Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 423 Bad Kreuznach, Schloßparkmuseum 16.Jh.

Beschreibung

Spruchinschrift auf einem Fenstersturz (?) unbekannter Herkunft. Gegenwärtig noch im Magazin des ehemaligen Karl-Geib-Museums (Kreuzsstraße) in eine Kellerwand eingelassen1), bisher unbeachtet. Oberer, fragmentarischer Teil eines aus zwei sich durchdringenden Rundbögen gebildeten Renaissancefensters oder -portals mit Blüten in den Zwickeln, dabei ein Steinmetzzeichen (Nr. 38). Als schmückende Worttrenner dienen paragraphenförmig durchgezogene Quadrangeln. Mehrere Bruchstellen, linke Seite leicht verwittert.

Maße: H. 55, B. 170, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.423 - Bad Kreuznach, Schlossparkmuseum - 16.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. · INTRA · FORTV̈NAMa) · DEBETb) · QV̈[I]SQ(VE)a)c) · MANEREd) · SV̈A(M)a) ·

Übersetzung:

Jeder soll in seinem Glücke bleiben.

Kommentar

Die exzellent ausgeführte Schrift ist einerseits in für die frühe Kapitalis gebräuchlichen, fast gleichstrichig klaren Formen ausgeführt, zeigt vereinzelt mit dem Nodus an der Schräghaste des N auch entsprechende Zierformen, erzeugt aber andererseits ‘unklassische‘ Unruhe durch Ligaturen und differierende Buchstabengrößen.

Der so in der Literatur noch nicht nachgewiesene (wie ein Hexameter beginnende) Spruch2) stammt wohl aus einem der vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu erbauten Kreuznacher Burghäuser bzw. Adelshöfe.

Textkritischer Apparat

  1. V in kleiner Schreibweise, dazu zwei kleine Striche statt der sonst üblichen Punkte.
  2. Zweites E in kleiner Schreibweise.
  3. Zweites Q in kleiner Schreibweise.
  4. Die beiden letzten Buchstaben in kleiner Schreibweise; N mit Nodus.

Anmerkungen

  1. Der Stein soll demnächst ins neu eröffnete Schloßparkmuseum überführt werden.
  2. Vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon I, Stichwort ‘Glück‘. Sinngemäß geht er in die Richtung der in der 2. Hälfte des 17. Jh. erstmals aufgezeichneten Sprüche „Es soll sich jeder zu glück vnd vnglück schicken“ (vgl. ebd. Sp. 1745) bzw. neagtiv gewendet „Niemand soll sich seins glücks überheben“ (ebd. Sp. 1756).

Nachweise

  1. Steindenkmäler Nr. 116 (Foto).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 423 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0042302.