Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 503 Bad Münster am Stein-Ebernburg, Evang. Gemeindehaus (ehem. Pfarrkirche, sog. Alte Kirche) 1619

Beschreibung

Quader mit unklarer dreizeiliger Inschrift. Er wurde wohl anläßlich des Abbruchs des Langhauses der ehemaligen Pfarrkirche in Bad Münster am Stein im Jahr 19101) aufgefunden und innen im ersten Stock des heutigen evangelischen Gemeindehauses (Nahestr. 21) als fragmentarische (?) Spolie unter den vermutlich nicht zugehörigen Resten eines einfachen Sakramentsschreins in die Wand2) eingelassen; bisher unbeachtet. Weißgelber Sandstein, rot überstrichen.

Maße: H. 18, B. 33. Bu. ca. 4 cm.

Schriftart(en): Frühbarocke Mischschrift.

DI 34, Nr.503 - Bad Münster am Stein-Ebernburg, Evang. Gemeindehaus - 1619

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. Oh · mir · eisen / icha) · ver · schon / 16 19

Kommentar

Der kurze, durch die dreiecksförmigen Worttrenner in eindeutige Abschnitte gegliederte Text ist von ungeübter Hand in einer seltsamen, kursive und kapitale Elemente enthaltenen Mischschrift abgefaßt. Der deutschen Schreibschrift entstammt die Mehrzahl der Buchstaben wie das kleine runde e, das h in der Art einer gestreckten Acht, das s in der Art einer gestürzten gotischen Vier3) sowie das hochgezogene v mit ovalem Abschlußkringel4). Kapitale Formen zeigen lediglich i mit dreiecksförmigem Punkt, m mit spitz zulaufenden Hasten und das durchgehend spiegelverkehrt geschriebene n. Die angeführten Vergleichsbeispiele lassen auf die Herkunft des Verfertigers der Inschrift aus einfachen Kreisen schließen.

Textkritischer Apparat

  1. Folgt eine i-förmige Haste ohne Punkt, versehen mit einem kleinen Dreieck rechts der Mitte; vielleicht ein t.

Anmerkungen

  1. Vgl. zum Folgenden Zimmermann, Geschichte 8f. und Kdm. 111.
  2. Entspricht der ehemals äußeren Nordostwand des stehengebliebenen Kirchturms.
  3. In dieser Form auf einem 1577 von einem Steinmetzen angefertigten Grab-Scheibenkreuzstein nachgewiesen; vgl. dazu ausführlich J./F.K. Azzola, Mittelalterliche Scheibenkreuz-Grabsteine in Hessen (Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde 10) Kassel 1972, S. 52ff. mit Abb. 117.
  4. Ähnlich auf einem Grab-Kreuzstein des 1612 verstorbenen Jacob Schefter; vgl. dazu J./F.K. Azzola, Die nachmittelalterlichen Grab-Kreuzsteine des 17. Jahrhunderts in der Kirchenburg von Rohr bei Meiningen, in: Zs. d. Vereins f. Hessische Geschichte und Landeskunde 89 (1982/83) 84 mit Abb. 12.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 503 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0050304.