarrrechten und somit des Begräbnisrechts auf eine oder gar mehrere dieser Burgkapellen ist aber nichts bekannt59). Für die Donzdorfer Pfarrkirche ergibt sich daraus, daß im Chor die Angehörigen der Scharfenberg-Donzdorfer Linie der Rechberger bestattet wurden und daß drei Seitenkapellen bestanden, die jeweils vorwiegend einem anderen Zweig der Familie, nach dem sie auch benannt zu werden pflegten, als Grablege dienten. Freilich ist in den zahlreichen Fällen, in denen für einen Verstorbenen lediglich Epitaph oder Totenschild bezeugt sind, auch eine Bestattung an anderem Ort zu erwägen und können nur die Grabplatten als sichere Indizien für tatsächliche Grablege in der Kirche gelten. Aber dennoch erscheint die Donzdorfer Pfarrkirche in neuem Licht als die zentrale Stätte des gemeinsamen Totengedenkens für mehrere Zweige der Familie von Rechberg, die auf den Burgen der näheren Umgebung saßen. Vermutlich sind die beiden noch bestehenden Kapellen – die Antonius- bzw. Gruftkapelle im Norden und die Sebastianskapelle im Süden – zwei der von Gabelkover aufgeführten Seitenkapellen und somit Teile des spätgotischen Baus, nicht erst spätere Anbauten60). Für die Sebastianskapelle ist die Bezeichnung „Ramsberger Kapelle“ immerhin bezeugt61). Näheres zur Lage der drei Kapellen teilt Gabelkover nicht mit. Die Staufenecker Kapelle, in deren Nähe sich die Kanzel befand, und die Hohenrechberger Kapelle besaßen jeweils eine Tür, doch ist nicht klar, ob diese nach außen führte oder lediglich die Verbindung zum Langhaus oder zum Chor herstellte.

Insgesamt sind für die Donzdorfer Kirche 52 aus dem Berichtszeitraum stammende inschriftlich bezeichnete Grabmäler aller Art – Grabplatten, Epitaphien und Totenschilde – überliefert, dazu zwei unbeschriftete Grabplatten sowie zwei epitaphähnliche, als Wandmalerei bzw. als Tafelbild ausgeführte [Druckseite XXIII] Familiengedenkbilder (nrr. 212 †, 244 †). Die Interpretation des Befundes wird indes erheblich erschwert durch die Ungenauigkeit der Überlieferung und die geringe Zuverlässigkeit bei der Textwiedergabe. Außer Gabelkover beschreibt auch Johann Georg Waltz einen Teil der Grabmäler, einige sind auch in Aufzeichnungen im Gräflich Rechbergschen Archiv festgehalten. Häufige Verlesungen und Kürzungen, die oft ausgerechnet die Namen und Todesdaten der Verstorbenen betreffen, führen zu Widersprüchen, die gelegentlich nur schwer in Einklang zu bringen sind. Die in der Familie von Rechberg häufig wiederkehrenden Leitnamen Albrecht, Bero, Georg, Hans, Hugo (Haug), Konrad und Ulrich begünstigen zudem Verwechslungen.

Das älteste bezeugte Rechberger-Grabmal ist die Grabplatte des 1396 verstorbenen Gebhard I. zu Illereichen, der als Stammvater der Scharfenberger Linie im Chor vermutlich an bevorzugter Stelle beigesetzt war (nr. 24 †). Dieser Stein ist offenbar zusammen mit einer Grabplatte von 1452 (nr. 67) und etlichen Epitaphien und Totenschilden des 15. Jahrhunderts aus dem Vorgängerbau der Kirche übernommen worden. Der überwiegende Teil der Grabmäler stammt dann aus dem 16. Jahrhundert.

Außer für die von Rechberg und ihre Frauen sind auch Grabmäler für die Herren von Elchingen bezeugt (nrr. 40, 102), für die Herren von Winkental zu vermuten (vgl. nr. 244). Im 3. Viertel des 16. Jahrhunderts fanden ferner ein Stor von Ostrach und eine Truchsessin von Höfingen ihr Grab in der Kirche (nrr. 275, 291), ohne daß ihre Beziehungen zu Donzdorf oder zu den Herren von Rechberg geklärt wären. Einziges Grabmal für Nichtadelige ist ein Epitaph für zwei Pfarrer (nr. 342). Das zugehörige Grab befand sich wahrscheinlich außerhalb der Kirche auf dem Friedhof. Die meisten Grabmäler überstanden den Kirchenumbau des 18. Jahrhunderts nicht.

Zur Baugeschichte der Pfarrkirche ist von der inschriftlichen Überlieferung her zu ergänzen, daß die Westempore nach Aussage der auf den beiden Stützen angebrachten, bisher falsch gedeuteten Jahreszahl (nr. 409) erst 1614, nicht schon im 16. Jahrhundert, eingebaut worden ist. Von der inschriftlich bezeichneten Kirchenausstattung haben sich aus dem Berichtszeitraum sonst nur die Tafeln eines Retabelaltars aus der Zeitblomwerkstatt in Karlsruhe und Donaueschingen erhalten (nr. 120). Ein weiterer Altar von 1506 gelangte schon im 16. Jahrhundert nach Jebenhausen (nr. 184 †); ein dritter, von dem keine Inschriften überliefert sind, befand sich in der Staufenecker Kapelle. Die Ramsberger Kapelle war mit Wandmalereien geschmückt (nr. 212 †).

Salach, ev. Pfarrkirche

Die Ortsherrschaft über Salach war Zubehör der Herrschaft Staufeneck62), die ab 1333 einer Linie der Herren von Rechberg gehörte, welche sich nach der Burg nannte. Die Rechberger besaßen auch das Patronat der 1275 erstmals erwähnten Pfarrkirche St. Margaretha. Der gotische Kirchenbau weist im Turmchor Gewölbe- und Wandmalereien aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts auf (nr. 62). Die südlich an den Chor angebaute kreuzgratgewölbte sogenannte alte Sakristei mit dreiseitigem chorartigem Abschluß ist eher eine Hinzufügung des 16. als des 17. Jahrhunderts63). Sie hatte ursprünglich möglicherweise die Funktion einer Grabkapelle. Denn ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zu ihrem Aussterben 1599 nutzten die Rechberger zu Staufeneck die Pfarrkirche als Grablege. Noch 1553 war Konrad VI. von Rechberg zu Staufeneck in der Staufenecker Kapelle der Donzdorfer Pfarrkirche beigesetzt worden (nr. 261), 1556 und 1558 fanden dann die ersten nachweisbaren Bestattungen in Salach statt (nrr. 265, 266, 269). Erhalten sind im Langhaus zwei monumentale Epitaphien aus der Ulmer Schaller-Werkstatt (nrr. 297, 335) sowie in der Seitenkapelle drei weitere Grabmäler, von denen zwei vielleicht als Grabplatten dienten64).

1600 fiel die Herrschaft Staufeneck an Württemberg, das die Reformation einführte, die Herrschaft aber bereits 1604 an die von Freyberg verkaufte (Simultaneum 1655). 1603 baten „Maximilian Schenk von Stauffenberg, der Stadt Constanz Hauptmann, und Conrad von Wernau ... die verwittwete Freifrau von Rechberg-Staufeneck um die Erlaubniß, dem Vater des weiland Reuß von Reußenstein, dem Letzten seines Stamms und Namens“, in der Salacher Kirche „einen Grabstein errichten zu dürfen. Dieß scheint gestattet worden zu sein“65). Das Grabmal ist indes nicht erhalten. Der Raum unter der „alten Sakristei“ diente den Herren von Degenfeld, die ab 1665 die Ortsherrschaft innehatten, als Gruft. Ob diese Gruft auch schon vorher benutzt wurde, ist unklar. Bei ihrer [Druckseite XXIV] Öffnung 1954 (?) wurden keine Inschriften gefunden66). – Aus Burg Staufeneck ist lediglich eine ausführliche Bauinschrift von 1592 erhalten (nr. 337).

Eybach

Die Burg Hoheneybach und ein großer Teil des Orts Eybach, der 1275 erstmals urkundlich erwähnt wird, waren ellwangisches Lehen der Grafen von Helfenstein, die ihr Lehen 1291 dem Kloster verkauften. In der Folgezeit wechselten die Lehenträger mehrfach, von 1412 bis 1456 waren es die Herren von Zillenhart. An sie erinnerte eine wohl um 1450 als Wand- oder Tafelmalerei ausgeführte Darstellung von 21 Familienmitgliedern in der Eybacher Kirche (nr. 64 †). 1456 kauften die Herren von Degenfeld das Lehen, dessen Majorat bis 1802 beim Kloster bzw. Stift Ellwangen verblieb. In dem Kirchenbau des 15. Jahrhunderts, zu dessen Baugeschichte noch keine Untersuchungen vorliegen, haben sich ein inschriftlich datiertes gotisches Sakramentshaus von 1468 und ein fragmentarisches, keine Inschrift mehr aufweisendes Epitaph eines Herrn von Degenfeld aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts erhalten67). Im nördlich an das Kirchenschiff anstoßenden Turm hängen noch zwei Glocken von 1483 und 1493 (nrr. 106, 126). Von den Epitaphien und Totenschilden des 16. bis 18. Jahrhunderts, die sämtlich für Angehörige der Familie von Degenfeld bestimmt waren, sind einige verschollen. Sie sind vermutlich bei der Kirchenerweiterung von 1970 beseitigt worden, als die Südwand des Langhauses und eine südlich angebaute Kapelle abgerissen und durch einen unorganischen modernen Anbau ersetzt wurden. Die einzige erhaltene Grabplatte aus dem Bearbeitungszeitraum – vielleicht die Deckplatte eines Hochgrabs – befindet sich heute an der Außenwand der Kirche (nr. 294). Wie für die Herren von Zillenhart, gab es in der Eybacher Kirche offenbar auch Familiengedenktafeln der von Degenfeld. Eine, wohl um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene, ist verloren (nr. 256 †), eine weitere, kleinformatige, aus der Zeit um 1570 (nr. 293) hat sich in Privatbesitz erhalten. Reformationsversuche der Herren von Degenfeld im Jahre 1607 scheiterten am Widerstand der Fürstpropstei Ellwangen: Die Pfarrei blieb katholisch, die Marienkirche wurde aber seither simultan genutzt.

Ein außergewöhnliches inschriftliches Denkmal für die Familie von Degenfeld, die in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts im Ort ein Schloß errichtete (barocker Neubau von 1766/75), stellte eine – leider verschollene – Ehrenkette dar, die dem Feldherrn Christoph Martin Freiherrn von Degenfeld von der Republik Venedig für seine militärischen Verdienste auf dem Balkan verliehen worden war (nr. 484 †).

Die Sauerbrunnenbäder in Göppingen, Jebenhausen und Überkingen

Der Göppinger Sauerbrunnen („Schwalbrunnen“), der 1404 erstmals urkundlich erwähnt ist, war ein beliebter Aufenthaltsort der Grafen bzw. Herzöge von Württemberg. Als Lehen war er im 15. Jahrhundert im Besitz der von Zillenhart und der von Schechingen. Nach zeitweiligem Niedergang des Bads erweiterte der württembergische Baumeister Aberlin Tretsch 1557 das Badgebäude68). Nach dem Auftraggeber Herzog Christoph wurde das Bad seither Christophsbad genannt. Das Badwirtshaus, das 1617–18 von Heinrich Schickhardt um zwei Geschosse aufgestockt wurde, diente sowohl als Badgebäude mit großem Gemeinem Bad und nach Geschlechtern getrennten Bädern für Edelleute und Bürger als auch als Gasthaus für die Badgäste. Die Wappentafeln, die die Badgäste nach Ausweis der überlieferten Inschriften spätestens ab 1551 zur Erinnerung an ihren Kuraufenthalt zu stiften pflegten (nrr. 259, 427), wurden vermutlich hauptsächlich im Mittelgang des ersten Stocks und in den Gaststuben aufgehängt. 1745 ging das Bad in Privatbesitz über; 1852 wurde eine noch bestehende Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke gegründet. Der Göppinger Mineralbrunnen ist heute einer der bedeutendsten deutschen Mineralbrunnenbetriebe.

Zeitweilig für Bad- und Trinkkuren beliebter und daher auch stärker frequentiert als das Göppinger Bad war der Sauerbrunnen in Jebenhausen69). Er war im 15. Jahrhundert im Besitz der Herren [Druckseite XXV] von Ahelfingen und ging über Kaspar von Schlat an die Herren von Liebenstein über. 1610 wurde ein neues Badwirtshaus erbaut (seit 1970 Städtisches Naturkundliches Museum), ein (wiederverwendeter?) Dachziegel ist inschriftlich auf 1606 datiert (nr. 384); das alte, schon im 15. Jahrhundert genannte Badhaus könnte das westlich gelegene, noch im Kern erhaltene Fachwerkgebäude sein. Das neue Gebäude, genannt „Zum Großen Christoffel“, besaß 23 Zimmer, einen Saal und Kramläden. Die im Saal aufgehängten Wappentafeln der Badgäste setzen wie in Göppingen 1551 ein (nr. 258), d. h. sie stammen zu einem guten Teil noch aus dem alten Gasthaus. Der im 17. Jahrhundert blühende Badbetrieb sank im 18. Jahrhundert stark ab. Heute wird der Brunnen nur mehr zur Mineralwasserabfüllung genutzt.

Im ehemals ulmischen Teil des heutigen Kreisgebiets genoß das Überkinger Sauerbrunnenbad seit dem 15. Jahrhundert einen guten Ruf. 1589/90 wurde das Badhaus durchgreifend renoviert und erweitert (nr. 327 †)70). Als Werkmeister werden die Ulmer Matthias Gaisser und Hans Ade genannt71). Das Badgebäude wurde in der Folgezeit wiederholt umgebaut. Die teils noch erhaltenen von den Badgästen gestifteten hölzernen Wappentafeln, die eigenartigerweise wie in Göppingen und Jebenhausen mit dem Jahr 1551 einsetzen, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts im ersten Stock auf beiden Seiten des langen, mit Marmorplatten belegten Laubenganges aufgehängt (nr. 260). Der Heil- und Thermalbetrieb Überkingens floriert noch heute, ebenso die Mineral- und Heilwasserabfüllung.

Zwei in Überkingen verstorbene Kurgäste aus Augsburg sind an der ev. Pfarrkirche begraben (nrr. 288, 318). Die Badgäste als Gottesdienstbesucher werden in dem Grabgedicht eines Überkinger Pfarrers von 1612 (nr. 402 †) erwähnt. Eine langjährige Badwirtin erhielt 1603 ein Epitaph mit einer ungewöhnlich langen Versinschrift gesetzt, in der die besondere soziale Stellung innerhalb der Gemeinde deutlich zum Ausdruck kommt (nr. 371).

Zitationshinweis:

DI 41, Göppingen, Einleitung, 2. Historischer Überblick (Harald Drös), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012e004.

  1. Vgl. grundsätzlich zum Folgenden: LdBW III 260–279. »
  2. Vgl. Paul Groschopf/Winfried Reiff, Landschaft und Geologie, in: Der Kreis Göppingen 21985, 17–47; LdBW III 260–264. »
  3. Vgl. Lang, Vor- und Frühgeschichte, passim; LdBW III 264f. »
  4. Vgl. Philipp Filtzinger, Die römische Besetzung Baden-Württembergs, in: Die Römer in Baden-Württemberg, hg. v. Ph. Filtzinger, Dieter Planck u. Bernhard Cämmerer, Stuttgart Aalen 31986, 23–116, bes. 53, 57–59. »
  5. Ebd. 276f.; ausführlich: Dieter Planck, Ein neues römisches Lager bei Eislingen, Lkr. Göppingen, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 1 (1974) 527–532. »
  6. Lang, Vor- und Frühgeschichte 76f. »
  7. Vgl. allg. Christlein, Die Alamannen; ders., Die frühe Alamannenzeit. 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Beiwort zur Karte III, 6 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg (3. Lfg. 1984). »
  8. Zur Siedlungsgeschichte allg.: Gerhard Fingerlin, Zur alamannischen Siedlungsgeschichte des 3.–7. Jahrhunderts, in: Die Alemannen in der Frühzeit, hg. v. Wolfgang Hübener (Veröff. d. Alemannischen Inst. Freiburg/Br. 34), Bühl/Baden 1974, 45–88, hier: 46f.; Christlein, Die Alamannen 27–49 mit Zusammenstellung der Fundorte im Landkreis: 139–141, 144–147, 170; zu den Ortsnamen vgl. Reichardt, Ortsnamenbuch des Kreises Göppingen. »
  9. Vgl. Neuffer, Reihengräberfriedhof 56. »
  10. Vgl. Hummel, Geschichte der Kirchen 171f. »
  11. Vgl. Ziegler, Gründer Adelbergs, passim. »
  12. Vgl. grundlegend Bühler, Zur Geschichte der frühen Staufer, passim; ders., Schwäbische Pfalzgrafen, frühe Staufer und ihre Sippengenossen, in: Jb. d. Hist. Vereins Dillingen 77 (1975) 118–156. »
  13. Vgl. ders., Richinza von Spitzenberg und ihr Verwandtenkreis. Ein Beitrag zur Geschichte der Grafen von Helfenstein, in: Württ. Franken 58 (1974) 303–326; Der Alb-Donau-Kreis I 111–113. »
  14. Vgl. Hans-Martin Maurer, Burgen zwischen Alb und mittlerem Neckar. Beiwort zur Karte V, 6 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg (7. Lfg. 1979); ders., Burgen und Adel in staufischer und nachstaufischer Zeit, in: Der Kreis Göppingen 21985, 128–154; Hartwig Zürn, Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmale und die mittelalterlichen Burgstellen der Kreise Göppingen und Ulm, Stuttgart 1963. »
  15. Den besten Überblick über die Genealogie der von Rechberg bieten immer noch die Stammtafeln der mediatisierten Häuser 17. Einen Auszug mit den im vorliegenden Band behandelten Rechbergern bieten die beiden Stammtafeln im Anhang S. 446f. »
  16. Vgl. Hummel, Geschichte der Kirchen 179–185; allg.: Gunther Franz, Reformation und Gegenreformation im Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg. Beiwort zur Karte VIII, 7 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg (7. Lfg. 1979). »
  17. Vgl. zuletzt Anna Moraht-Fromm, „Von der Abtuhung der Bilder“ in Ulm, in: Meisterwerke massenhaft 429–580. »
  18. Vgl. neuerdings Siegfried Hermle, Reformation und Gegenreformation in der Reichsgrafschaft Wiesensteig, Weißenhorn 1996. »
  19. Die ehemaligen Oberamtsgrenzen sind in der Landkreiskarte im Anhang eingezeichnet. »
  20. Jeweils ohne eingemeindete Vororte. »
  21. Zu den archäologischen Befunden der Grabungen 1980/81 vgl. Helmut Schäfer, Die archäologischen Untersuchungen in der Oberhofenkirche Göppingen, in: Oberhofenkirche Göppingen 31–42; allg. ferner Reyle, Oberhofenkirche 2–4. »
  22. Wappen des Grafen Ulrich V. von Württemberg und seiner zweiten Frau Elisabeth geb. Herzogin von Bayern-Landshut (heir. 1445, † 1451). »
  23. Plieninger, Stadtschreiber 47f. (m. Abb.). »
  24. Vgl. Dieter Kauß, Ein Reliquienverzeichnis von Oberhofen als Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit, in: Hohenstaufen 9 (1975) 73–80. »
  25. Vgl. Karl-Heinz Rueß, Zur Geschichte der Oberhofenkirche, in: Oberhofenkirche Göppingen 11–29, hier: 20f. »
  26. Kdm Göppingen 38. »
  27. Rueß (wie Anm. 33) 21. »
  28. Zusammenstellung bei Plieninger, Stadtschreiber, passim, mit Wiedergabe der Inschriften. »
  29. Vgl. Burkhardt, Geschichte der Stadt Geislingen I 74f. »
  30. Vgl. Geislingen an der Steige. Die Stadtkirche 4. »
  31. Ein Totenschild von angeblich 1409 (nr. 34 †) ist wohl eher auf 1459 oder 1509 zu datieren und gehört somit erst in den Nachfolgebau. »
  32. Zur Baugeschichte vgl. Geislingen an der Steige. Die Stadtkirche, passim; Kdm Geislingen 25–51. »
  33. Vgl. Burkhardt, Geschichte der Stadt Geislingen I 76f.; ders., Gräber 69–72. »
  34. Vgl. dazu auch nr. 430 Anm. 3. »
  35. Erst seit dem 15. Jahrhundert wird Volknand nach Ebersberg/Ebersbach zubenannt. Nicht endgültig geklärt ist die Herkunft Volknands aus einem staufischen Ministerialengeschlecht oder – wie Walter Ziegler vermutet – aus dem Edelfreiengeschlecht von Toggenburg; vgl. Ziegler, Gründer Adelbergs 45–93. »
  36. Zur Geschichte des Klosters vgl. grundsätzlich Urkundenregesten Adelberg; Müller, Kloster Adelberg; Kirschmer, Adelberg; Akermann/Ziegler, Adelberg; Ziegler/Vollmer, Adelberg. – Zur Gründungsgeschichte: Botho Odebrecht, Kaiser Friedrich I. und die Anfänge des Prämonstratenserstifts Adelberg, in: ZWLG 6 (1942) 44–77; A. Diehl, Zur Gründungsgeschichte des Prämonstratenser-Stifts Adelberg, ebd. 474–476; Hansmartin Decker-Hauff, Die ältesten Gründer von Adelberg (Der Schurwald und die Verwandten des salischen Kaiserhauses). Ansprache zum Tag des Landkreises 1982, Göppingen 1982; Ziegler, Gründer Adelbergs, passim. »
  37. MG. DF. I. 811 (1181 V 25). »
  38. Joseph Zeller, Das Prämonstratenserstift Adelberg, das letzte schwäbische Doppelkloster, 1178 (1188) bis 1476. Ein Beitrag zur Geschichte der Doppelklöster, besonders im Prämonstratenserorden, in: WVjh 25 (1916) 107–162. »
  39. Vergleichbare Glas- und Wandgemälde im Benediktinerkloster Murrhardt: DI 37 (Rems-Murr-Kreis) nrr. 69, 137, 159, 160; ferner die Ausmalung des Hirsauer Sommerrefektoriums: DI 30 (Calw) nr. 191. Zum Komplex Stiftermemoria und Inschriften vgl. auch Renate Neumüllers-Klauser, Maulbronner Stifterdenkmäler, in: ZWLG 37 (1978) 27–45. »
  40. Vgl. Deutsch, Adelberger Bildhauerwerkstatt, passim; Hummel, Adelberger Kunst 161–175. »
  41. Auch das Dormitorium wurde damals abgerissen; vgl. Kdm Rems-Murr-Kreis 868. »
  42. MG. DLD. 163, Trebur 875 VIII 11. »
  43. Vgl. K. Hecht, Von der karolingischen Cella zur spätromanischen Stiftskirche. Das Ergebnis der Ausgrabungen in der Faurndauer Kirche, in: Stauferland 1957 Nr. 2, 1–3. »
  44. Ausführliche Würdigung durch Rainer Hussendörfer, Die ehemalige Chorherrenstiftskirche in Faurndau. Ein Beitrag zur schwäbischen Spätromanik (Veröff. d. Stadtarchivs Göppingen 10), Göppingen 1975; ferner: Hussendörfer/Ziegler, Evang. Stiftskirche Faurndau, passim; dies., Die Stiftskirche in Faurndau. Ein spätromanisches Juwel, in: Schönes Schwaben 1989 Nr. 7, 22–29. »
  45. Vgl. LdBW III 324. »
  46. Vgl. oben S. XII. »
  47. Hummel, Donzdorf 4–30; Schahl, Bau- u. Kunstwerke von Donzdorf 69–81. »
  48. HStAS, J1 Nr. 154/15, Umschlag 329: v. Rechberg, fol. 9r/v, 8r/v»
  49. In: Archiv für christl. Kunst 11, 70–72, 79f., ohne Angabe der Fundstellen. Außer der bereits angeführten Handschrift benutzte Schön offenbar HStAS, J1 Nr. 48g IV fol. 1658v. Entgangen sind ihm dagegen die Notizen in: HStAS, J1 Nr.154/15, Umschlag 329: v. Rechberg, fol. 18r/v, die die Bestätigung unserer Zuordnung (vgl. die folgende Anm.) und wichtige Ergänzungen enthalten. »
  50. Fol. 9r/v hat nur die halbe Breite von fol. 8r/v und war als Einzelblatt in das Doppelblatt eingelegt. Die ursprüngliche, durch die jetzige Blattzählung verwirrte Abfolge ist demnach: fol. 8v (rechte Hälfte), fol. 8r (linke Hälfte), fol. 9r, fol. 9v, fol. 8r (rechte Hälfte), fol. 8v (linke Hälfte). Die erste „Doppelseite“ dieses Hefts enthält „Aller Herren vnd frawen vnd Anherren qui viverunt nomina“, eine Aufzählung von Angehörigen der Familie von Rechberg ohne topographischen Bezug. Die Beschreibung der Donzdorfer Kirche beginnt dann auf fol. 9r mit dem nachträglich von Gabelkover in blasserer Tinte nachgetragenen Titel „Annotata ...“ (wie oben). Die richtige Reihenfolge der beschriebenen Raumteile ist: „im Chor an den tafeln (da die von Dunzdorff oder Scharffenberg hingelegt werden)“; ,,in lapidibus ibidem“ (fol. 9r/v); „inn der Stauffenecker Capell, an tafeln“; „uff den stainen" (fol. 9v); „Ramsperger capell“, Wandmalereien; „an den tafeln ibidem“; „uff den stainen ibidem“ (fol. 8r/v); „inn Hohen Rechberger Capell, an tafeln“; „an stainen“ (fol. 8v). »
  51. Die beiden Rechberger-Grabmäler in der erst im frühen 17. Jahrhundert errichteten Martinskapelle neben Burg Ramsberg wurden erst im 19. Jahrhundert dorthin versetzt. Sie stammen aus Schwäbisch Gmünd (nrr. 32, 270). Zum Begräbnisrecht von Burgkapellen fehlt noch eine zusammenfassende Untersuchung; vgl. allg. Johanna Naendrup-Reimann, Weltliche und kirchliche Rechtsverhältnisse der mittelalterlichen Burgkapellen, in: Die Burgen im deutschen Sprachraum. Ihre rechts- und verfassungsgeschichtliche Bedeutung (Vorträge und Forschungen 19) I, hg. v. Hans Patze, Sigmaringen 1976, 123–153. »
  52. Vgl. Hummel, Donzdorf 14: „vermutlich aus dem 17. Jahrhundert“. »
  53. Schahl, Bau- u. Kunstwerke von Donzdorf 70. »
  54. Zur Ortsgeschichte vgl. allg. Aich, passim. »
  55. So Kdm Göppingen 139. »
  56. Heribert Hummel, Ein Streifzug durch die Geschichte der Gemeinde Salach, in: 700 Jahre Salach. 1275–1975, Salach 1975, 1–41, hier: 11, weist auf ein angeblich der Barockisierung der Kirche zum Opfer gefallenes Grabmal „für den Salacher Bauern Melchior Veyt (wohl vor 1500)“ hin. Offensichtlich liegt hier eine Verwechslung vor mit der Grabplatte des 1590 verstorbenen Melchior Veit von Rechberg zu Falkenstein (nr. 330 †). »
  57. OAB Göppingen 277. »
  58. Vgl. Aich 70. »
  59. Abb. in Kdm Geislingen 116; vgl. nr. 56 Anm. 4. »
  60. Vgl. Kdm Göppingen 53–55. Zum Badewesen allg. vgl. Gebhard Mehring, Badenfahrt in Württemberg. Mineralbrunnen und Sauerbrunnen vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts (Darstellungen aus der württ. Geschichte 13), Stuttgart 1914; Bitz, Badewesen (m. weiterer Lit.); P. Beck, Fürstliche Badereisen im 16. Jahrhundert nach Göppingen, Wildbad und Liebenzell, in: Medizinisches Correspondenzbl. d. Württ. ärztlichen Vereins 75 (1905) 94–96, 499–501, 594–596, 609–611. »
  61. Ausführlich: Brebiß; ferner: Findbuch für das Archiv der ehemaligen Gemeinde Jebenhausen heute Stadtbezirk Göppingen-Jebenhausen, bearb. v. Dieter Kauß (Archivinventare der Stadt Göppingen 1), Göppingen-Jebenhausen 1977, IX–XII. »
  62. Zur Baugeschichte vgl. Bitz, Badewesen 95–97; dort auch weitere Lit. Von den älteren Badbeschreibungen vgl. Burger; Haßfurth; ferner: Jakob Eckhold, Kurze Beschreibung des Sauerbrunnens zu Ueberkingen in Ulmscher Herrschaft, Ulm 1651; Joh. Frank, Hydriatia Ulmana, das ist Beschreibung des Sauerbrunnens zu Ueberkingen, Augsburg 1710. »
  63. Walter Ziegler, Topographie der Kulturdenkmale, in: Der Kreis Göppingen 21985, 196–227, hier: 200. »