Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 370† Bad Kreuznach, Rheingräflicher Hof (1575)/1588?

Beschreibung

Bauinschrift des Wild- und Rheingrafen (zu Dhaun) Adolf Heinrich. Sie befand sich auf einem Wappenstein am ehemaligen Rheingräflichen Hof (und späteren Städtischen Hospital) in der Mühlenstraße, der im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde1). Aufnahmen aus der Zeit um 1900 und von einer später durchgeführten Renovierung2) zeigen eine fast quadratische Sandsteintafel über dem Portal eines fünfseitig vorspringenden Treppenturms3), an den sich ein dazugehöriger, Ende des 18. Jahrhunderts umgebauter, zweigeschossiger Flügelbau lehnt. Im Feld zwei reliefierte Vollwappen, darüber in einer hälftig geteilten Kartusche eine Schiefertafel mit vierzeiliger Inschrift über dem linken und vermutlich im 20. Jahrhundert neu aufgemalter oder unsachgemäß überarbeiteter Jahreszahl über dem rechten Wappen.

Nach Foto Schloßparkmuseum.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr.370 - Bad Kreuznach, Rheingräflicher Hof - 1575/1588?

 Schlossparkmuseum Bad Kreuznach [1/2]

  1. Adolff Heinrich wild / Vnd Reingraue Graue / zu Salm Vnd Herr zu Vinstingena) &b) // 1575.

Wappen:
Wild- und Rheingrafen (zu Dhaun); Nassau-Dillenburg.

Kommentar

Den auf der rechten Naheseite, außerhalb der eigentlichen ‘Altstadt‘ gelegenen Hof ließ Adolf Heinrich kurz nach der 1574 erfolgten Teilung der Wild- und Rheingrafschaft4) erbauen, obwohl seinem Bruder Johann Christoph5) die an Kreuznach grenzende Herrschaft Rheingrafenstein zugefallen war. Da jedoch die Eheverhandlungen mit dem Vater seiner späteren Frau Juliane von Nassau-Dillenburg nicht vor 1581 einsetzten und erst 1588 zum gewünschten Erfolg führten6), dürfte der Wappenstein erst zu diesem Zeitpunkt ausgeführt worden sein. Die Jahreszahl könnte dagegen zu irgendeinem Zeitpunkt als Erinnerung an die Erbauungszeit und als Ersatz für eine verlorene oder nicht ausgeführte Inschrift angebracht worden sein – üblicherweise stünde an dieser Stelle der Name der Ehefrau. Der rheingräfliche Hof diente von 1785 an bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1945 erst ganz, dann teilweise als städtisches Alten- und Pflegeheim, bzw. als Krankenhaus7).

Textkritischer Apparat

  1. Lehfeldt liest Vindstingen.
  2. Entsprechendes Kürzel für et.

Anmerkungen

  1. Vgl. Zimmermann. – Der Nachfolgebau wurde 1968 abgerissen und durch das heutige Krankenhaus Marienwörth ersetzt (Vgl. Ruser/Dellwing, Bad Kreuznach 170). Auf der Stelle des alten Hofes steht nun das (gegenwärtig leerstehende) Polizeigebäude.
  2. Schloßparkmuseum Bad Kreuznach, Fotosammlung; Gesamtansicht im LfD Mainz, Fotoarchiv (beide ohne Neg.-Nr).
  3. Im Inneren des Turms befanden sich Wandmalereien und an der Spindel vier verschiedene Steinmetzzeichen aus der Erbauungszeit, vgl. die Abb. bei Geib und Kdm.
  4. Vgl. Europ. Stammtafeln NF IV, Taf. 98 und 104.
  5. Vgl. sein repräsentatives Epitaph Nr. 367 von 1586/87 in St. Johannisberg.
  6. Vgl. den Kommentar zu seiner einfachen Grabplatte Nr.451 von 1606 in St. Johannisberg.
  7. Vgl. dazu ausführlich H. Otte, Vom Gesundheitswesen in Altkreuznach, in: KHbll. 3 (1986) 9f.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 307.
  2. Bad Kreuznach, Schloßparkmuseum, Fotosammlung (ohne Neg.Nr.).
  3. Geib, Hist. Topographie I 43.
  4. Kdm. 99.
  5. Zimmermann, Kunstwerke 1 (1964) 4 (erw.).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 370† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0037007.