Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 521 Lauschied 1631

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Spruchinschriften am Anwesen Abtweilerstr. 21 (ehemaliges Hofgut der Wolf von Sponheim). Wohl an ursprünglicher Stelle in etwa 260 cm Höhe aus der mittlerweile modernisierten und frisch verputzten Hauswand ausgespart. Der querrechteckige Inschriftenstein aus gelblichem, jetzt graublau überstrichenem Sandstein wird durch vier reliefierte Wappen in fünf vorlinierte Felder geteilt; im mittleren Feld stehen unter der Jahreszahl die Namen der Besitzer (C1 und C2), die links (A-B) und rechts (D-E) von mehrzeiligen Sprichwörten flankiert werden. Die beiden äußeren Wappen werden an ihren Enden von Initialen begleitet. Trotz einer Überdachung beginnt der originelle Inschriftenstein zu verwittern.

Maße: H. 45, B. 290, Bu. 2,5-5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.521 - Lauschied - 1631

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/5]

  1. A

    LIEB GOTT VOR ALLEN DINga)SO WIRT DIRSb) NIT MISLINga)1)

  2. B

    VND / ARBEIT FLISIGc) BIS NIT FAVLES FLEVGT DIRb) KEIN GBRAT/TENc) TAVB INS MAVLL ·2)

  3. C1

    1 · 6 · 3 · 1 · / GEORG NI=/COLAS WE=/INANDT / WOLF(F) VO(N)d) SPONHEIMe) ·

  4. C2

    AN(N)A ELISABET / WOLFIN VO(N)d) SPO/NHEIM GE(BOHRNE)f) KNOB/LOCHIN VO(N)d) HAZ(BACH)

  5. D

    DAN / MORGENSg) FRVE VF ABNSc) SPAT / NIDERBRINGT VERLOREN GVTT / WIDER3)

  6. E

    DOCH / AN GOTTESh) SEGENIST ALLES GELEGEN4)

Versmaß: Knittelverse.

Wappen:
(von links nach rechts) Koppenstein (dabei C / S), Wolf von Sponheim, Knobloch von Hatzbach (3 schrägrechts gestellte Rauten), Pack (viermal gespaltener Pfahl, dabei K / H).

Kommentar

Die flach und in unregelmäßigen Formen eingehauene Kapitalis ist wegen des beschränkt zur Verfügung stehenden Raumes (zum Teil) ohne Wortzwischenräume ausgeführt und zeigt wohl auch deswegen die ungewöhnlichen Buchstabenverbindungen. Bei den in Knittelversen abgefaßten Sprichwörtern handelt es sich – mit einer Ausnahme (D) – um beliebte Haussprüche der frühen Neuzeit5).

Der um 1635 verstorbene Georg Niclaus Weinandt war vermutlich der einzige Sohn aus der Ehe des Christian Wolf von Sponheim mit Anna Maria, Tochter des Diller Amtmanns Johann Philipp von Koppenstein6), die zu dieser Zeit zu Dörrebach bei Stromberg residierten. Er scheint sich zusammen mit seiner Frau Anna Elisabeth auf das Wolf von Sponheim‘sche Hofgut zu Lauschied zurückgezogen zu haben; die Familie war dort seit der Mitte des 14. Jahrhunderts mit der Hälfte des Ortes belehnt und übte die oberste Gerichtsbarkeit aus7). Die Spur ihres gemeinsamen Sohnes Philipp verliert sich in den Wirren des 30jährigen Krieges.

Textkritischer Apparat

  1. Schreibschriftliches g mit ausgezogener Schleife, wohl auch als abschließender Zierbuchstabe gestaltet.
  2. I dem D eingeschrieben.
  3. Sic!
  4. O dem V klein überschrieben.
  5. O dem P klein eingeschrieben.
  6. E dem G klein eingeschrieben.
  7. O dem M klein eingeschrieben.
  8. S als Kleinbuchstabe angehängt.

Anmerkungen

  1. Sprichwort, so nicht bei Wander, Sprichwörter-Lexikon; vgl. aber DI 28 (Hameln) Nr. 59: „Vertraue Gott in allen dingen / so wird dir gar nichts misslingen“.
  2. Sprichwort, im zweiten Teil europaweit verbreitet, erstmals 1616 nachgewiesen; vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon I 121 Nr. 7 und IV 1042 Nr. 28.
  3. Sprichwort; bei Wander, Sprichwörter-Lexikon nicht nachgewiesen.
  4. Weitverbreitetes, in allen frühneuzeitlichen Sprichwörtersammlungen verzeichnetes Sprichwort, vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon II 2 Nr. 24 und DI 28 (Hameln) Nrr. 46, 135 und 142.
  5. Für freundliche Hinweise zur Identifizierung danke ich Frau Dr. Christine Wulf, Göttingen.
  6. Vgl. die Stammtafel bei Conrad 39.
  7. Vgl. ebd. 40 sowie das Lauschieder Weistum von 1541 bei Fabricius, Erläuterungen 322f.

Nachweise

  1. Kdm. 217.
  2. Conrad, Wolf von Sponheim 40 (erw.).
  3. Ph. Hassinger, Das Lehenshaus der Wolf von Sponheim in Lauschied. Hs. um 1927-30 (LHAK 700, 170 Nr. 7; Zeichnung).
  4. Lipps, Entdeckungsreisen 151.
Addenda & Corrigenda (Stand 06. Oktober 2014):
 
Wappen:
Knobloch von Hatzbach (3 schräggestellte Rauten schrägbalkenweise)

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 521 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0052102.