Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 573 Meisenheim, Schloßkirche (1666)/1667

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph für Dorothea Ursula von Kötteritz geb. von Steinkallenfels und ihre Enkelin Juliana Magdalena von Steinkallenfels. Erster Stein von Osten an der Wand des nördlichen Seitenschiffs. Einfache Platte aus graugelbem Sandstein mit einer aus schuppenartig aufeinandergelegten Scheiben verzierten Leiste und den zwei Ehewappen als Bekrönung. Im Mittelfeld 17zeilige, zentrierte Inschrift, nach zwei Zeilen unterbrochen von einem reliefierten, persönlichen Ehewappen der Verstorbenen, das von jeweils zwei namentlich bezeichneten Ahnenwappen begleitet wird. 1893 wurde ein früher aufgetragener Kalkanstrich entfernt und der Text schwarz nachgezogen1).

Maße: H. 250, B. 100, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr.573 - Meisenheim, Schlosskirche - (1666)/1667

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. Dieser Stein Heget die Traurige Ehren / Gedechtnus // Frauen Dorothee Vrsulen von Kötteritz / Geborner Von SteinCallenfels / Welche / In dem Jahr 1608 den 14 Jenner gebohren / 1631 Ahn Christoff vona) Grorodt vnd wiede=/rumb in dem Jahr 1639 ahn Hanß / Henrich von Kötteritz verheurathet / Endlich alhier Zu Meisenheim den 26 / Maÿ 1666 durch ein seeliges Endt / aus dieser welt Versetzet worden / Vnd neben Ihrem Encklin Julianen Magdale/nen von SteinCallenfels So den 24 Jan(uarii) / des Jahrs 1666 gebohren Ihr den 18 Maÿ 1667 gefolget / Hier Vnden Ruhet

Wappen:
Steinkallenfels, Kötteritz; Kötteritz, Dorothea Ursula (gespalten von Grorodt, Steinkallenfels, Kötteritz).

Kommentar

 
Wappen mit Beischriften:
Von Stein/Callenfels, Der Koppenstein; Von Ehrin/traut, Freÿ von Theren.

Die Schrift ist in einer sorgfältig gearbeiteten Fraktur gehalten. Das große Allianzwappen besteht aus einer ungewöhnlichen Kombination aus dem Geburtswappen der Verstorbenen, den Wappen ihrer beiden Ehemänner sowie einem Kronenreif als Helmzier.

Dorothea Ursula war die älteste Tochter aus der zweiten Ehe des Melchior von Steinkallenfels mit Elisabeth von Ehrentraut2). Mit 23 Jahren heiratete sie ihren ersten Mann Christoph von Grorodt (auch Graerodt oder Graurodt) aus der bei (Wiesbaden-)Frauenstein ansässigen Familie der ersten Frau ihres Vaters. Nach seinem Tod und auch nach der Heirat mit ihrem zweiten Mann Johann Heinrich von Kötteritz3) wohnte sie weiter im sogenannten Grorodter Hof4) zu Meisenheim. In diesem Hause zog sie ihren früh verwaisten Neffen Philipp Melchior von Steinkallenfels5) auf, der im Jahr 1660 als Pfalz-Zweibrücker Oberamtmann ihre einzige Tochter Juliana Magdalena6) heiratete und damit in den Besitz des umfangreichen Grorodt‘schen und Kötteritz‘schen Erbes gelangte. Die Beisetzung ihrer Enkelin Juliana Magdalena ins gemeinsame Grab weist auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Epitaphs.

Textkritischer Apparat

  1. In winzigen Buchstaben wohl nachträglich oben eingefügt.

Anmerkungen

  1. So Heintz, Grabdenkmäler Nr. 102. Bei dieser Aktion kamen auch Reste einer früheren Bemalung zum Vorschein.
  2. Vgl. zu dieser eigenen Linie Steinkallenfels-Steinkallenfels Conrad, Steinkallenfelser Adel 5 (1961).
  3. Vgl. sein verlorenes Grabdenkmal Nr. 546 von 1648 in Merxheim.
  4. Der spätere sogenannte Hunolsteiner Hof (Amtsgasse 13), vgl. dazu Lurz, Meisenheim 90.
  5. Vgl. zu ihm ausführlich M. Ohlmann, Philipp Melchior von Steinkallenfels, in: Hbl. Kirn 23 (1943) Nr. 1-5, 2ff.
  6. Ihr eindrucksvolles Epitaph von 1718 befindet sich neben dem ihrer Mutter in der Schloßkirche zu Meisenheim, vgl. Kdm. 266 (Text) und Abb. 262a.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 462 (erw.).
  2. Heintz, Grabmäler Nr. 104.
  3. Heintz, Schloßkirche 260.
  4. Kdm. 265.
  5. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 74f.
Addenda & Corrigenda (Stand 06. Oktober 2014):

Beschreibung: Hinter “Bekrönung” füge ein: “Die beiden Ehewappen sind nur fälschlich auf dieses Epitaph gesetzt, sie gehören aber zu dem links daneben befindlichen Epitaph ihrer 1718 verstorbenen Mutter (s. Abb.)”.

Wappen: streiche “Steinkallenfels, Kötteritz”.

Kommentar: streiche “Helmzier” setze “Oberwappen” (freundliche Hinweise meines Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 573 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0057303.