Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 522 Meisenheim, Schloßkirche 1632

Beschreibung

Grabplatte des Freiherrn Johann Philipp Boos von Waldeck (zu Montfort). Senkrecht an der Nordwand der nördlichen Seitenkapelle befestigt. Große, gut erhaltene Platte aus Kalkstein mit schmaler Leiste. Im Mittelfeld unter geflügeltem Engelskopf an einem skulptierten Tuch aufgehängte Rollwerktafel mit zehnzeiligem Bibelspruch (A)1). Darunter zwei reliefierte Wappen im Lorbeerkranz, anschließend eine zweite Rollwerktafel mit der Grabinschrift in 15 Zeilen. Den seitlichen Rahmen bilden je acht skulptierte, mit Beischriften versehene Ahnenwappen. Reste einer früheren Bemalung (blau) sind noch zu erkennen.

Maße: H. 245, B. 112, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.522 - Meisenheim, Schlosskirche - 1632

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/4]

  1. A

    PSAL(M)a) 722) · / HERRa) WAN ICH NVR DICH / HAB SO FRAG ICH NICHTS / NACH HIMMEL VND ERDEN / WAN MIR GLEICH LEIB / VND SEEL VERSCHMACHT / SO BISTV DOCH GOTT / ALZEIT MEINES HERTZ=/ENS TROST VND / MEIN THEIL

  2. B

    ANNOa) DOMINI 1632 / DEN 28 APRILIS MOR=/GENS ZWISCHEN I VND / 2 VHREN IST DER WOL=/EDEL VND GESTRENG / IOHAN PHILIPSZ BOOS / VON WALDECK ZV MONT=/FORT ALHIE ZV MEISEN=/HEIM SELIGLICH IM HERN / ENTSCHLAFFEN SEINESb) / ALTERS IM 55. IAHR / DEME GOTT GNADE, / VND EIN FRÖLICHE / AVFFERSTEHVNG / VERLEIHE

Wappen:
Boos von Waldeck; Kronberg.

Kommentar

               
Wappen mit Wappenbeischriften
BOOS V(ON) WALDECK BOOS V(ON) WALDECK
CRATZ V(ON) SCHARFENSTE(IN) KETTIG
VBEN3) RVDESHEIM
SCHONENBERG WES(EL) SELBACH G(E)N(ANNT) LOE
LOWENSTEIN INGELHEIM
SCHENCK V(ON) SCHMI(DBVRG) SCHWARTZ(EN)BVRG
SOTERN VLATTEN
WALBRON4) BÖLLICH5)

Die kräftig zwischen Linien eingehauene, ocker gefaßte Kapitalis zeigt einige typische zeitgenössische Merkmale: leichte Schwünge bei M, N und Z, sporenähnliche Zierstriche bei E, G, L und R, im Gegensatz zum oberen auffällig langer unterer Balken beim E, weit ausgezogene Cauda beim R, I mit Punkt. Die Anbringung der ehelichen Wappen und der zusätzlichen 16 Ahnenwappen, die fünf Generationen seiner elterlichen Vorfahren dokumentieren, sind wohl auch durch das starke genealogische Interesse des Verstorbenen begründet6).

Johann Philipp wurde am 6. Juni 1577 als einziger Sohn des Anton Boos von Waldeck (zu Montfort) mit Elisabeth Boos von Waldeck geb. von Kettig7) geboren; daher erhielt er später als Erbe den von seinen Eltern bewirtschafteten Montforter Hof8). Im Jahr 1601 scheint er ihn gründlich umgebaut zu haben9) – vermutlich anläßlich seiner bevorstehenden Heirat mit Anna Ursula von Kronberg10) vom nahegelegenen Hof Iben bei Fürfeld. Johann Philipp fungierte als Erbamtmann zu Waldeck, dann nacheinander als kurfürstlich-trierischer Amtmann zu Wesel, zu Boppard und schließlich als kurfürstlich-pfälzischer Amtmann zu Meisenheim. Vermutlich verstarb er dort in dem der Großfamilie gehörenden Adelshof11); beerdigt wurde er jedoch erst am 9. Mai 163212). Das Ehepaar hatte sechs Töchter und vier Söhne, die die bis heute in verschiedenen Linien blühende Familie fortsetzten13).

Textkritischer Apparat

  1. Anfangsbuchstabe erhöht.
  2. Letzter Buchstabe wegen Platzmangel kleiner geschrieben.

Anmerkungen

  1. Die um 1750 angefertigte Zeichnung bei Wickenburg zeigt abweichend als Bekrönung einen Totenkopf im Lorbeerkranz, darunter den Bibelspruch Job 19,25 (Ich weiß, daß mein Erlöser lebt ...). Hierbei muß es sich um ein Versehen Wickenburgs bzw. des ihm zuliefernden Kopisten gehandelt haben, da die vorliegende Grabplatte vollständig und unzerstört erhalten ist.
  2. Nach Luther-Bibel Ps. 73,25f.; hier Zählung nach griechisch-lateinischer Tradition, vgl. dazu LThK 8 (1963) 851.
  3. Marschall von Waldeck zu Iben.
  4. Korrigiert aus WALBORN.
  5. Bulich.
  6. Vgl. die Aufschlüsselung bei Anthes 32. – Johann Philipp stand in ausgedehntem Briefwechsel mit dem erzbischöflich-mainzischen Archivar G. Helwich, dem er fundierte Angaben zur Geschichte seines Geschlechts lieferte; einige erhaltene Briefe von 1623/24 sind in Helwichs Op. gen. I fol. 327ff. beigebunden.
  7. Vgl. die Stammtafel bei Anthes 17 sowie Grabplatte (Nr. 360) und Totenschild (Nr. 361) seines 1585 verstorbenen Vaters.
  8. Vgl. dazu und zum Folgenden Herzog, Duchroth 207ff.
  9. Vgl. Nr. 433.
  10. Geb. am 16. April 1585 als Tochter des Hartmut (XVI.) von Kronberg und der Elisabeth von Mudersbach, die als Fürfelder Ortsherren im Besitz des Hofes waren; vgl. die Bauinschrift Nr. 466 von 1609 und Ronner, Kronberg 152 mit Stammtafel V.
  11. Vgl. den Kommentar zu Nr. 240 XI von 1669.
  12. Vgl. Anthes 33.
  13. Vgl. die Stammtafeln bei Pies V/2 bis V/6.

Nachweise

  1. Wickenburg, Thesaurus Palatinus II 13 (Zeichnung).
  2. Heintz, Grabmäler Nr. 102.
  3. Heintz, Schloßkirche 256.
  4. Kdm. 264.
  5. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 71f.
  6. Drescher, Schloßkirche 38 (erw.).
  7. Pies, Waldeck 234.
  8. Anthes, Boos von Waldeck 31.
  9. Ronner, Kronberg Abb. 149/150.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 522 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0052200.