Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 399 Hennweiler, Evang. Pfarrkirche 1596

Beschreibung

Grabplatte des evangelischen Pfarrers Valerius Batholomae. Innen an der Südseite der Turmhalle (ehemaliger Chor der Vorgängerkirche) senkrecht an die Wand gestellt. Die Grabplatte wurde vor 1756 im Verlauf der Hennweiler Religionsstreitigkeiten „auf die Seite geschaft“ und durch die Grabplatte des damals bereits verstorbenen katholischen Pfarrers ersetzt1). Schmale Platte aus Kalkstein mit Umschrift zwischen Linien, die sich im Mittelfeld in sieben Zeilen fortsetzt; zwischen der 4. und 5. Zeile befindet sich das schwach reliefierte Wappen des Verstorbenen. Anschließend folgt ein Bibelspruch in drei Zeilen. Die vermutlich später nachgetragene Jahreszahl ist in die obere linke Schmalseite eingehauen. Der Stein befindet sich in einem schlechten Zustand, die Leisten sind großenteils verwittert und bemoost. Im oberen Drittel eine schräg verlaufende, geflickte Bruchstelle.

Maße: H. 174, B. 69, Bu. 3-5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.399 - Hennweiler, Evang. Pfarrkirche - 1596

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/2]

  1. AN[NO .... D]EN 17 · FEBRV/ARIIa) · STARB · DER · WIRDIG · VND · WOLGELERTE · [HER]· V[ALER]/IVSb) · BATOLOMAEc) · [PF]AR/HERa) · ZV · HENWEILER · NACH · DEM ER IM H(EILIGEN) · PRAEDIG · AMPT · REINERd) · // VNVERFELSCHTERe) / AVGSPVRGSHER CON/FESSION · GELEHRET / · 5 · IAR · ZV KELLENBACHf) // VND · 40 · IAR ZV HEN/WEILER DEM GOTT / GNAD IN EWIGKEIT / CHRISTVS IST MEIN / LEBEN STERBEN / IST MEIN GEWIN2) // 1596

Wappen:
Batholomae (Initialen V B über einer Lilie).

Kommentar

Erstaunlicherweise hat der wohl in hohem Alter Verstorbene trotz seiner angeblichen Tätigkeit als „Reformationspfarrer“ keine sonstigen biographisch verwertbaren Spuren hinterlassen. Die inschriftlich angegebene Dauer seiner Amtszeit kann so nicht stimmen, da in Kellenbach erst nach 1560 reformiert wurde3) und auch der Beginn seiner Tätigkeit in Hennweiler frühestens nach Auflösung des Stifts möglich war4). Da die Grabplatte 1756 im Mittelpunkt eines konfessionellen Streites stand, machen diese Ungereimtheiten mißtrauisch – eine denkbare, nachträgliche ‘Verbesserung‘ der angegeben Amtsjahre durch die Protestanten in dieser Zeit läßt sich allerdings am Stein nicht nachweisen.

Textkritischer Apparat

  1. Fehlt bei Kdm.
  2. Kdm. liest VLRICUS. – Erg. nach Schreiben.
  3. Schreiben überliefert BATHOME.
  4. Kdm. liest SEINER.
  5. Wortende verwittert; dort HT bzw. TE erforderlich.
  6. Wohl wegen Platzmangel ist das H dem C als Kleinbuchstabe eingeschrieben.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Schreiben 104 und 127 sowie Füllmann, Hennweiler 87ff. und ausführlich Nikitsch 382ff.
  2. Phi. 1,21.
  3. Vgl. Seibrich, Entwicklung 218.
  4. Die Reformation wurde 1560 durchgeführt, vgl. Ohlmann, Hennweiler Nr. 4 und Seibrich, Entwicklung 215.

Nachweise

  1. Schreiben 127 (mit Abb.).
  2. Kdm. 181.
  3. Nikitsch, Inschriftenüberlieferung 384.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 399 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0039907.