Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 379 St. Johannisberg, Evang. Kirche 1591

Beschreibung

Epitaph für das wild- und rheingräfliche Kind Johann Philipp. Das Grabdenkmal wurde anläßlich der Renovierung der Kirche 1909/10 von der Südostwand entfernt und hoch oben in die Westwand des Chors eingelassen1) (Plan Nr. 8). Mehrzonige Säulenädikula aus Tuffstein, die Schrifttafeln aus Schiefer. Bekleidet mit einem langem Kittel und einer gefältelten Halskrause steht der Verstorbene mit betend erhobenen Händen in einer flachen, mit geflügelten Engelsköpfen geschmückten Rundbogennische, die von zwei freistehenden, unten mit Engel-Reliefs versehenen Säulen eingerahmt wird. Auf dem Gebälk befindet sich der Bibelspruch (A), auf dem Gesims der Sockelzone der Bibelspruch (B). Den Abschluß bildet eine Rollwerkkartusche mit der sechszeiligen Inschrift (C). Ein ehemals wohl als Bekrönung angebrachtes Wappen fehlt.

Maße: H. 160, B. 100, Bu. 2,5 (Versalien 4,5) cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr. 379 - St. Johannisberg, Evang. Kirche - 1591

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/3]

  1. A

    Matth: XVIII · Der Vatter im Himel Will Nicht, / Das Jemand von dise Kleinen verloren Werde2)

  2. B

    Phil: 1 · Christus Ist mein Leben Sterben ist mein Gewinn3)

  3. C

    Anno · 1591 · den 19 Feb(ruarii) star[b] / Das woll Geborne Herrlein / Herrlein Joan Philipß Rein / Graue (etc)a) seines alters 2 Jar, / Weiner 6 Tag. Dessen selen / Gott gnadt

Kommentar

Der Frühverstorbene war der erste Sohn aus der Ehe des ebenfalls in der Stiftskirche begrabenen Wild- und Rheingrafen Adolf Heinrich (†1606) mit Juliana Gräfin von Nassau-Dillenburg4).

Aufgrund charakteristischer Architekturmotive und der auffälligen Übereinstimmung in der figürlichen Gestaltung des Verstorbenen mit den beiden Kindern an dem Epitaph für den Wild- und Rheingrafen Johann Christoph (†1586) dürfte die Arbeit dem Bildhauer Hans Trapp aus Simmern/ Hunsrück zuzuschreiben sein5).

Textkritischer Apparat

  1. Entsprechendes symbolisches Zeichen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 324 und Hensler 51.
  2. Mt. 18,14 (erster Teil paraphrasiert).
  3. Phi. 1,21.
  4. Vgl. Europ. Stammtafeln NF IV Taf. 104. Zwei weitere Kinder, Anna Maria und Adolf, erhielten 1599 ein gemeinsames Epitaph (Nr. 410) im Chor.
  5. Vgl. Strübing, Johann von Trarbach 86f., Kdm. sowie den Kommentar zu Nr. 367 (1586/87) mit Anm. 21.

Nachweise

  1. Schneider, Geschichte 255f.
  2. Rhein. Antiquarius II 19, 244.
  3. Kdm. 335f. mit Abb. 249.
  4. NN., Stiftskirche 110 (teilw.).
  5. Fröhlich/Zimmermann, Stiftskirche 12f.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 379 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0037901.