Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 392 Meisenheim, Schloßkirche (1592)/1593

Beschreibung

Epitaph des Sebastian Werner von Kellenbach und seiner Frau Waldtburg geb. Marschall von Waldeck zu Iben, in ca. drei Meter Höhe an der Wand des südlichen Seitenschiffs befestigt. Die aus farbig bemaltem Holz gefertigte, dreizonige Pilasterädikula trägt als Bekrönung eine große, von Hermen gestützte, fast vollrunde Kartusche mit den beiden Vollwappen der Verstorbenen, darunter ein Schriftband (A) mit den zugehörigen Wappenbeischriften und in der Mitte die Jahreszahl der Herstellung des Epitaphs. An der profilierten Giebelzone hängen noch zwei Täfelchen mit weiteren Wappenbeischriften, die zugehörigen Wappen fehlen1). Im Mittelteil befindet sich zwischen den mit Beschlagwerk und seitlichen Voluten verzierten Pilastern die eigentliche Hauptinschrift (B), die sich aus der zehnzeiligen Grabinschrift, einem nach unten hin zentrierten fünfzeiligen Bibelvers und dem von seinem Meisterzeichen (Nr. 33) begleiteten Monogramm des Künstlers zusammensetzt. Den Abschluß des gut erhaltenen Epitaphs bildet ein kleiner, mit einer einzelnen Rosette geschmückter Volutensockel. Zwei bzw. vier Ahnenwappen und zwei Kartuschen mit Wappenbeischriften fehlen. Das Denkmal wurde bis 1892 in einer separaten Kammer der Kirche aufbewahrt2).

Maße: H. 220, B. 105, Bu. ca. 3 cm.

Schriftart(en): Fraktur, erhaben; Kapitalis, erhaben (Bibelspruch).

DI 34, Nr.392 - Meisenheim, Schlosskirche - (1592)/1593

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/2]

  1. A

    Kellenbach 1593a) Waldeck

  2. B

    Nach Christi vnsers Erlöesers ge=/burt 1592b) Den 23 Maÿc) starb / Der Edel vnnd Erenuest Sebastian Werner / von Kelle(n)bach. vnd den 18 Juniid) A(nn)o 1592 / Die Edel vnd Tugentreche) fraw Waldtburg / von Kellenbach, geborne Marschälckin von / Waldeck genant von Ibenn sein Ehlich · / Hausfraw · Gott verleihe in vnd uns · / Allen ein Fredenreichee) aufferstehung · / AmenAN · DIE · RÖMER · AM · 14 · CAP(ITEL) · LEBEN · MIR · / SO · LEBEN · MIR · DEM · HERREN · STERBEN · / MIRf) · DEM · HERREN · DARVM · MIR · LEBEN · / ODER · STERBEN · SO · SINDT · MIR / DES · HERREN3) / HF4)

Wappen:
Kellenbach; Marschall von Waldeck zu Iben.

Kommentar

 
Wappen
[Kellenbach, Morsheim; Marschall von Waldeck zu Iben, Leyfried von Heppenheim]5).

 
Wappenbeischriften:
Leÿfart; Waldeck.

Die kunstvoll aus dem Holz geschnittenen Buchstaben sind bei (A) vor einem weißen Hintergrund schwarz gehalten, bei (B) vor einem schwarzen Hintergrund golden gefaßt. Die Identität des wohl einheimischen Meisters ist unbekannt.

Bei Sebastian Werner handelt es sich um den einzigen Sohn aus der zweiten Ehe des Simon von Kellenbach6) mit Katharina von Morsheim7). Der Verstorbene, Neffe des ebenfalls in der Schloßkirche begrabenen Gerhard Braun von Kellenbach8), war mit Waldtburg, Tochter des Philipp Melchior Marschall von Waldeck zu Iben und der Margaretha Leyfried von Heppenheim vermählt9). In erster Ehe war Waldtburg bereits mit Johann Ludwig von Morsheim, einem Angehörigen aus der Familie ihrer Schwiegermutter verheiratet gewesen. Die Ehe der beiden kurz hintereinander Verstorbenen blieb kinderlos. Die nur auf den ersten Blick verwirrend erscheinenden Verwandtschaftsverhältnisse geben einen guten Eindruck in das enge Beziehungsgeflecht der Adelsfamilien der Nordpfalz und des Naheraums.

Textkritischer Apparat

  1. Wickenburg überliefert 1539.
  2. Zahl mit weiten Spatien.
  3. Heintz liest fälschlich 23. Juny.
  4. Zweites i lang ausgezogen; Heintz liest fälschlich 13. Juny.
  5. Sic!
  6. Es fehlt das sinnstiftende SO STERBEN MIR.

Anmerkungen

  1. Die um 1750 flüchtig angefertigte, bei weitem nicht alle Einzelheiten wiedergebende Skizze bei Wickenburg zeigt erstaunlicherweise einen männlichen Torso als Bekrönung des lediglich in der Umrahmung angedeuteten Wappenaufsatzes, zieht dann als weitere Abweichung die beiden Ehewappen auseinander und plaziert sie an den Enden der Giebelzone. Des weiteren überliefert die Zeichnung zwei heute verlorene Ahnenwappen in der Sockelzone: unten links Morsheim (zwei Balken bzw. vier Fäden), rechts Leyfried von Heppenheim (zwei gekreuzte Lilienszepter). Vermutlich entspricht diese Anordnung der Wappen (bis auf die Bekrönung) dem ursprünglichen Zustand. Aufgrund diesem mit den verwandtschaftlichen Verhältnissen übereinstimmenden Befund steht die erhaltene Kartusche mit der Wappenbeischrift Leÿfart am falschen Platz und müßte nach rechts unten versetzt werden.
  2. Vgl. Heintz, Schloßkirche 253.
  3. Rö. 14,8 (leicht gekürzt).
  4. Folgt Meisterzeichen.
  5. Nach Helwich, Op. gen. IV fol. 326 und Wickenburg.
  6. Er erwarb den sogenannten Kellenbacher Hof in Meisenheim (vgl. Nr. 240 IV); vgl. zu seiner verlorenen Grabinschrift Helwich, Op. gen. IV fol. 326 und Heintz 271.
  7. Gegen Conrad, Steinkallenfelser Adel 2 (1962) „Mayrin von Wonsheim“ die Angabe bei Fröhlich/Zimmermann 64, bestätigt durch das bei Wickenburg überlieferte Wappen.
  8. Vgl. Nr. 384 von 1591. – Gerhard war zudem mit ihrer älteren Schwester Elisabeth verheiratet.
  9. Die Identifizierung des nur bei Wickenburg überlieferten Wappens bereitet einige Schwierigkeiten, da es Gruber, Wappenbilder 55 einem von Heppenberg zuschreibt. Helwich, Syntagma 240 und 399 weist es hingegen auf dem (verlorenen) Grabdenkmal des 1553 als „der letst ... seines geschlechts“ verstorbenen Simon Leifried von Heppenheim in Guntersblum (Krs. Alzey-Worms) nach.

Nachweise

  1. Wickenburg, Thesaurus Palatinus II 7 (Zeichnung).
  2. Heintz, Grabmäler Nr. 105.
  3. Heintz, Schloßkirche 263f.
  4. Kdm. 264.
  5. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 65.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 392 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0039207.