Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 558(†) Meisenheim, Schloßkirche 1657

Beschreibung

Sarg der Herzogin Amalia Antwerpiana von Pfalz-Landsberg geb. Herzogin von Nassau-Oranien in der sogenannten Stephansgruft unter dem Mittelschiff der Kirche. Erstmals erwähnt anläßlich einer Gruftöffnung des Jahres 1767. Damals stand die noch intakte „zinnerne Lade“ rechter Hand erhöht auf einem Balken1). Seit dem in den siebziger Jahren erfolgten Einbau einer Fußbodenheizung in die Kirche ist die Gruft mit Bodenplatten bedeckt und damit unzugänglich. Ein bei dieser Gelegenheit aufgenommenes Foto2) der Gesamtsituation zeigt ganz rechts außen auf dem Boden der Gruft einen spitzgiebeligen Sarg, auf dessen vorderer Schmalseite gerade noch eine mehrzeilige Inschrift (A) mit der abschließenden, größer geschriebenen Jahreszahl 1657 zu erkennen ist – damit dürfte es sich eindeutig um den leicht beschädigten Sarg der Verstorbenen handeln. Laut der kopialen Überlieferung war er zudem mit insgesamt fünf (wohl ausgeschriebenen) Bibelsprüchen (B, C, D, E, F) bedeckt.

Nach Specification.

DI 34, Nr. 558 - Meisenheim, Schlosskirche - 1657

 Stadtarchiv Meisenheim [1/1]

  1. A

    Amalia Albertinaa) Principis Wilhelm von Oranien Tochter von seiner 3ten Gemahlin, der Fürstin von Montpensier, gebohren zu Antwerben den 29ten nov(embris)/den 9ten Dec(embris)b) 1581, getaufft allda den 15ten/den 25ten febr(uarii) 1582. Verheurathet zu Zweÿbrücken, den 24ten Jun(ii)/4ten Jul(ii) 1616 mit Herzog Friedrich Casimir, residirenden Pfalzgrafen zu Landsberg, Wittib worden den 20ten/30ten Sept(embris) 1645. Zu Montforth im Herzogthum Burgund, und endlich in Gott seelig entschlaffen zu Landsberg den 18ten/28ten Sept(embris) 1657.3)

  2. B

    Evang(elium) Joh(annis) des IIte Cap(itel) v(ers) 5 et 264).

  3. C

    Prediger Salomonis das 12te Cap(itel) v(ers) 75).

  4. D

    Psalm 116 v(ers) 76).

  5. E

    Psalm 90 v(ers) 107).

  6. F

    Eccles(iasticus) 38).

Kommentar

Die Inschrift gibt nur einen kleinen Eindruck vom bewegten Leben der Verstorbenen wieder: Geboren in Antwerpen9) als eine der zahlreichen Töchter des berühmten Fürsten Wilhelm von Oranien, Generalstatthalter der Niederlande, und seiner dritten Frau, der Herzogin Charlotte von Bourbon-Montpensier10), verbrachte sie – früh verwaist – ihre Jugendzeit bei ihrer älteren Schwester Luise Juliana am kurfürstlichen Hof in Heidelberg. 25jährig verheiratete sich Amalia Antwerpiana mit Friedrich Casimir, dem zweiten Sohn des Herzogs Johann von Pfalz-Zweibrücken und Stifter der nach dem Sitz auf Schloß Landsberg (heute Ruine Moschellandsberg, Donnersbergkreis) genannten, nur kurz blühenden Linie Pfalz-Landsberg11). Ihr früh verstorbener Sohn Friedrich wurde in der Ludwigsgruft der Meisenheimer Schloßkirche bestattet und erhielt ein Epitaph in der Grabkapelle12); ihr zweiter Sohn Friedrich Ludwig folgte 1645 in der Regierung und wurde nach seinem Tode in der Stephansgruft neben seiner Mutter beigesetzt13).

Das Ehepaar14) flüchtete zu Beginn des 30jährigen Krieges vor den spanischen Truppen zunächst nach Straßburg, dann auf Schloß Montfort (bei Montbard, Dép. Côte-d‘Or) in Burgund, einem mütterlichen Erbteil der Herzogin. Den Leichnam ihres dort verstorbenen Mannes konnte sie erst im Jahr 1647 nach Zweibrücken in die Fürstengruft der dortigen Alexanderkirche überführen15). Sie selbst nahm ihren Wohnsitz wieder auf Schloß Landsberg bei ihrem Sohn Friedrich Ludwig. Erst fünf Jahre nach ihrem Tod wurde ihr Sarg in die Stephansgruft nach Meisenheim gebracht und dort beigesetzt.

Textkritischer Apparat

  1. Von späterer Hand richtig in Antwerpiana verbessert.
  2. Diese und die folgenden Tagesdaten sind übereinander angeordnet; vgl. zur Doppeldatierung Nr. 542 von 1640.

Anmerkungen

  1. So Specification und Crollius 15.
  2. Vgl. dazu Nr. 542 von 1640 mit Anm. 2.
  3. Folgt wohl als Zusatz des Kopisten „Deßen Leichen Text warn“.
  4. Joh. 11,25f.
  5. Pr. 12,7.
  6. Ps. 116, 7. – Der Bibelspruch befand sich „hinter dem Sarg“.
  7. Ps. 90,10. – Der Bibelspruch befand sich „auf der einen Seite“.
  8. Wohl Ecl. 3,1. – Der Bibelspruch befand sich auf der anderen Seite.
  9. Ihren Beinamen erhielt sie aufgrund der Übernahme der Patenschaft durch den Rat der Stadt Antwerpen, vgl. Crollius 136.
  10. Vgl. Europ. Stammtafeln NF I Taf. 115.
  11. Vgl. ebd. Taf. 32 und Anthes, Nachrichten pass.
  12. Vgl. Nr. 489 von 1617.
  13. Vgl. Nr. 592 von 1681.
  14. Vgl. zum Folgenden Crollius 136.
  15. Vgl. Kdm. Zweibrücken 132f. mit Abb. 76 und 77.

Nachweise

  1. Specification fol. 1.
  2. Copia Specification fol. 113.
  3. Crollius, Denkmahl 137.
  4. Heintz, Begräbnisse Nr. 131 (A).
  5. Heintz, Schloßkirche 208f.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 558(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0055809.