Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 50 Hirschhorn, Karmeliterkirche (1426)/1436

Beschreibung

Tumbenplatte des Ritters Hans V. von Hirschhorn und seines Sohnes Philipp I. Die aus grauem Sandstein gefertigte Platte steht heute an der Südwand des Chors. Die Inschrift beginnt rechts auf der oberen Leiste und läuft auf dem abgeschrägten Rand gegen den Uhrzeigersinn um. An der oberen, unteren und an der rechten Leiste weist der Stein Beschädigungen auf. Das Todesdatum Philipps ist verstümmelt. In der Mitte des eingetieften Feldes befindet sich in Relief das Hirschhorner Vollwappen. Der Helm wird von zwei Engeln gehalten. Darunter sind zwei weitere Wappen dargestellt.

Maße: H. 254, B. 122, Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 38, Nr.50 - Hirschhorn, Karmeliterkirche - (1426)/1436

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/6]

  1. · an(n)o · d(omi)ni · m · cccc · xxvi · xiiiia) · k(a)l(endas)b) · dece(m)bris · / obiit · strenv(us) · miles · d(omi)n(u)s · ioh(ann)es · de · hirszhorn · fu(n)dator · hui(us) · claustri · Item · / et · a(n)no · xxx[v]ic) · xviio · k(a)l(endas)d) · septembris / obiit · do(m)icellus · philipp(us) · ei(us) · fili(us) · quoru(m) · a(n)i(m)e · requiescant · in · pace · amen

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1426, am 14. Tag vor den Kalenden des Dezembers (18. Nov.), starb der tüchtige Ritter Herr Johannes von Hirschhorn, Gründer dieses Klosters. Und ebenso im Jahre (14)36, am 17. Tag vor den Kalenden des Septembers (16. Aug.), starb dessen Sohn, der Junker Philipp. Ihre Seelen mögen in Frieden ruhen, Amen.

Wappen:
Hirschhorn; Wild- und Rheingrafen zu Dhaun; Hirschhorn.

Kommentar

Diese Tumbenplatte wurde offenbar erst nach dem Tode Philipps hergestellt, was sich an der Anordnung der Inschrift sowie an dem durchgehend gleichen Schrifttyp erkennen läßt. Eine nachträgliche Einfügung von Daten ist wegen der Gleichmäßigkeit der Schrift ausgeschlossen. Milendunck erwähnt, daß Hans V. und Philipp vor dem Hochaltar beigesetzt wurden.1) Wickenburg erwähnt die Platte als „erhobenes Grab oder Grabstein ... vor dem hohen Altar im Chor.“2)

Das Todesdatum Philipps ist bis jetzt immer als xxxv gelesen worden. Das stimmt jedoch mit dem inschriftlichen Befund nicht überein. Zwar ist die Stelle stark beschädigt, aber das dritte x ist noch zu erkennen. Es folgt ein Loch in dem Stein, in das die beiden Hasten für ein v genau hineinpassen. Danach sieht man eine völlig unbeschädigte Haste, die unten eine Rechtsbrechung aufweist und somit keinesfalls die rechte Haste des v gewesen sein kann, da sie in diesem Falle nicht gebrochen wäre. Es ist also xxx[v]i zu lesen.

Hans V. war ein Sohn Engelhards II. von Hirschhorn und der Margareta Schenk von Erbach.3) Er wird 1377 zum erstenmal erwähnt4) und hat bereits in den 90er Jahren in der Pfalz eine wichtige Rolle gespielt. Er war Landhofmeister und ging 1397 als Gesandter des Pfalzgrafen Ruprecht nach England. Im Jahr 1400 war er Viztum zu Amberg und damit ranghöchster Beamter der Oberpfalz. Nach der Wahl Ruprechts zum deutschen König (1400) trat Hans V. als königlicher Rat in wichtigen diplomatischen Missionen hervor.5) Nach Peter Moraw kann er „als der hervorragendste Rat Ruprechts aus dem territorialen Bereich angesehen werden.“6) Nach dem Tode König Ruprechts 1410 zog sich Hans V. aus der Reichspolitik zurück und widmete sich vorwiegend seiner eigenen Herrschaft.7) Im Jahr 1398 hatte er Iland geheiratet, Tochter des Wild- und Rheingrafen Johann II., was ein Zeichen für das hohe Ansehen der Hirschhorner ist, da die Wild- und Rheingrafen von der Herkunft über den Hirschhornern standen.8) Dies spiegelt sich auch in der Anordnung der Wappenschilde auf der Tumbenplatte wider, da sich das Wappen Ilands links befindet, also auf der vornehmeren, dem Mann vorbehaltenen Seite. Mit Iland zusammen gründete Hans 1406 in Hirschhorn ein Karmeliterkloster,9) worauf in der Inschrift Bezug genommen wird.

Im Jahr 1412 gewährte Hans Bischof Johannes von Würzburg ein Darlehen von 15000 Gulden. Da der Würzburger Bischof nach dem Tode Hans‘ V. 1426 die Darlehnsrückzahlung aussetzte, kam es zu einer schweren Krise der Hirschhorner Finanzen, von der sich die Familie erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder erholte.10)

Philipp I. von Hirschhorn, der vermutlich 1400 oder 1401 als Sohn Hans‘ und Ilands geboren wurde, war folglich mit seinem Bruder Hans VI.11) als erster von den sich einstellenden finanziellen Schwierigkeiten betroffen. Von seiner Laufbahn ist nur bekannt, daß er als Lehensmann des Mainzer Erzbischofs das Viztumsamt Aschaffenburg verwaltete.12) Verheiratet war er mit Irmel von Winnenburg-Beilstein.13)

Textkritischer Apparat

  1. xiii Ritsert, Klump, Einsingbach; xviii Naeher.
  2. Fehlt bei Wickenburg, dadurch falsches Datum 14. Dezember. Dasselbe falsche Datum auch bei Milendunck, Historiae fol. 569r.
  3. xxxv bei Wickenburg, Ritsert 258, Naeher, Klump, Siebeck und Einsingbach. Auch Milendunck, Historiae fol. 569v gibt als Todesjahr Philipps 1435 an. Vgl. auch Möller, Stammtafeln AF II, Taf. LXIV.
  4. Fehlt bei Wickenburg, dadurch falsches Datum 17. September.

Anmerkungen

  1. Milendunck, Historiae fol. 569r-v.
  2. Wickenburg.
  3. Vgl. zu diesen Nr. 35.
  4. Lohmann Taf. 1.
  5. Moraw, Beamtentum 89f.; Lohmann 152ff.; Irschlinger, Herren von Hirschhorn 12.
  6. Moraw, Beamtentum 89.
  7. Moraw, Beamtentum 90.
  8. Lohmann 60. Will, Iland 223. Zu Johann II. vgl. DI 34 (Bad Kreuznach) Nr. 67.
  9. Vgl. dazu Lohmann 92-96 und Einleitung 2.1.
  10. Vgl. Lohmann 44-47; Irschlinger, Herren von Hirschhorn 18-20.
  11. Zu diesem vgl. Nr. 53.
  12. Lohmann 146.
  13. Lohmann 63.

Nachweise

  1. Wickenburg II 81.
  2. Ritsert, Hirschhorn 142.
  3. Klump, Hauptmomente 32.
  4. Naeher, Baudenkmäler I Taf. 7.
  5. Siebeck, Inschriften 21.
  6. Einsingbach, Kdm. 258.
  7. Lohmann, Hirschhorn 517, Anm. 6.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 50 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di038mz04k0005006.