Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 363 Hennweiler, Evang. Pfarrkirche 1586

Beschreibung

Grabplatte des Friedrich von Lewenstein. Sie ist links neben dem heutigen Eingang zur Turmhalle (ehemaliger Chor der Vorgängerkirche) innen in die Wand eingelassen. Schmale, zweizonige Platte aus Kalkstein, im vertieften Mittelfeld oben ein reliefiertes Vollwappen umgeben von einem ovalen Rahmen aus Beschlagwerk, darunter zwischen vorgeritzten Linien neunzeilige Inschrift in einer Rollwerktafel.

Maße: H. 190, B. 87, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.363 - Hennweiler, Evang. Pfarrkirche - 1586

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/1]

  1. ANNO · 1 · 5 · 8 · 6 · DEN · 24 · / SEPTEMBRIS · IST · DER · / EDEL · VND · VEST · FRIDERICH · / VON · LEWENSTEIN · IM · / HERREN · SELIGLICHEN · ENT/SCHLOFFEN · DEM · GOTT · / GNAT · SEINES · ALTERS · / VNGE · FERLICH · 80a) · IAR · / HOMO · BVLAb)

Übersetzung:

Der Mensch – eine (Seifen)blase!

Wappen:
Lewenstein (zu Steinkallenfels).

Kommentar

Die etwas ungelenk gehauene Kapitalis mit ihren zeittypischen Formen (A mit gebrochenem Balken, H mit Nodus am Mittelbalken, I mit Punkt) erweckt trotz der eindeutigen Worttrenner den Eindruck, in scriptura continua abgefaßt worden zu sein. Die ansonsten sorgfältig ausgeführte Arbeit dürfte vermutlich dem in Simmern tätigen Bildhauer Hans Trapp zuzuschreiben sein1).

Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen Nachkommen des Johann von Lewenstein (vermutlich aus der Bliescasteler Linie des aus der Nordpfalz stammenden Geschlechts)2), der zwischen 1410 und 1420 durch Einheirat in den Besitz eines Viertels der Burg Wartenstein kam3). Um 1462 scheinen die Lewensteiner diesen Anteil verkauft und sich auf ihren Besitz im Areal der benachbarten Ganerbenburg Steinkallenfels zurückgezogen zu haben, wo sie ein festes Haus, den sogenannten Lewensteiner Hof bewohnten4). Mit Hans Bernhard, dem einzigen Sohn des mehrmals als Baumeister (verantwortlicher Vertreter der Ganerbengemeinschaft) auf Steinkallenfels erwähnten Friedrich von Lewenstein starb diese Linie aus. Durch die Heirat seiner ebenfalls einzigen Tochter Sabine mit Johann Ballwin gelangte der Lewensteiner Besitz an die Ballwin von Zweibrücken5).

Das bereits in der antiken Literatur nachweisbare6), auf mittelalterlichen Grabdenkmälern nur vereinzelt vorkommende7), bildkräftige Schlußwort will den Betrachter trotz oder gerade wegen des erreichten hohen Alters des Verstorbenen als „memento mori“ an die Kurzlebigkeit und Vergänglichkeit seiner Existenz erinnern.

Textkritischer Apparat

  1. Über der Zahl ein (unnötiger) Siculus.
  2. Eigentlich BULLA; vgl. den Nachweis bei Henning, Nachtrag, in: Hbl. Kirn 7 (1927) Nr. 5.

Anmerkungen

  1. So Kdm. – Vgl. zu weiteren Arbeiten dieses Meisters Nr. 367 von 1586/87 mit Anm. 21.
  2. Vgl. Möller, Stammtafeln AF I Taf. XXX. – Stammsitz des weitverzweigten Geschlechts war die namensgebende Burg Lewenstein (heute Ruine; Gem. Niedermoschel, Donnersbergkreis).
  3. Vgl. Ohlmann, Wartenstein 17 (1937) Nr. 11.
  4. Zu dieser, genealogisch bisher nicht erfaßten Linie Lewenstein zu Steinkallenfels gehören die zwischen 1451 und 1507 mehrfach genannten Frank, Emmerich, Wilhelm, Simon, Conrad, Wolf, Samson und Johann Brenner von Lewenstein; vgl. die Nachweise bei Ohlmann, Steinkallenfelser Kopialbuch Nr. 5, 16, 19, 25, 69, 78, 98 und 100 sowie ders., Ganerbenburg 16f.
  5. Vgl. die Genealogie bei M. Ohlmann, Wie Philipp Wolf von Kellenbach zu Steinkallenfels erschossen wurde (11. Juni 1641), in: Hbl. Kirn 21 (1941) Nrr. 6-8.
  6. Varro, De re rustica 1,1,1 und Petronius, Satyrica 42,4.
  7. Vgl. DI 27 (Würzburg) Nr. 421 („Vita nostra bulla est“) und DI 29 (Worms) Nr. 530.

Nachweise

  1. Schneider, Martinstein 31 Anm. 10.
  2. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 296.
  3. Ohlmann, Hennweiler Nr. 6. -Kdm. 181.
  4. Ziemer, Hennweiler mit Abb. S. 82.
  5. Vogt, Kirn-Land mit Abb. S. 213.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 363 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0036304.