Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 586 Meisenheim, Schloßkirche 1675

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Sarg des Pfalzgrafen Wilhelm Ludwig von Pfalz-Zweibrücken(-Landsberg) in der sogenannten Ludwigsgruft unter der Grabkapelle. Erstmals erwähnt anläßlich einer Gruftöffnung des Jahres 17761), wieder aufgefunden bei der am 6. August 1988 unternommenen Öffnung und Begehung der Gruft2). Erster, sich am nördlichen Ende der Gruft befindlicher Sarg mit je einem Löwenkopf an den Schmalseiten und je drei Löwenköpfen an den Längsseiten. Durch ihre Mäuler sind Ringe gezogen. Auf der abgeflachten Oberseite befindet sich das vierzeilige, ein bisher unbekanntes Chronogramm enthaltende Grabgedicht (A), auf der linken abgeschrägten Seite die zentrierte, nach unten hin verjüngend zulaufende Grabinschrift (B) und auf der rechten der sechszeilige Bibelspruch (C). Der wohl aus Blei3) bestehende Sarg wurde an der rechten Unterseite gewaltsam beschädigt, der Oberteil mit den Inschriften blieb intakt.

Maße: H. ca. 50, B. 70, L. 192, Bu. 1,5-2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.586 - Meisenheim, Schlosskirche - 1675

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/4]

  1. A

    WILHELMI CINERES LVDOVICI PRINCIPIS ARCTATHAEC VRNA AT MELIOR PARSa) CORPORIS ASTRA PETIVITOCTO ET VICENOS EXTENDIT STAMEN IN ANNOSIN VITA ET FAMA DONIS ET CONIVGEb) FELIX

  2. B

    DER DVRCHLEIGTIGSTE FÜRST VND HERR HERZOG WILHELM LVDWIGc) PFALTZGRAF BEŸ RHEIN / IN BEŸERN ZV GÜLCH CLEVE VND BERG HERZOG GRAF ZV VELDENTZ SPONHEIM DER MARCK VND / RAVENSPVRG HERR ZV RAVENSTEIN IST AVF DISE WELT GEBOHREN AUF DEM SCHLOS LANDSBERG IN DEM / IAHR TAUSENDT SECHSHUNDERT VIERZIG ACHT DEN 13-23d) TAG DES MONATHS FEBRVARY ZU MEŸSENHEIM ABER / SEELIG IN DEM HERREN ENTSCHLAFEN ANNO EIN TAVSEND SECHS HVNDERT SIEBENZIG FÜNF DEN EIN VNDT DREŸSIGSTEN AVGUSTŸ

  3. C

    PHILIPP: 1: V(ERS) 21: · 22 ET 23 / CHRISTVS IST MEIN LEBEN VND STERBEN IST MEIN GEWINN / SINTEMAHL ABER IM FLEISCH LEBEN DIENET MEHR FRVCHT ZU SCHAFFEN / SO WEIS ICH NICHT WELCHES ICH ERWEHLEN SOLL DANN ES LIEGT MIR BEŸDES HART AN / ICH HABE LUST ABZVSCHEŸDEN VND BEŸ CHRISTO ZV SEIN / WELCHES AVCH VIEL BESSER WERE4)

Übersetzung:

Die Asche des Fürsten Wilhelm Ludwig birgt diese Urne, der bessere Teil seines Körpers jedoch ist zu den Sternen geeilt. Bis ins 28. Jahr dehnte sich sein Lebensfaden aus; im Leben war er glücklich durch seinen Ruhm, seine Gaben und seine Gattin.

Versmaß: Vier Hexameter, der letzte als Chronogramm.

Kommentar

Die Versalien der in das weiche Metall doppelstrichig eingeritzten Kapitalis sind meist erhöht gestaltet; daneben erscheinen nur wenige Zierformen wie Ausbuchtungen am Balken des H, gebrochener Mittelbalken beim A und gelegentlich eingerollte Ziercauden bei der Haste des D. Das (berichtigte) Chronogramm in der letzten Zeile des Grabgedichts ergibt das Todesjahr 1675.

Der Verstorbene war das zweite von insgesamt dreizehn Kindern aus der Ehe des Herzogs Friedrich Ludwig von Pfalz-Zweibrücken(-Landsberg) mit Juliana Magdalena, Tochter des Herzogs Johann II. von Pfalz-Zweibrücken5). Mit 14 Jahren6) unternahm er von Heidelberg aus eine Bildungsreise nach den Niederlanden, kehrte 1665 nach Meisenheim zurück und heiratete am 14. November 1672 in der Schloßkirche die Pfalzgräfin Carola Friederike, Tochter Herzog Friedrichs von Pfalz-Zweibrücken. Alle Kinder dieser Verbindung starben früh. Wilhelm Ludwig wurde nicht bei seiner Mutter, sondern neben seinem jüngeren Bruder Carl Casimir7) beigesetzt.

Textkritischer Apparat

  1. S mit einem hochgesetzten (unnötigen) Kringel.
  2. Um in der Summe das korrekte Todesjahr zu ergeben, hätte das C ebenfalls erhöht geschrieben werden müssen.
  3. Name durchgehend in deutlich überhöhten Buchstaben.
  4. Die Zahlen stehen übereinander und sind durch einen waagerechten Strich voneinander getrennt. Zur Doppeldatierung vgl. Nr. 542 von 1640.

Anmerkungen

  1. Vgl. Crollius 16 und 146.
  2. Vgl. dazu ausführlich Nikitsch pass.
  3. Freundlicher Hinweis von Dr. Gerd Weisgerber, Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Forschungsinstitut für Montangeschichte, vom 26. Juni 1989.
  4. Phi. 1,21-23.
  5. Vgl. Europ. Stammtafeln NF 1 Taf. 32 und die Sarginschriften seiner Eltern Nr. 581 von 1672 und Nr. 592 von 1681.
  6. Vgl. zum Folgenden Crollius 141. – Über seine Reise und seine Hochzeit erschienen zwei sich damit befassende Druckschriften, vgl. ebd. Anm. * und * *.
  7. Vgl. Nr. 583 von 1673.

Nachweise

  1. Crollius, Denkmahl 146.
  2. Heintz, Begräbnisse Nr. 134.
  3. Geiler, Grabstätten 19 (A).
  4. Heintz, Schloßkirche 213.
  5. Nikitsch, Fürstengruft 6ff. mit Abb. 3 und 4.
Addenda & Corrigenda (Stand 06. Oktober 2014):

Inschrift (A): streiche FAMA setze FAMAE

Übersetzung: “(…) im Leben sowohl durch die Gaben des Schicksals als auch durch seine Gattin glücklich” (so Hallof, Rez. DI 34, S. 283).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 586 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0058604.