Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 420 Meisenheim, Schloßkirche 2.H.16.Jh.?

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph einer unbekannten Person. Zu einem nicht mehr feststellbaren Zeitpunkt im ersten Obergeschoß des südlichen Seitenschiffs an der Nordwand des Raums unter der sogenannten Fürstenloge aufgestellt, bisher unbeachtet. Obere, vermutlich für eine Zweitverwendung sauber zurechtgeschnittene Hälfte eines hochrechteckigen Grabdenkmals aus gelblichem Sandstein. Im erhaltenen Mittelfeld Rollwerktafel mit einem fragmentarischen, gereimten Grabspruch in 26 Zeilen, in den oberen Ecken Reste ehemaliger Wappen. Starke Abtretungsspuren an den Rändern wohl von einer späteren Verwendung als Bodenplatte. Als Worttrenner dienen Kommata.

Maße: H. 117 (frg.), B. 90 (frg.), Bu. 2,5-4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.420 - Meisenheim, Schlosskirche - 2.H.16.Jh.?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. MIT, FREVD, BIN, ICH, DAHIN, GEFAHREN,ALS, MEINE, AVGEN, GESEHEN, HABEN,RECHT, DEN, HEILAND, HER, VOSERa), BEREIT,GLEICHEN, EWIGEN, LICHT, DER, CHRISTENHEIT,AN, DES, RVHE, ICH, INN, DIESER, GRVNNFTb),RVEHIG, AVF, MEINS, HEILAND, ZVKVNFT,EWIGEN, FREVD, INN, GVTER, RVWE,THET, ICH, MEIN, AVGEN, ZVE,ALSO, LEGT, MICH, SCHLAFFEN, IN, MEIN, GRAB,FROLICH, MEIN, HEVLANDTc), ICH, GESEHEN, HABRECHT, SO, DVN, OB, VNZ, HAST, ZV, ENT,d)EIN, LICHT, DER, GANTZEN, CHRISTENHEIT,IST, ER, DAS, EWIG, LICHT, ALLEINLEVCHTEN, ZV, DEM, EWIGEN, SCHEINES, WIRD, ISRAEL, DROB, HABEN, HERLIKEITe)INN, EWIGEN, LOB, VND, SELIGKEIT,NOCH, IST, ER, DIE, WARHEIT, VND, DAS, LEBENZVGLEICH, AVFERSTEHVNG, WIL, ER, GEBENSO, AN, IN, GLEVBT, DER, LEBEN, WIRD,ZEITLICH, OB, ER, GLEICH, HIE, STIRBTHIE, LEBT, VND, GLEVBT, THVT, IM, DIE, EHR,WIRD, GEWISLICH, STERBEN, NIMMER, MEHR,AN, MEINEM, END, WAR, DIS, MEIN, TROST,RHVMLICH, LEBT, DER, MICH, HAT, ERLOST,ZV, DEM, ICH, IN, DER, NOT, VERTRAWT,ER, WIRD, MICH, WIDER, MIT, MEINER, HAVT,[.....]

Kommentar

Die Anfangsbuchstaben der jeweils ersten Zeilen der in holprigen Knittelversen verfaßten und mit atypischen Kommata versehenen Inschrift sind deutlich erhöht wiedergegeben. Trotz der gut gehauenen Kapitalis lassen die unverständlichen Passagen an einen Steinmetz denken, der den vorgegebenen Text nicht lesen konnte. Die vorgenommene Datierung richtet sich vor allem nach der verwendeten Schreibsprache, den Schriftformen und der Einführung der Reformation zu Beginn der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die ehemalige Wappenanordnung läßt auf das Begräbnis eines Adeligen schließen, die anklingenden Bibelstellen1) auf seine Zugehörigkeit zum Protestantismus.

Textkritischer Apparat

  1. Vermutlich verhauen für ERLOSER.
  2. Verhauen für GRVFT.
  3. Komma bereits nach D.
  4. Für die ganze Zeile: Sic!
  5. Sic!

Anmerkungen

  1. So etwa Zeile 26 nach Job 19,26.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

Die alternierend erhöhten Anfangsbuchstaben der Grabinschrift ergeben ein Akrostichon auf den Namen der im Jahr 1557 verstorbenen Margareta von Schwarzenberg MAGARETA FREILEIN ZV SZHWARZE[ENBERG] (!), deren Epitaph sich in der Meisenheimer Schloßkirche erhalten hat (vgl. Nr. 313). Demnach ist das Datum der Grabplatte in “1557” zu ändern. Zu Anm. d): Die Zeile hat vielleicht die Bedeutung “Recht so du ob uns hast gezündet (GE)ZVENT);” (freundliche Hinweise meines Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993).

Der Inschrift liegt offensichtlich der Lobgesang des Simeon (Lk 2, 29-32)zugrunde (Z. 1-3, 10, 12, 15), dazu Z. 17 (Joh 14,6) und Z. 18-22 (Joh 11,25f.) (vgl. Benrath, Rez. DI 34, S. 668).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 420 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0042008.