Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 483 Windesheim, Evang. Kirche 1615

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte für einen kurpfälzischen Schultheißen zu Windesheim (und seine Frau?). Sie wurde vermutlich während der Renovierung der 1517 erbauten spätgotischen Saalkirche1) in den Jahren 1966/67 freigelegt2) und als Begrenzung des Fußweges außen an der Nordseite der Kirche waagerecht zu einem Viertel in den Boden eingelassen, bisher unbeachtet. Platte aus gelblichem Sandstein mit zweifach umlaufender Inschrift (A) auf breiter Leiste, im vertieften Mittelfeld unter Wappen im Lorbeerkranz 15zeiliger Bibelspruch (B). Äußerst stark verwittert.

Maße: H. 165, B. 90 (erschlossen), Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.483 - Windesheim, Evang. Kirche - 1615

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/6]

  1. A

    ANNO · 1615 · DEN · [... / ..... / ..N]BACH · PFALTZa) · / SCHVLTESa) · ZV · WINDESHEIMb) · IM · 64 · IAHR · SEINESc) · ALTERSd) · VND · IM · 32 // IAHR · SEINES · D[... / .....] / MAINTZ · WONHAFT · / GEWESNe) · DENEN · GOTTf) · EIN · FRÖLICHg) · VFFERSTEHEN · VERLEIHE // AMEN

  2. B

    AM · C[APITEL ...] / ICH · WEIS · DAS / MEIN · ERLÖS[ER] / LEBTh) · DER · WV̈R[DE] / MICH · AVS · DER / E[RDEN] · WID[ER] / [AVF]ERWECK[EN] / [VND] · WER[DE] / [DA]RNA[CH MIT / DIESER MEI]NER · H[AVT] / VMGEBEN · W[ERDEN / VND] · WER[DE IN] / MEINEM · FL[EISCH] / GOTT · SEH[EN]3)

Wappen:
unkenntlich4).

Kommentar

Die Fürbitte weist darauf hin, daß die Grabinschrift für den Verstorbenen und seine Ehefrau abgefaßt war. Unter Berücksichtigung des fragmentarischen Wappens könnte man ihn mit Peter Moll5) identifizieren, der 1610 als Oberschultheiß und Amtsschreiber des kurpfälzischen Amtes Stromberg erwähnt wird. Da Kurpfalz lediglich ein Viertel6) an den Rechten des der Wild-und Rheingrafschaft angehörenden Ortes besaß, könnte der Verstorbene die Funktion eines kurpfälzischen Ortsschultheißen7) mitübernommen haben.

Textkritischer Apparat

  1. T dem L eingeschrieben. – Mögliche Ergänzung zu PFALTZ(GRÄVLICHER).
  2. Spiegelverkehrtes S, I dem E eingestellt.
  3. Spiegelverkehrtes S.
  4. T dem L eingestellt, spiegelverkehrtes S.
  5. Sic!
  6. Zweites T eingestellt.
  7. I dem L eingestellt.
  8. E dem L eingestellt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 250 von 1517.
  2. Vgl. Denkmalpflege 1965/67, 103 (Einbau eines neuen Fußbodens).
  3. Job 19,25.
  4. Links auf dem Wappenschild scheint ein P zu stehen, wohl als Anfangsbuchstabe des Vornamens des Verstorbenen.
  5. Vgl. Krebs, Dienerbücher 92.
  6. Vgl. dazu Seibrich, Entwicklung 79.
  7. Die Verquickung mehrerer Ämter ist nicht ungewöhnlich, vgl. Krebs, Dienerbücher 152ff.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

Verbesserte Lesung Inschrift (B) JO(B) AM CA[P(ITEL) 19].

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 483 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0048304.