Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 625† Sponheim, Klostergebäude 17.Jh.?

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Gedächtnisinschrift für Johann Trithemius, 25. Abt des Klosters Sponheim. Mehrzeilig unterhalb seines gemalten Bildes oder Bildwerkes („sub effigie“) angebracht. Erstmals 1752 „in monasterio“ überliefert, vermutlich seit der endgültigen Aufhebung des Klosters 18021) verloren. Schrift wohl Kapitalis2), sonstige Ausführung unbekannt.

Nach Wickenburg.

  1. Effigies Johannis Trithemii / qui fuit 25.a) Abbas hujus Monasterii Sponheimensis / miraculum Doctrinae et Scientarum Sui aevi / in Latinis graecis / et Hebraicis et omni Scibili / Cujus Fama ipse etiam Philippus Comes palatinus Rheni / et Dux Bavariae inclitus / cum Ludovico ac Ruperto Filiis Suis / Christophorus quoq(ue) Marchio Badensis huc in Sponheim Venerunt gratia Trithemium alloquendi / et Visendi Monasterium Simul et Bibliothecam / qua hic in germania nulla ei similis fuit / Etiam Maximiliano Regi Roman(orum) / Joachimo Marchioni Brandenburg(ensi) et pluribus aliis principibus Charissimus / qui et intuitu Ejus multa huic Monasterio bona Contulere. Mortuus est 1516.

Übersetzung:

Abbild des Johannes Trithemius, der der 25. Abt dieses Klosters Sponheim war. In seiner Zeit ein Wunder der Gelehrsamkeit und der Wissenschaften, im Lateinischen, Griechischen und Hebräischen und in allem sonstigen Wissenswerten. Von dessen Ruf (angezogen) kamen selbst der berühmte Philipp, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern, mit seinen Söhnen Ludwig und Rupert sowie der badische Markgraf Christopher hierher nach Sponheim, um Trithemius zu sprechen und das Kloster und die Bibliothek zu besichtigen, die hier in Deutschland ihresgleichen suchte; auch er war dem römischen König Maximilian, dem brandenburgischen Markgrafen Joachim und vielen hochangesehenen Fürsten sehr teuer, die auf seine Veranlassung hin diesem Kloster zahlreiche Wohltaten erwiesen. Er starb 1516.

Kommentar

Betrachtet man abschließend alle vier wohl gleichzeitig aus den gleichen historisierenden Gründen entstandenen Inschriften3), so sind auch einigen Stellen der vorliegende Bild(nis)beischrift nahezu wörtlich dem Chronicon Sponheimense entnommen („Philippus comes Palatinus Rheni et Dux Bauariae, cum Ludouico ac Ruperto filijs suis huc venit ad Sponheim, gratia Trithemium alloquendi, et visendi monasterium simul et libros“)4), andere pharaphrasieren die dort geschilderten Ereignisse. Der Todesvermerk stammt aus einer anderen Quelle. Schon deswegen kann das Bild keinesfalls im Zusammenhang mit der 1502 von Trithemius initiierten Ausschmückung des Sommerrefektoriums mit den Bildnissen seiner Vorgänger5) entstanden sein. Die Besuche und Zuwendungen der genannten Fürsten6) sind wie der Ruhm seiner Bibliothek7) sicher bezeugt.

Ganz offensichtlich erinnerten sich die wiedereingesetzten Benediktiner des 17. Jahrhunderts gern an den berühmten Abt8) und die große Zeit ihres Klosters, ohne sich zu vergegenwärtigen, daß er -gerade wegen seiner humanistischen Aktivitäten – im Jahr 1505 durch den eigenen Konvent vertrieben wurde, seine Bibliothek im Stich lassen mußte und schließlich als Abt eines fremden, unbedeutenden Klosters endete.

Textkritischer Apparat

  1. Andreae überliefert XXV.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Schneegans, Trithemius 283f.
  2. Andreae 248 bezeichnet sie 1784 als in „maiusculis litteris“ ausgeführt.
  3. Vgl. dazu ausführlich Nrr. 622ff.
  4. Trithemius, Chr. Sponh. 415.
  5. So Arnold; vgl. dazu Nr. 223 von 1502.
  6. Vgl. dazu umfasend Arnold, Trithemius 74-102. – Kurfürst Philipp von der Pfalz und seine Söhne wie auch Markgraf Christoph III. von Baden besuchten das Kloster im Jahr 1501 (vgl. Trithemius, Chr. Sponh. 413ff.).
  7. Vgl. Nr. 180 von 1494.
  8. Vgl. die Nrr. 170 von 1487, 180 von 1494, 181 von 1494?, 223 von 1502 und 244 von 1513?.

Nachweise

  1. Wickenburg, Thesaurus Palatinus I 185.
  2. Andreae, Crucenacum Palatinum 248.
  3. Schneegans, Beschreibung 340f. (übers.).
  4. Kdm. 391.
  5. Arnold, Trithemius 20 Anm. 60 (teilw.).
Addenda & Corrigenda (Stand 06. Oktober 2014):

Übersetzung: Z. 4 streiche “Christopher” setze “Christoph”; Z. 7 streiche “hochangesehenen” setze “anderen”.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 625† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0062500.