Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 462 Disibodenberg, Disibodenberger Hof 1608

Beschreibung

Bauinschrift an einem Wirtschaftsgebäude links vom heutigen Hofeingang. Dreizeilig (zweite und dritte Zeile eingerückt) in einen etwa in 1,50 m Höhe in die Wand eingelassenen, querrechteckigen Quader aus gelbem Sandstein eingemeißelt. Die Schrift war ehemals mit einer weißen Masse ausgefüllt. Die rechte Hälfte des Steins beginnt zu verwittern.

Maße: H. 28, B. 165, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.462 - Disibodenberg, Disibodenberger Hof - 1608

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. GEORG(IUS) KESSLER BIPONTINUS, OECONOM(US) S(ANCTI)a) DISI · /PODI MONTE ET FUNDI VILLAEQ(UE) H(IC) EMPHYTEVTESb) · / FIRIc) FECI A(NN)Od) AERAE CHRISTIANAE 1608e) ·

Übersetzung:

Ich, Georg Kessler aus Zweibrücken, Schaffner zum Berge des heiligen Disibod und Erbpächter des Gutes und des Hofes dahier, habe dieses (Gebäude) errichten lassen im Jahr 1608 der christlichen Zeitrechnung.

Kommentar

Die ersten drei Wörter weisen stark erhöhte Versalien auf. Neben den zahlreichen Ligaturen und der ungewöhnlichen Datumsangabe ist der mehrmalige Wechsel von kapitalem und zweibogigem (eigentlich frühhumanistischem) E sowie die äußerst frühe Verwendung von rundem U in der Kapitalis bemerkenswert.

Nach der Aufhebung des Klosters durch Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken 15591), wurde ein sogenannter Schaffner eingesetzt, der den gesamten Besitz zu verwalten und die Einkünfte nach Zweibrücken abzuführen hatte2). Georg Kessler wird 1604 zum Klosterschaffner ernannt3), nimmt 1606 das bisher separat verliehene Hofgut selbst in eine befristete Pacht und beantragt deshalb eine Verlegung seines bisherigen Wohnsitzes vom Kloster auf den tiefer gelegenen Hof, „damit ich uff mein Knecht, Mägd und Hirten ... ein besser Uffsehens habe“. Dort errichtet er im Verlauf des Jahres 1608 das neue, in der Inschrift erwähnte Hofhaus, stirbt aber noch im gleichen Jahr. Seine Erben lösten das Pachtverhältnis auf.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung angezeigt durch ein kleines zweibogiges E, waagerecht mit Öffnung nach unten dem S überschrieben.
  2. Das eigentlich griechische, hier korrekt latinisierte Worte stammt aus der Sprache des römischen Rechts, wo sich ein eigener Abschnitt mit der Stellung des Erbpächters befaßt (vgl. Codex Iustinianus IV 66: „De iure emphyteutico“); freundlicher Hinweis von Dres. Luise und Klaus Hallof, Berlin.
  3. Sic! für fieri.
  4. o dem A überschrieben.
  5. Zahlen mit die Zeile füllenden Spatien.

Anmerkungen

  1. Vgl. Polke, Aufhebung 231f.
  2. Sie sollten dem Unterhalt der von Herzog Wolfgang gestifteten „Hohen Schule“ zu Hornbach dienen, vgl. dazu A. Neubauer, Die Schule zu Hornbach und ihre Entstehung. Zweibrücken 1909.
  3. Vgl. zum Folgenden Schworm, Disibodenberg 230f.

Nachweise

  1. Nikitsch, Entdeckung mit Abb. 13.
  2. Nikitsch, Quellen 223.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 462 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0046202.