Die Inschriften des Landkreises Göppingen

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VORWORT

Die vorliegende Sammlung der Inschriften des Landkreises Göppingen ist in den Jahren 1990/91 und 1993 bis 1996 entstanden.

Angefangen von den Aufnahmearbeiten vor Ort über die Quellenstudien in Archiven und Bibliotheken bis hin zur Fertigstellung des Buchs bin ich in dieser Zeit von zahlreichen Personen und Institutionen bereitwillig unterstützt worden. Es ist mir eine angenehme Pflicht, an dieser Stelle dafür meinen herzlichen Dank abzustatten. Für ihre freundlich gewährte Hilfe danke ich den Pfarrern und Mesnern der evangelischen und katholischen Kirchen im Landkreis Göppingen; Dr. Karl-Heinz Rueß und Jürgen Kettenmann, Stadtarchiv und Städtisches Museum im „Storchen“ Göppingen; Hartmut Gruber M. A., Heimatmuseum Geislingen; Christine Exler, Staatliche Museen Berlin (Bode-Museum); Dr. Elsbeth Wiemann und Dr. Stefan Heinlein, Staatsgalerie Stuttgart; Dr. Brigitte Reinhardt, Ulmer Museum. Wertvolle Hilfe gewährten ferner das Dominikanermuseum Rottweil, das Württembergische Landesmuseum Stuttgart und das Landesdenkmalamt Stuttgart. Etliche Inschriftenträger, die sich in Privatbesitz befinden, wurden mir von den Besitzern in uneigennütziger Weise zugänglich gemacht. Stellvertretend auch für die, die hier nicht genannt werden wollen, möchte ich mich bedanken bei Dr. Flaßbeck und Frau Flaßbeck-von Liebenstein (Göppingen-Jebenhausen), bei der Leitung des Badhotels Bad Überkingen, bei Priv. Doz. Dr. Burkhard Krauß (Fachkrankenhaus Christophsbad Göppingen) und bei Paul Kaisser (Wäschenbeuren).

Bei den Archivstudien im Hauptstaatsarchiv und in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, im Staatsarchiv Ludwigsburg, im Stadtarchiv Ulm sowie im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart erfuhr ich sachkundige Betreuung. Durch das freundliche Entgegenkommen von Gottfried Graf von Degenfeld-Schonburg durfte ich Archivalien des Archivs der Grafen von Degenfeld-Schonburg in Geislingen-Eybach einsehen; S. E. Albert Germanus Graf von Rechberg und Rothenlöwen und Bernhard Graf von Rechberg und Rothenlöwen gestatteten mir dankenswerterweise die Benutzung des Gräflich Rechberg’schen Archivs in Donzdorf.

Kreisarchivar Walter Ziegler hat meine Arbeit von Beginn an mit Interesse verfolgt und nach Kräften unterstützt und angespornt. Er sorgte nicht nur zusammen mit seinen Mitarbeitern Rolf Jente und Ursula Kirchner stets für beste Arbeitsbedingungen im Kreisarchiv auf Schloß Filseck, er half vielmehr auch durch seine profunde und umfassende Denkmäler- und Literaturkenntnis bei der Ermittlung etlicher bislang unveröffentlichter Inschriften. Der vorliegende Band verdankt ihm weit mehr, als aus den kargen Fußnoten des Inschriftenkatalogs hervorgeht.

Prof. Dr. Fidel Rädle (Göttingen), der sich mittlerweile einen Stammplatz in den Dankworten der Inschriftenbände verdient hat, hat auch mich durch entscheidende Übersetzungshilfen vor Fehlern bewahrt. Für freundschaftliche Unterstützung, fachliche Ratschläge und fruchtbaren Gedankenaustausch bedanke ich mich herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der befreundeten Arbeitsstellen der Akademien der Wissenschaften in Deutschland und Österreich. Dr. Eberhard J. Nikitsch und Dr. Sebastian Scholz (beide Mainz) haben das Manuskript gründlich durchgesehen und es in vielen Fällen durch Korrekturen, nützliche Anregungen und Ergänzungen bereichert. In kniffligen Fragen durfte ich mich ferner stets auf die kompetente Hilfe von Dr. Sabine Wehking, Dr. Christine Wulf (beide Göttingen) und Dr. Rüdiger Fuchs (Mainz) verlassen. Den Kollegen der eigenen Arbeitsstelle schließlich gilt mein Dank für vielfältige Unterstützung: der Arbeitsstellenleiterin Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss für viele anregende und klärende Gespräche und Hilfe auf kunsthistorischem Gebiet sowie bei den Korrekturen und dem Fotografen Axel Schmider für die fotografische Dokumentation des Inschriftenbestands der Göppinger Oberhofenkirche und der Geislinger Stadtkirche sowie und vor allem für die hervorragende Laborarbeit. Rüdiger Kern M. A. und mein Vater, Jürgen Drös, haben dankenswerterweise die mühevolle Arbeit der Registerkorrekturen mit mir geteilt.

Dem kommissarischen Vorsitzenden der Heidelberger Inschriftenkommission, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Géza Alföldy, und den Kommissionsmitgliedern Prof. Dr. Renate Neumüllers-Klauser, Prof. Dr. Hermann Jakobs und Prof. Dr. Meinrad Schaab danke ich für eine kritische Durchsicht des Typoskripts. Bei Frau Neumüllers möchte ich mich nicht nur deshalb bedanken, sondern auch [Druckseite VIII] dafür, daß sie mich zunächst als den Studenten an der Universität Heidelberg in die wissenschaftliche Inschriftenarbeit eingeführt und mir dann als ihrem Nachfolger in der Arbeitsstelle der Heidelberger Akademie mit ihrem fachkundigen Rat viele Wege geebnet und so den Einstieg erleichtert hat.

Harald Drös

Heidelberg, im März 1997

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1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften aus dem Gebiet des heutigen Landkreises Göppingen bis zum Jahre 1650. Mit berücksichtigt sind Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen, auch in Orten außerhalb des Kreisgebiets, deren Provenienz aus dem Bearbeitungsgebiet nachgewiesen oder wahrscheinlich gemacht werden kann. Neben den original erhaltenen Inschriften sind auch die nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen, in Fotos oder Abgüssen überlieferten epigraphischen Texte aufgenommen. Vollständigkeit der Erfassung wurde angestrebt, ist gleichwohl bei der unübersichtlichen Streuung der nichtoriginalen Überlieferung kaum zu erreichen. Entsprechend den Bearbeitungsrichtlinien, die für das Inschriften-Unternehmen der deutschen Akademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gelten, blieben konsequent die Inschriften auf Siegeln, Münzen, Medaillen und Bucheinbänden ausgeklammert, da diese Gegenstand eigener Fachdisziplinen (Sphragistik, Numismatik, Einbandkunde) sind. Auch fanden die von auswärtigen Beckenschlägern in Serienproduktion unter Verwendung von Schriftmodeln hergestellten und folglich für den Inschriftenbestand des Bearbeitungsgebiets nicht spezifischen Messingschüsseln keine Berücksichtigung. Ferner wurde, wie bereits in den letzten Bänden der Heidelberger Reihe, auf die Aufnahme von bloßen Jahreszahlen, Initialen, Monogrammen sowie von Haus- und Meisterzeichen verzichtet, sofern sie nicht im Verbund mit weiteren Inschriften stehen1).

Die Inschriften sind im Katalogteil chronologisch und nach einem einheitlichen Schema angeordnet:

Die Kopfzeile enthält links die laufende Nummer der Inschrift2). Gelegentlich sind gleichartige Inschriftenträger, die sich am selben Standort befinden, zweckmäßigerweise in einer Sammelnummer zusammengefaßt. Ein lateinisches Kreuz hinter der laufenden Nummer signalisiert, daß die Inschrift im Original verloren ist. Steht das Kreuz zwischen runden Klammern, bedeutet dies entweder, daß der Inschriftenträger zwar erhalten, die gesamte Inschrift aber im Original verloren und nur mehr kopial überliefert ist, oder bei Sammelnummern, daß ein Teil der dort zusammengefaßten Inschriftenträger verloren ist.

In der Mitte der Kopfzeile steht die Angabe des derzeitigen oder des letzten erschließbaren Standorts. Die Ansetzung erfolgt unter dem alten, vor der 1974 abgeschlossenen Gebietsreform gültigen historischen Ortsnamen, die jetzige Gemeindezugehörigkeit ist in Klammern beigefügt3). Kirchen sind im Normalfall unter ihrer heutigen Bezeichnung angesetzt, den evangelischen Kirchen ist das jeweilige ehemalige Patrozinium in Klammern hinzugefügt, unter dem sie in den Quellen erscheinen4).

Die Datierung am rechten Rand der Kopfzeile ist in der Regel der Inschrift entnommen5), falls nicht eindeutige Hinweise auf frühere oder spätere Entstehung vorliegen. Die Entstehungszeit undatierter Inschriften ist so eng wie möglich eingegrenzt anhand historischer Belege, paläographischer und philologischer Befunde oder stilistischer Merkmale der Inschriftenträger. Diese Inschriften sind jeweils am Ende des so erschlossenen Zeitraums nach den sicher datierten und datierbaren eingereiht. Unsichere Zeitansätze sind mit Fragezeichen versehen, aus anderen Quellen – d. h. nicht aus der Inschrift selbst – erhobene genaue Datierungen stehen in runden Klammern. Sind auf einem [Druckseite X] Inschriftenträger Inschriften aus verschiedenen Entstehungsjahren angebracht, werden entsprechend mehrere Datierungen in die Kopfzeile gesetzt; die früheste Inschrift bestimmt dabei die Einordnung in den Katalog. Auch bei Sammelnummern erfolgt die Einreihung in den Katalog unter dem Datum der jeweils ältesten Inschrift.

Im ersten Absatz des Artikels finden sich die Benennung des Inschriftenträgers6), die (wichtigsten) in der Inschrift genannten Personen, eine präzisierte Standortangabe, gegebenenfalls auch Hinweise zu früheren Standorten und zu Verlustumständen sowie eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers mit Bemerkungen zu Material, zu Anbringung und Herstellungstechnik der Inschrift(en) und zum Erhaltungszustand7). Die Beschreibung erfolgt vom Betrachter aus, nur für Wappenbeschreibungen ist nach den Regeln der Heraldik umgekehrt verfahren. Mehrere Inschriften auf einem Träger werden mit A, B, C usw. bezeichnet. In Sammelnummern sind die einzelnen Inschriftenträger mit römischen Zahlen, bei den besonders umfangreichen Nummern 258 † und 259 † der Zweckmäßigkeit halber mit arabischen Zahlen durchnumeriert.

Bei nur kopial überlieferten Inschriften ist die für die Textedition maßgebliche Vorlage angegeben.

Es folgen Maßangaben (in cm) von Inschriftenträger, Buchstaben und gegebenenfalls Ziffern sowie die Bestimmung der Schriftart. Die Schrifthöhe orientiert sich am Normalwert des Buchstabens N/n, erhebliche Schwankungen werden durch Angabe der Extremwerte vermerkt.

Eine Abbildungsnummer am Rand außerhalb des Satzspiegels weist auf die Abbildung der betreffenden Inschrift im Tafelteil hin.

Zur Wiedergabe des Inschriftentextes:

Die Texte sind eingerückt. Sie werden fortlaufend wiedergegeben, nur metrische Inschriften sind versweise abgesetzt.

Ein Schrägstrich kennzeichnet das Zeilenende auf dem Inschriftenträger oder – bei Schriftbändern – einen Knick im Band.

Ein doppelter Schrägstrich gibt den Übergang auf eine andere Beschriftungsfläche an; innerhalb einer Zeile markiert er die Unterbrechung der Schrift durch eine Darstellung.

Worttrennstriche an Zeilenenden und -anfängen originaler Inschriften sind durch Doppelstrich (=) wiedergegeben.

Bögen unter der Zeile bezeichnen Buchstabenligaturen. Die Verschmelzung zweier i bzw. I (mit Lautwert ii) zur Y-Form wird nicht als Y, sondern – je nach Erscheinungsbild – als ij-, II- oder IJ-Ligatur dargestellt.

Änderung in der Onlineversion

Nicht Bögen, sondern Striche unter der Zeile (Unterstreichungen) bezeichnen Buchstabenligaturen.

Abkürzungen werden unter Wegfall der Kürzungszeichen zwischen runden Klammern aufgelöst. Der häufig vorkommende Kreuztitulus I(esus) N(azarenus) R(ex) I(udeorum)8) wird als feststehendes ikonographisch verwendetes Zeichen unaufgelöst wiedergegeben. Ebenso bleibt die allgemein geläufige Abkürzung S· in der Regel stehen, vor allem dann, wenn nicht zu entscheiden ist, ob lateinisch S(anctus) oder deutsch S(ankt) zu lesen ist.

Eckige Klammern schließen Ergänzungen ein. Textverlust, der nicht ergänzt werden kann, ist durch leere eckige Klammern angedeutet. Die Größe der Lücke wird durch eine den fehlenden Buchstaben schätzungsweise entsprechende Zahl von Punkten angegeben. Ist die Länge einer Fehlstelle am Beginn oder am Ende der Inschrift ungewiß, so werden drei Punkte gesetzt und bleibt die Klammer offen.

Erhaltene Buchstaben, deren Lesung unsicher ist, sind durch daruntergesetzte Punkte markiert. Ursprünglich freigelassene Stellen – wie z. B. ausgesparte Sterbedaten – wie auch deren nachträgliche Ausfüllung werden zwischen spitze Klammern eingeschlossen.

Lateinische und andere fremdsprachige Inschriften werden übersetzt. Bei metrischen Inschriften ist das Versmaß vermerkt. Datierungen nach den römischen Fixdaten der Kalenden, Nonen und Iden und nach dem Festkalender werden aufgelöst. Alle auf dem Inschriftenträger vorkommenden Wappen werden nachgewiesen. Etwaige Wappenbeischriften sind hier, nicht im Textteil wiedergegeben.

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Unbekannte Wappen werden blasoniert, ebenso solche Wappen, die bislang nicht oder nur an abgelegener Stelle publiziert sind oder die von der üblichen Darstellung abweichen. Bei Ahnenproben gibt das Druckbild die Anordnung der Wappen wieder.

Der anschließende Kommentar enthält Bemerkungen zum paläographischen Befund, zu Sprache und Formular, zum historischen Umfeld der Inschrift, zu Problemen der Datierung sowie gegebenenfalls Überlegungen zur kunsthistorischen Einordnung des Inschriftenträgers.

Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen. Die Buchstabenanmerkungen sind textkritischen Fragen gewidmet (Textvarianten, problematische Lesungen, orthographische und paläographische Besonderheiten oder Fehler im Text), die Ziffernanmerkungen weisen Zitate und Literatur nach und geben zusätzliche Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar.

Das abschließende Literaturverzeichnis listet in chronologischer Folge die wichtigsten kopialen –ungedruckten und gedruckten – Überlieferungen und Abbildungen der Inschrift auf. Dabei ist auch Literatur nachgewiesen, die den Inschriftentext nur teilweise wiedergibt.

Das Register schlüsselt das Inschriftenmaterial nach den verschiedensten Gesichtspunkten auf. Die Inschriften sind nach ihrer laufenden Nummer zitiert. Bei umfangreichen Sammelnummern sind die Unternummern (in Petitsatz) zur besseren Erschließung einzeln ins Register aufgenommen. Zur Anlage der einzelnen Register sind die dort gegebenen kurzen Vorbemerkungen zu vergleichen.

Den Abbildungen liegt kein einheitlicher Maßstab zugrunde. Die fotografischen Vorlagen wurden zum größten Teil in den Jahren 1990–91 und 1994–96 am Standort neu angefertigt. Die Reihenfolge der Abbildungen weicht gelegentlich von der der Inschriften im Katalog ab, wenn sachliche Gründe (Zuordnung gleichartiger Inschriftenträger) das zweckmäßig erscheinen ließen. Die auf den behandelten Inschriftenträgern registrierten Steinmetzzeichen sind auf einer Tafel zusammengestellt.

Zitationshinweis:

DI 41, Göppingen, Einleitung, 1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise (Harald Drös), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di041h012e004.

  1. Im Kapitel 6 findet sich eine Zusammenstellung weiterer nicht aufgenommener Inschriften mit jeweiliger Begründung. »
  2. Für einen Nachtrag mußte eine Zwischennummer (nr. 358a †) eingeschoben werden. »
  3. Im Standortregister werden die Ortschaften nach der neuen Gemeindezugehörigkeit aufgeschlüsselt. »
  4. Die ehemalige Bezeichnung der Kirche (z. B. „Klosterkirche“, „Stiftskirche“) erscheint dagegen bei Inschriften, die bereits vor der Umwidmung des Gebäudes verlorengegangen sind. »
  5. Dabei wird in Kauf genommen, daß zwischen dem genannten Datum und der tatsächlichen Ausführung der Inschrift eine – im allgemeinen jedoch geringe – Zeitdifferenz liegen kann. »
  6. Bei nicht erhaltenen Inschriften ist eine Klassifizierung oft nicht möglich, in solchen Fällen wird die Textart (z. B. Grabschrift) angegeben. »
  7. Bei eingehauenen Inschriften in Stein sowie bei erhaben gegossenen Glockeninschriften unterbleibt der Hinweis auf die Herstellungstechniken, da sie im Bearbeitungsgebiet den Normalfall darstellen. »
  8. Nach Ioan 19, 19. »