Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 505 Stromberg, Evang. Kirche 1622

Beschreibung

Grabplatte für den kurpfälzischen Amtmann Johann Werner von Hammerstein und seine Frau Anna Martha geb. Wolf von Sponheim. Vermutlich aus der niedergelegten Vorgängerkirche in die 1735 neuerbaute Kirche überführt und an der linken Seite der Vorhalle an der Wand befestigt. Rot überstrichene Platte aus Kalksandstein mit Umschrift (A) auf erhabener Leiste, im vertieften Mittelfeld unter reliefiertem Allianzwappen im Lorbeerkranz 16zeiliges Grabgedicht (B). Als Worttrenner dienen kleine Dreiecke.

Maße: H. 166, B. 86, Bu. 2,5-4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur/Kapitalis (B).

DI 34, Nr.505 - Stromberg, Evang. Kirche - 1622

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/4]

  1. A

    A(NN)O · Ma) · DCXXIIb) · IM · SEPTEMbERc) · SEIND IN GOTT / ENTSCHLAFFEN · DER · WOHL · EDEL · GEBOHRNE · VND · GESTRENGE · IOHAN(N) · WERNER · VON HAMMERSTEINd) // gewesner kurpffaltziser Ambtman zu schlosbecklem // SEINES · ALTERS · 51 · IAHR · WIE AVCH · DIE · WOHLEDEL · GE=/BOHRNE · AN(N)A · MARTHA · SEINE · HAVSFRAW · GEBOHRNE · WOLFFINe) · VON · SPONHEIM IHRES · ALTERS 〈..〉 IAHR · DEREN · SEELENf) GOTT GNEDIG= / =SEYN WOLLEg)

  2. B

    Wann fromIgkeith) · ansehen · thutWitz · tugend ehr · vnd · tapffren · muthi)BEREDSAMKEIT VND HOHER · STANDNVR · HELFFEN · KÖNNT · IN · DIESEM · LANDWieder · den · todt · so glauben wirder · herr · von · hamrstein · sei · noch · hierWAS · ABER · IEDOCH · SEVFFZEN · VIELER · HAT · ERLANGT · DAS · BESTE · ZIELden · himmel · vnd · die · seeligkeitSo sein erlöser hat bereitWOLT · IHR · MEIN · LIEBSTE · FOLGEN · NVHNZVR · EWIGEN · FREID · VND · SELIGEN · RVHdurch · Jesum · christ · der · wird euch gebenaus · lauter · gnad · das · ewig lebenVND · AVCH · DABEY · HERTZLICHE · FREWDDIE · BLEIBEN · SOLL · IN · EWIGKEIT

Versmaß: Knittelverse.

Wappen:
Hammerstein; Wolf von Sponheim.

Kommentar

Die ungleichmäßig gehauene Ausführung der Schriftarten entspricht den holprigen Knittelversen, die paarweise abwechselnd in Fraktur und Kapitalis gestaltet sind, wobei die regellos gesetzten, eng an die Buchstaben gerückten Worttrenner den unruhigen Eindruck noch verstärken.

Welchem Umstand1) der wohl aus dem Lippe‘schen stammende Johann Werner von Hammerstein seine Anstellung als kurpfälzischer Amtmann auf Schloß Böckelheim verdankte2), ist unbekannt. Jedenfalls erwarb er im Jahr 1618 von den Herren von Steinkallenfels die über Stromberg gelegene, zerstörte Burg Gollenfels3) und baute die heute noch stehenden Teile an gleicher Stelle wieder auf4). Trotz der ihm verbliebenen kurzen Zeitspanne bis zu seinem Tod scheint er sich in der Umgebung – nach Ausweis des originellen Grabgedichts5) – ein gewisses Ansehen erworben zu haben. Die ‘sola fide‘-Anspielung weist wohl auf seine Zugehörigkeit zur evangelischen Konfession.

Aus seiner Ehe mit Anna Martha Wolf von Sponheim6) entstammten fünf Kinder, von denen drei früh verstarben und wohl noch in Waldböckelheim beigesetzt wurden7). Das Ehepaar erlag zur gleichen Zeit einer damals herrschenden Seuche, vermutlich der Pest. Mit ihrem jüngsten, ledig gebliebenen Sohn Friedrich Christoph (†1685), der im 30jährigen Krieg eine bedeutende Karriere als schwedischer Reitergeneral machte, starb die rheinische Linie der von Hammerstein aus.

Textkritischer Apparat

  1. Minuskel-m in Größe der Kapitalis.
  2. D oben offen mit hinter die Haste geführten Bogen.
  3. Minuskel-b.
  4. Der nachfolgende Text bis schlosbecklem ist – wechselseitig durch ein + angezeigt – im Mittelfeld knapp über der unteren Leiste in Fraktur und auf dem Kopf stehend nachgetragen.
  5. Erstes F dem L eingeschrieben.
  6. Drittes E dem L eingeschrieben.
  7. GOTT bis WOLLE wegen Platzmangel in zwei Zeilen.
  8. i klein eingestellt.
  9. Gerlach (1897) liest abweichend Wenn fromm ihr bleibt und leben thut / Wird Tugend Ehr und tapferer Muth. Eine spätere Variante bringt „Wan Frömigkeit, ansehnlich Gut / Witz, Tugend, Ehr und Tapfermut“ (vgl. unten Anm. 5).

Anmerkungen

  1. Vgl. zum folgenden E. Frhr. von Hammerstein, Untersuchungen über die Geschichte und das Wappen des freiherrlich von Hammerstein‘schen Geschlechts, in: Der Deutsche Herold 7 (1876) 96f. und Zepp, Hammerstein pass.
  2. Seine beiden Brüder hatten ebenfalls hohe Positionen inne: Hans Adam war gräflich-lippischer Landdrost, Franz Günther kurpfälzischer Haushofmeister in Heidelberg.
  3. Vgl. Schmitt, Stromberg 107.
  4. Vgl. Nr. 501 von 1619.
  5. Möglicherweise handelt es sich um einen im 17. Jh. verbreiteten Typ, da sich das Gedicht – mit wenigen Abweichungen und unter Austausch des Namens – ebenfalls auf der Grabplatte des 1664 verstorbenen Wolfgang von Lewenstein befindet; vgl. dazu Stock, Die Grabdenkmäler der Kirche zu Oberndorf, in: Pfälzisches Museum 41 (1924) 15 mit Abb. S. 14.
  6. Tochter des Philipp Wolf von Sponheim aus seiner dritten Ehe mit Katharina Marschall von Waldeck zu Iben (vgl. Möller, Stammtafeln NF II Taf. LXII); verheiratet in erster Ehe mit Johann Dietrich von Allenbach.
  7. Vgl. Zepp, Hammerstein und Nr. 453 von 1606.

Nachweise

  1. A. Gerlach, Chronik von Schloss Gollenfels. Stromberg 1897 (Typoskript in der Heimatwissenschaftlichen Bibliothek Bad Kreuznach, Sign. HK 422) 4.
  2. Gerlach, Stromberg 66.
  3. Kdm. 400f.
  4. Zepp, Hammerstein 3 Anm. 7 (A).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 505 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0050500.