Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 446 Oberhausen/Nahe, Evang. Kirche 1605

Beschreibung

Grabplatte des Blick-von-Lichtenbergischen Verwalters Sebastian Mayer. Sie wurde 1868 aus dem Schutt des Vorgängerbaus geborgen1) und innen in die Südwand der damals neu erbauten Kirche eingelassen. Große Platte aus weißgelbem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien; im oberen Mittelfeld neunzeiliges Grabgedicht (B), darunter in stabwerkgerahmter, mit kleinen Voluten versehener Tafel Bibelspruch (C) in sechs Zeilen. Die untere Leiste der Umschrift wird durch die Fußbodenplatte verdeckt, zudem ist die untere Hälfte der linken Leiste stark verwittert.

Maße: H. ca. 204, B. 84, Bu. 4,5-13 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr.446 - Oberhausen/Nahe, Evang. Kirche - 1605

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    Den 23 Mertz anno 1605a) / Ist in got selig entschlaffen Sebastian Mayerb) Burgerc) vnd Blickischer din/[er ..... seines] / alters 60 · Jar Warttendt einer Frolichen Auffersteheungd) ·

  2. B

    Der Todt kompt gewiß = / ohn alles Sorgen ·Die Stundt vnd orth Ist = / Vns verborgen ·Welches bezeug · Ich Bastian ·Der todt vff‘m weg mich griffe an ·In Bingen starb ich - ligt mein leibBegraben hie - Warth ewiger / freydt ·

  3. C

    Psalm 24 / Cap: / Die erde ist des herren / vnd was darinen ist · / der Erdtboden · vnd / waß Daruff Wohnet ·2)

Versmaß: Knittelverse.

Kommentar

Die etwas ungelenk gehauene, leicht gekünstelt wirkende Fraktur läßt bei einigen Buchstaben die individuelle Handschrift des lokalen Bildhauers erkennen: zweibogiges (!) großes und kleines p und zweibogiges rundes s mit gerader Haste.

Der im Jahr 1545 geborene Sebastian3) war einer der beiden überlebenden Söhne aus der einer Seuche erlegenen Familie des Duchroth-Oberhausener Pfarrers Bernhard May(er); er scheint im Duchrother Schloß der Blick von Lichtenberg4) Aufnahme gefunden zu haben und trat später als Wirtschaftsverwalter in deren Dienste. Wohl auf einer im Auftrag seiner damals in Duchroth residierenden Herrin Maria Salome Blick von Lichtenberg5) unternommenen Geschäftsreise ereilte ihn in Bingen der inschriftlich in Knittelversen thematisierte, plötzliche Tod. Maria Salome ließ den Leichnam auf den gemeinsamen Friedhof nach Oberhausen/Nahe überführen und dürfte auch für die Anfertigung der Grabplatte gesorgt haben.

Textkritischer Apparat

  1. Herzog überliefert fälschlich 1602.
  2. Ebd. May.
  3. Burger bis einschließlich einer fehlt bei Herzog.
  4. Sic!

Anmerkungen

  1. So Herzog, Kirchengemeinden 12. – Ansicht der gotischen Ruine bei E.Th. Engelmann, Kurze Geschichte und Beschreibung von Kreuznach und dem Nahethal. Als Wegweiser für Reisende und zur Kunde für Einheimische. Heidelberg 1831, nach S. 22 sowie bei Reininger, Stadt- und Ortsansichten 386.
  2. Ps. 24,1.
  3. Vgl. zum Folgenden Herzog, Kirchengemeinden 11f.
  4. Vgl. Nr. 610 aus dem 16./17.Jh.
  5. Vgl. Nr. 531 von vor 1635.

Nachweise

  1. Herzog, Duchroth 257 mit Umzeichnung 255.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 446 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0044600.