Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 512 Sobernheim, Haus zum Kleinen Erker 1.V.17.Jh.

Beschreibung

Spruchinschriften und Bauzahlen am Haus zum Kleinen Erker, eingebettet in das Häuserensemble Ecke Großstraße und Wilhelmstraße. Über einem rundbogigen, mit Sandsteinquadern im Diamantschnitt gesäumten Eingang reichgegliedertes, mit einem dreieckig vorspringenden Erker und drei Fenstern versehenes Obergeschoß. Auf dem gemeinsamen Sturz der beiden linken Fenster und dem Sturz des anschließenden Erkerfensters Inschrift (A), entsprechend rechts Inschrift (B). Unter der als Brüstung gestalteten Fensterzone ein mit Hermen und Fruchtgehängen geschmücktes Felderband mit zwei Beschlagwerktafeln; auf der linken mit Monogramm abschließende Inschrift (C) in fünf, auf der rechten Inschrift (D) in zwölf Zeilen. Auf der oberen Leiste der beiden Erkerplatten Inschrift (E), dabei im Mittelfeld der linken Platte ein mit Initialen bezeichnetes, reliefiertes Vollwappen, rechts lediglich ein leerer Wappenschild. Eine weitere Beschlagwerktafel mit achtzeiliger Inschrift (F) schließt sich an. Die in der Buchstabengröße stark variierenden Inschriften sind mit Goldfarbe ausgemalt.

Auf dem Dach des mit zum Ensemble gehörenden Hauses Kurz (Wilhelmstr. 3) ehemals Wetterfahne mit Jahreszahl (G), im Keller Bauzahl (H).

Nach Kdm. (G, H).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr. 512 - Sobernheim, Haus zum Kleinen Erker - 1.V.17.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/12]

  1. A

    DISS · HAVS · STEHET · IN · GOTTES · HANDT ·ZVM · KLENENa) · / · ERCKER · ISITSb) · GENANT:1)

  2. B

    GOTT · GEB · A(LL)E(N) · DE(N) · SEGE(N) · SEIN ·WELCHE · DA · GEHE(N) · AVS · VND · EIN ·2)

  3. C

    AEDFICANTEc) · DEO · FELI/CITERd) · OMNIAe) · CEDVNTf) ·ILLIVSg) · AVXILIOh) · HAEC · STAT / BENE · STRVCTAi) · / · DOMVS ·3)NSRk) ·

  4. D

    DERl) · A(N) · DIEm) · STRASSENn) · / BAWE(N) · WILLo) ·DER · MVSS · SICH · LASSE(N)p) · / THADELN · VIEL ·DOCH · THADELTq) · MA(N)CHER / DIESER · FRIST ·DRAN · IHM · GARr) · NICHTSs) / GELEGENt) · IST ·DAS · THVT · MA(N)CH · VNBE/SCHEIDE(N)u) · MANN ·DER · IHME · SELBST · NICHT · / RHATE(N) · KANN ·4)

  5. E

    ALLEINv) · NVR · GOTTw) · DE(M) · HERN · DIEx) · EHR ·V(N)D · SV(N)STE(N) · KEINE(M)y) · A(N)DER(N) · MEHR ·5)

  6. F

    WER · ANDRER · GNAD · NITz) · LEBEN · WILL ·DER · MACHS · WIEaa) · ICH · / V(N)D · SCHWEIGEbb) · STILLcc) ·OB · MIRSdd) · GLEICH · NICHT · VIELee) · NVTZT · DABEI ·BIN · ICH · DOCH · MA(N)CHER · / SORGEN · FREI ·6)

  7. G

    1614ff)

  8. H

    1622

Übersetzung:

Wenn Gott baut, geht alles glücklich vonstatten; mit seiner Hilfe steht dieses wohl errichtete Haus.

Versmaß: Distichon; Paarreime.

Wappen:
unbekannt (im damaszierten Feld Rosenstiel mit drei Blüten, Hz: Männerrumpf mit einem Eichenzweig in der rechten und zwei Sternen in der linken Hand).

Kommentar

 
Wappenbeischrift:
N · / R · O.

Der ornamentale und figürliche Schmuck sowie die zum Teil überaus kunstvoll ineinander verschlungenen Buchstaben (DE-Ligatur!) der bemerkenswerten, in dieser Art zum Teil sonst so nicht nachzuweisenden Sinnsprüche unterstützen den repräsentativen Charakter dieser möglicherweise nur als aufwendiger Zugang geplanten Spätrenaissance-Fassade7). Auftraggeber und Baumeister dieses Gebäudeteils sind unbekannt, eindeutig ist jedoch der Bezug zum 1609 um einen fast identischen Dreieckserker erweiterten Priorhof8). Dies und die gut überlieferten Jahreszahlen legen die vorgenommene Datierung nahe.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Wohl verhauen für IST ES.
  3. I und A eingestellt.
  4. Erstes I in die Haste des L ligiert, zweites I eingestellt, R in TE-Ligatur ligiert und eingestellt.
  5. I in die rechte Haste des N ligiert.
  6. E eingestellt.
  7. Zweites L eingestellt, I in die linke Haste des V ligiert, S klein eingestellt.
  8. Erstes I in die Haste des L ligiert, zweites I und O eingestellt.
  9. R klein ligiert.
  10. Großes N mit kleinem S und R an der rechten Haste.
  11. R klein ligiert und eingestellt.
  12. I in den Bogen des D ligiert.
  13. T eingestellt.
  14. I in die Haste des ersten L ligiert, zweites L eingestellt.
  15. A eingestellt.
  16. T eingestellt.
  17. A und R durch einen Mittelbalken verbunden, vielleicht für GAHR.
  18. H mit Nodus.
  19. Mittleres E eingestellt.
  20. I in die Haste des D ligiert.
  21. Zweites L und E eingestellt.
  22. O eingestellt.
  23. I in die Haste des E ligiert.
  24. I in die linke Haste des N ligiert.
  25. I und T in die rechte Haste des N ligiert.
  26. I in die Haste des E ligiert.
  27. I und E in die rechte Haste des W ligiert.
  28. I in die Haste des ersten L ligiert, zweites L eingestellt.
  29. I und R in die rechte Haste des M ligiert.
  30. I in die Haste des E ligiert.
  31. Schneegans überliefert 1613.

Anmerkungen

  1. Vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon II 399 und Nr. 372 von 1589.
  2. Paargereimter Bibeltext, wohl nach Ps. 121,8.
  3. Distichon nach Ps. 126,1.
  4. Vgl. zum weit verbreiteten Typ dieser baukritischen Inschrift Schaefer 54-68 sowie Wander, Sprichwörter-Lexikon IV 894.
  5. Vgl. ebd. II 10.
  6. Paargereimter Vierzeiler (sogenannter Freidank-Typ), nicht bei Wander, Sprichwörter-Lexikon nachgewiesen.
  7. Die dahinterliegende Grundfläche beträgt teilweise nicht mehr als zwei Meter Tiefe, möglicherweise ist dies aber auch auf spätere Umbauten zurückzuführen; vgl. dazu Freckmann, Architektur 200.
  8. Vgl. Nr. 464 von 1609.

Nachweise

  1. Rhein. Antiquarius II 18, 206f.
  2. Deutsche Inschriften an Haus und Gerät. Berlin 41882, 25 (D).
  3. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 332f.
  4. Schneegans, Kreuznach 87 (D, G).
  5. Schaefer, Hausinschriften 65 (D).
  6. Müller, Nahekunde 160 und 175.
  7. Geib, Nahetal 51 (D, F).
  8. Kdm. 373.
  9. NK (1980) 28 (Abb.).
  10. Lipps, Entdeckungsreisen (A, B).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 512 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0051203.