Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 561 Hennweiler, Evang. Pfarrkirche 1659

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph für die Pfarrerstochter Anna Elisabeth Corvinus. An der südlichen Westwand der Turmhalle (ehemaliger Chor der Vorgängerkirche) mit Eisenklammern an der Wand befestigt. Kleiner, giebelförmiger Kalkstein mit schwach reliefiertem Wappen in der oberen Zone, umgeben von dem dreizeiligen Bibelspruch (A). Darunter die von einem umlaufenden Eierstab gerahmte Inschrift (B) in 12 Zeilen. Ränder bestoßen, untere Zeilen stark verwittert, Schriftverlust.

Maße: H. 68, B. 60, Bu. 2-3 (A), 2,5-5 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis.

DI 34, Nr.561 - Hennweiler, Evang. Pfarrkirche - 1659

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/1]

  1. A

    MARC(VS)a) 10 · / Lasset die Kindlein Zu mir komen / Dann solcher ist das Reich Gottes1)

  2. B

    AN(N)O 1659 den 22 · Junÿ ist im Herren / eingeschlaffen ANNA ELISABETHA, des / Ehrwüdigenb) v(nd) wolgelehrten Herr(n) Johan(nes) / MICHAELIS CORVINI Pfarherrs zu Hen/weiller Töchterlein, ihres alters 2 · jahr, / vnd 5 · monat /Du Armes Würmlein hast genug,nach deinem alter außgestanden,eh als dein Seelchen seinen Flug,genom(m)en aus leibes banden,[...]t nun in dein Seelig leben,[.....]s [.................]ben,

Versmaß: Kreuzreim.

Wappen:
Corvinus (auf Zweig sitzender Rabe, darüber Initialen I · M · C).

Kommentar

Auffällig ist die Verwendung von Satzzeichen sowie die Hervorhebung der Namen durch Schriftwechsel. Bei den sechs kreuzgereimten Versen am Ende der Inschrift könnte es sich um ein zeitgenössisches Lied handeln. Die erwähnten Personen sind ansonsten unbekannt2).

Textkritischer Apparat

  1. A in kleiner Schrift übergeschrieben.
  2. Sic!

Anmerkungen

  1. Mk. 10,14.
  2. Ein wohl zur Verwandtschaft gehörender Johann Friedrich Corvinus war 1650-1696 Pfarrer in Winterburg; vgl. dazu W. Rothscheidt, Die evangelischen Pfarrer in Winterburg, in: MrhKg 27 (1933) 20.

Nachweise

  1. Kdm. 181.
  2. Ziemer, Hennweiler 83 (teilw.).
Addenda & Corrigenda (Stand 08. März 2017):

Kommentar

Die ersten vier Zeilen der kreuzgereimten Verse am Ende von Inschrift (B) stammen – wie vermutet – tatsächlich aus einem zeitgenössischen Lied aus der Feder des bekannten Dichters Simon Dach (1605–1659).3) Simon Dach studierte in Königsberg und wurde später sogar Rektor der Königsberger Universität. Seine lyrische Produktion war enorm. Die Gedichte wurden in zahlreichen Einzeldrucken vertrieben und erfreuten sich wohl großer Beliebtheit unter den Zeitgenossen.

  1. Du armes würmlein hast genug Nach deinem alter außgestanden, Eh’ als dein seelchen seinen flug Genommen auß des leibes banden, Daß ja ein Christ von creutz und pein Hie nicht mög außgenommen seyn.

Leider hilft das nicht bei der Rekonstruktion der nur teilweise lesbaren Zeilen 5 und 6 des Gedichts in (B). Corvinus kam wohl nicht zuletzt durch und während seines Studiums in Königsberg mit den Schriften Dachs in Berührung. Anne ist übrigens im Todesjahr des Simon Dach verstorben; vielleicht darf in der Auswahl der verwendeten Verse eine Reminiszenz ihres Vaters an Königsberg und Dach gesehen werden (die freundlichen Hinweise stammen von Herrn Thomas Kollatz per E-Mail vom 7.3.2017).

Anmerkungen

  1. Das Zitat stammt aus Simon Dach. Hrsg. von Hermann Österley. Tübingen 1876 (Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Band 130), S. 848 [Digitalisat]. Siehe auch den leicht abweichenden Text im Textgrid-Repositorium [PID: hdl:11858/00-1734-0000-0002-63E7-B]. Zu Simon Dachs Person siehe den Wikipedia-Artikel sowie die Deutsche Biographie (Zugriff jeweils 8.3.2017).


Addenda & Corrigenda (Stand 02. September 2013):

Inschrift (B): streiche Johan(nes) setze Johan(nis)

Kommentar

Bei dem Vater der Verstorbenen handelt es sich um Johann Michael, 1631 in Reipoltskirchen (Lkrs. Kusel) geborener Sohn des dortigen Pfarrers Heinrich Corvinus. Johann Michael immatrikulierte sich am 18. Juni 1647 an der Universität in Königsberg, heiratete am 23. November 1652 in Winterburg eine Elisabeth NN. und ist seit dem 10. November 1654 als evangelischer Pfarrer in Bergen und spätestens ab 1558 in Hennweiler nachweisbar. Am 22. Juni 1681 heiratete er in Kirn in zweiter Ehe Margaretha Bleisinger, Witwe des Sebastian Bleisinger aus Dhaun (ihre 2. Ehe) und Witwe des Hermann Weigand in Kirn (ihre 1. Ehe) (freundliche Hinweise von Herrn Hans-Werrner Ziemer, Hennweiler, Brief vom 20. November 1993).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 561 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0056100.