Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 489 Meisenheim, Schloßkirche 1617

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph des Säuglings Pfalzgraf Friedrich von Pfalz-Landsberg. Links vom großen Grabdenkmal des Herzogs Karl I. von Pfalz-Birkenfeld1) an der Südwand der Grabkapelle befestigt. Verhältnismäßig einfach gestaltete Pilasterädikula aus gelbgeädertem Kalkstein, die Schrifttafeln aus Schiefer. Die große 22zeilige Schrifttafel mit abgesetztem Bibelspruch in kleineren Buchstaben wird von Pilastern gerahmt, die je vier Wappen mit den zugehörigen Beischriften tragen. Als Bekrönung dienen zwei, von sitzenden Putten gehaltene Vollwappen. Die Sockelzone besteht aus Beschlagwerk, in der Mitte ein Totenkopf über Todeswerkzeugen. Die Seitenteile des gut erhaltenen Epitaphs verzieren weibliche, in Voluten eingespannte Hermen. Bei der Restaurierung des Grabdenkmals im Jahre 1896 scheinen nur unerhebliche Ergänzungen vorgenommen worden zu sein2).

Maße: H. ca. 300, B. ca. 190, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.489 - Meisenheim, Schlosskirche - 1617

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. FRIDERICVS PALATINVS RHENI, &a) FRIDERICI / CASIMIRI, PALAT(INI) RHENI, BAV(ARIAE) IVL(IAE) CLIV(IAE) MONT(IS) / DVCIS, COMITIS VELD(ENCIAE) SPONH(EIMII) &a) ET AMALIAE, / INCLYTAE PRINCIP(ISSAE) AVRAICAE, COMIT(ISSAE) NASSOV(IAE) &a) / FILIVS: NATVS EST IN ARCE LANDSPERG / ANN(O) CHR(IST)I MDCXVII · DIE IV. AVG(VSTI) POST / MEDIVM NOCTIS, PAVLO ANTE HORA(M) PRIMAM / POSTERO VERO DIE IN NO(M)I(N)E S(ANCTAE) TRINITATIS, / SVB HORA NOCTIS XII. BAPTIZATVS, CONTI=/NVOb) EIVSDEM DIEI HORA PRIMA POMERID(IANA) / EX HAC VITA DECESSIT · MEISENHEIMIA(M) / DEINDE VIII, DIE AVG(VSTI) TRANSLATVS, ET IN / HOC MONVMENTO PROAVORVM SVORVM, / LAVDATISSIMAE SEMPER MEMORIAE, HONORIFICEc) / SEPVLTVS EST, EXPECTANS APPARITIONEM / GLORIAE MAGNI DEI ET SERVATORIS NOSTRI / IESV CHR(IST)I: CVIVS VOCE EXCITATVS MAGNA / CVM POMPA ET MAIESTATE DEDVCETVR IN / SPLENDIDISSI(MAM) ET COELESTEM HIEROSOLYMAM, / ET CVM SALVATORE SVO IESV CHR(IST)O / REGNABIT AC VIVET IN AETERNVM ·d) / VENI · VENI · ETIAM VENI DOMINE IESV · APOC(ALYPSIS) XXII ·3)

Übersetzung:

Friedrich, Pfalzgraf bei Rhein (usw.), Sohn des Friedrich Casimir, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, zu Jülich, Cleve und Berg, Graf zu Veldenz und Sponheim (usw.) und der erlauchten Fürstin Amalie von Oranien, Gräfin von Nassau (usw.). Geboren auf Burg Landsberg im Jahre Christi 1617 am 4. Tag des Augusts nach Mitternacht kurz vor der ersten Stunde, wurde er am folgenden Tag während der 12. Stunde der Nacht im Namen der heiligen Dreifaltigkeit getauft und schied alsbald in der ersten Stunde des Nachmittags des selben Tages aus dem Leben. Sodann wurde er am 8. Tag des Augusts nach Meisenheim überführt und in dieser Gruft seiner Vorfahren – fortwährend hochlöblichen Angedenkens – mit allen Ehren beigesetzt, wo er auf die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Erretters Jesu Christi wartet. Durch dessen Stimme erweckt, wird er mit großer Pracht und Würde in das überaus herrliche und himmlische Jerusalem geführt werden und mit seinem Heiland Jesus Christus herrschen und leben in Ewigkeit. Komm, komm, ja komm, Herr Jesus!

Wappen:
Pfalz-Zweibrücken; Nassau-Oranien.

Kommentar

 
Wappen mit Wappenbeischriften:
PFALTZ·, GV̈LICH·, HESSEN·, ÖSTER=/REICH·; VRANIEN / NASSAW·, BOVRBAN·, STOLBERG·, LOGNY·

Die gut ausgeführte, golden gefaßte Kapitalis kennzeichnet die Personennamen und Wappenbeischriften mit erhöhten Anfangsbuchstaben. Auffallend ist die ungewöhnliche Handhabung der den langen Text gliedernden Zeichen: ‘punctus elevatus‘ wird nur einmal als Trennungszeichen, vereinzelt als Worttrenner4), in der Regel jedoch als Kürzungszeichen verwendet, Doppelpunkt steht anstelle des heutigen Punktes, Komma und doppelter Trennungsstrich dienen als Satzzeichen im heute geläufigen Sinn.

Friedrich Casimir, der zweite Sohn Herzog Johanns I. von Pfalz-Zweibrücken erhielt das nach der gleichnamigen Burg (Burgruine Moschellandsberg, Donnersbergkreis) genannte Amt Landsberg zur Apanage und begründete nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1604 die neue, allerdings nur zwei Generationen blühende Linie Pfalz-Landsberg5). Das für ein kurz nach der Geburt verstorbenes Kind aufwendig und mit großer Sorgfalt hergestellte Epitaph erklärt sich vielleicht aus der auch in der Inschrift anklingenden Trauer der frisch verheirateten Eltern (∞ 24. Juli 1616)6) um ihren erstgeborenen Sohn. Die Beisetzung des Verstorbenen fand wohl in der Ludwigsgruft der Schloßkirche zu Meisenheim statt, in die später auch seine Mutter Amalia Antwerpiana7) überführt wurde. Die (zu Oppenheim gedruckte) Leichenpredigt hielt der Hofprediger Johann Schlechtius8).

Als Bildhauer des Grabdenkmals kommt Meister Conrad Wolgemuth aus Simmern in Frage, der für die Meisenheimer Nebenresidenz der Pfalz-Zweibrücker bereits mehrere kleinere Arbeiten ausgeführt hatte9) und zwei Jahre später mit der Herstellung des Epitaphs für die Pfalzgräfin Christine10) betraut wurde.

Textkritischer Apparat

  1. et in Form eines entsprechenden Symbols.
  2. Trennung durch ‘punctus elevatus‘ angezeigt.
  3. Zweites I klein eingestellt.
  4. Schlußzeichen in Form einer paragraphenförmig durchgezogenen Raute.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 438 von 1602.
  2. Vgl. Lucas/Clemen 41.
  3. Apc. 22,20; dort allerdings nur „Veni Domine Jesu“.
  4. Nach MDCXVII und DECESSIT, vgl. auch Anm. b.
  5. Vgl. dazu Anthes, Nachrichten pass. und die Nr. 553 von 1652 und Nr. 592 von 1681.
  6. Vgl. Europ. Stammtafeln NF I Taf. 32.
  7. Vgl. Nr. 558 von 1657; allerdings wurde sie – ohne ein oberirdisches Grabdenkmal zu erhalten – in einem Sarg in der sogenannten Stephansgruft beigesetzt.
  8. Vgl. Crollius, Denkmahl 17.
  9. Vgl. Nrr. 477f. von 1614 und zu weiteren Grabdenkmälern aus seiner Hand Brucker, Wohlgemuth pass.
  10. Vgl. Nr. 496 von 1619.

Nachweise

  1. Ioannis, Miscella 251f.
  2. Wickenburg, Thesaurus Palatinus II 9 - 10 (Zeichnung).
  3. Crollius, Denkmahl 137f.
  4. Copia Epitaphiorum Meisenheim fol. 115r-v.
  5. Heintz, Begräbnisse Nr. 154.
  6. Lucas/Clemen, Instandsetzung 38 (Zeichnung).
  7. Geiler, Grabstätten 22 (teilw.).
  8. Heintz, Schloßkirche 247.
  9. Kdm. 260f.
  10. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 52 (übers.).
  11. Drescher, Schloßkirche 31 (teilw.).
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

Streiche CLIV(IAE) MONT(IS) setze CLIV(IAE) MONT(IVM).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 489 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0048904.