Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 589 Gebroth, Evang. Kirche 1680

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte für Anna Christina Maul und eine zweite, unbekannte Frau. Früher wohl in der im 14. Jahrhundert erstmals erwähnten, dann kurz nach 1568 neu erbauten ehemaligen Marienkirche1); seit dem Bau der heutigen, in den Jahren 1905/06 errichteten Kirche dort außen in die Südwand eingelassen, bisher unbeachtet. Die vorzüglich gearbeitete Grabplatte aus gelblichem Sandstein weist neben abgewitterten Stellen zahlreiche Risse und weitere erhebliche Beschädigungen, darunter tiefe Hiebspuren auf, die von einer in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 (sogenannte Reichskristallnacht) von Einheimischen durchgeführten Aktion stammen sollen2). Große Platte mit Umschrift (A) zwischen gekerbter Borte auf erhabener Leiste; im vertieften, mit stilisierten Lilien in den Ecken versehenen Mittelfeld unter ausgehauenem Wappen im rosettenbesteckten Ehrenkranz3) mehrere Bibelsprüche (B) und abschließend in einer Kartusche der neunzeilige Grabspruch (C). Erheblicher Schriftverlust.

Maße: H. 175, B. 78, Bu. 2,5 (A), 4 cm (B, C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI34, Nr. 589 - Gebroth, Evang. Kirche - 1680

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/4]

  1. A

    ANFFa) · DISEM · KIRCHOF · RVHEN · IN · GOTT · [DIE] / EDLE(N) · WEIBER · ANNA · CHRIS[T]INA · MAVLIN · GEBORN · A(NN)O · [.....] LI [....] R [........] T · A(NN)O 1[/............] XII · GEBO/REN · ZV · MERXHEIM · A(NN)O · 42 · SELIG · GESTORBEN · IM · [.....] A(NN)O · 1679 · AVFF · SAMSTAG [......] ·

  2. B

    DA [............]b) / GEHEN WARVM [BIN ICH] / SCHWANGER WORDEN · GEN[...]4) / DAS WEIB WIRD SELIG · / DVRCH KINDER ZEIGEN TIM 2[..]5) / · I(M) · FRAVEN[T]EXT · 1 K · 42 · V · I6) / WIE D[.....]SCH · S[...]ETE[.]c) / K[..]RAVEN · TE · ROM 8 V · 18 ·7) / WIR · WISSEN · DAS · DENEN · / DIE · GO[TT · L]IBEN · ALL DIN[G]d) / NAC · RVE · [..]R[..]ES · AL[...]

  3. C

    SCHLAFFT · / · IHR · [........]BEN · / SCH[....]EILGE / LEI[........]SIT · V · / [..]ICH[............ / ..]S[.]HE[.....]F L[....]IEL · / [..]TE[..]NSCH[.....]T · / IN · GVTER · RVH · / ANNO 1680

Wappen:
unkenntlich.

Kommentar

Die nicht ganz regelmäßige gehauene Kapitalis zeigt durchgehend N mit geschwungener Schräghaste.

Folgt man den (wenig gebräuchlichen) Bibelsprüchen, scheinen beide sonst unbekannte Frauen im Kindbett verstorben und auf dem ehemaligen Kirchhof begraben worden zu sein. Die Grabplatte dürfte sich dann von vornherein außen vor der Kirche befunden haben.

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Wohl verschrieben für AVFF.
  2. Einzelne Buchstaben sind noch zu erkennen, die sich allerdings nicht mit dem Anfang des Bibelspruchs DA MIRS ALSO SOLT GEHEN... in Einklang bringen lassen.
  3. Folgt eine Haste mit einem Kürzungs- oder Zierschnörkel.
  4. Die Fortsetzung des Bibelspruchs würde lauten ... ALLE DING ZVM BESTEN DIENEN, DIE NACH DEM FVRSATZ BERVFFEN SIND; dies läßt sich jedoch mit den folgenden erkennbaren Buchstaben nicht in Übereinstimmung bringen.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu F. Back, Die Pfarrei Gebroth, 1560-1620, in: MRKg 7 (1913) 207f. und Seibrich, Entwicklung 175f.
  2. Freundliche Mitteilung des Küsters der evang. Kirche Gebroth, vom 6. August 1987.
  3. Innerhalb des Kranzes sind einige Buchstabenreste zu erkennen, die wohl zur Wappenbeischrift gehörten.
  4. Nach 1 M. 25,22.
  5. Nach 1 Ti. 2,15.
  6. Diese Angabe konnte bisher noch nicht identifiziert werden.
  7. Irrtümlich für Rö. 8,28.
Addenda & Corrigenda (Stand 23. August 2019):

Verbesserte Lesung Inschrift (B):

  1. B

    DA ES V[N]S ALS[O] SOL[LT] / GEHEN WARVM[B] SI[ND] W[IR] / SCHWANGER WORDEN GEN(ESIS) [25 V(ERS) 22] / DAS WEIB WIRD SELIG / DVRCH KINDER ZEIGEN TIM(OTHEVM) 2 V(ERS) [15] / I FRAVEN [T]EXT Ps(alm) 42 V(ERS) 2 / WIE D[ER] HIRSCH S[CHREIET] / I[I F]RAVEN TEXT ROM(ANOS) 8 V(ERS) 18 / WIR WISSEN DAS DENEN / DIE GO[TT L]IBEN ALL DIN[G] (…)

Die Inschrift ist folgendermaßen aufgebaut: Zuerst wird der Leichtext der ersten, dann der der zweiten Frau genannt und jeweils eine Zeile im Wortlaut wiedergegeben. Hinter den nicht vollständig ausgeschrieben Zitaten ist ein Schlängelchen für etc. zu erkennen. Das Genesis-Zitat steht im Plural statt im Singular.

Anmerkungen

  1. 6.Ps. 42,2. – Befund: ein griechisches Psi.

(freundliche Hinweise meines Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993; vgl. auch die entsprechenden Bemerkungen von Hallof, Rez. DI 34, S. 283).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 589 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0058900.