Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 486 Bad Kreuznach-Planig, Evang. Pfarrkirche 1616

Beschreibung

Glocke mit Bibelspruch und Meisterinschrift, rechts im Turm1) der ursprünglich romanischen Kirche. Reich verzierte Glocke mit zweizeiliger Schulterumschrift zwischen Rundstegen, darüber auf der Haube Friese aus geflügelten Engelköpfen und stehenden Lilien, darunter hängender Fries aus Frucht- und Blattwerk. Auf der oberen Flanke reliefiertes Gießerwappen unter dem Namen, in der Mitte Blütenfries, auf dem Wolm Zierstege, auf dem äußeren Rand des Schlagrings Rosetten und abschließend ein weiterer Blütenfries. Der jeweilige Textbeginn wird durch eine weisende Hand angezeigt, Worttrenner fehlen. Der im Jahr 1909 vom Kirchenvorstand gefaßte Plan, die (gut erhaltene) Glocke „unter der Bedingung, daß die Inschrift von der alten auf die neue übertragen werde“2) umzugießen, gelangte offensichtlich nicht zur Ausführung.

Maße: H. ca. 65 (o. Kr.), Dm. ca. 82, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.486 - Bad Kreuznach-Planig, Evang. Pfarrkirche - 1616

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/2]

  1. +a) ADIVTORIVM NOSTRVMb) IN NOMINE DOMINI QVI FECIT CELVM ET TERRAM3) //INc) NAMEN IESV CHRISTE FLOS ICHMd) IOANNES BRENTELT IN MENTZ GOS MICHANNO 1616

Übersetzung:

Unsere Hilfe im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Versmaß: Knittelvers.

Wappen:
Johannes Brentelt (von den Initialen I B begleitete Glocke mit Joch, darauf vier Sterne).

Kommentar

Neben der aus dem Jahr 1579 ist dies die zweite (erhaltene) Glocke, die sich die lutherische Gemeinde Planigs mit dem auf Glocken sonst kaum nachweisbaren Bibelspruch4) anfertigen ließ. Trotz der vermeintlich eindeutigen Herkunftsbezeichnung handelt es sich bei Meister Brentelt5) um einen lothringischen Wandergießer6), der zwischen 1616 und 1618 sechs weitere Glocken im Rhein-Main-Gebiet goß; darunter eine (bis auf den fehlenden Bibelspruch) ganz ähnlich ausgeführte für St. Stephan7) in Mainz.

Textkritischer Apparat

  1. Kreuz auf Sockel, davor eine weisende Hand.
  2. N durchgehend spiegelverkehrt.
  3. Sic! Davor eine weisende Hand.
  4. Wohl mit M(EISTER) aufzulösen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 177 von 1492.
  2. Vgl. Jahresbericht der Denkmalpflege im Großherzogtum Hessen (1908-1911) II, Darmstadt 1912, 198.
  3. Ps. 124,8.
  4. Lediglich ein Nachweis bei Walter, Glockenkunde 431.
  5. Name u.a. auch in den Schreibweisen Brevtelt, Brutelt und Bertelt; vgl. Fritzen, Glockengießer I 89.
  6. Vgl. zu ihm K. Köster, Glocken und Glockenspiele von Lothringer Wandergießern in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Anmerkungen zu einer unveröffentlichten „Werkliste“ vom Jahre 1618, in: T. Breuer (Hg.), Lusus campanularum. Beiträge zur Glockenkunde. Sigrid Thurm zum 80. Geburtstag. München 1986, 49.
  7. Vgl. DI 2 (Mainz) Nr. 1447 mit Abb. und Nachzeichnung.

Nachweise

  1. Brilmayer, Rheinhessen 395.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 486 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0048608.