Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 360 Meisenheim, Schloßkirche 1585

Beschreibung

Grabplatte des Anton Boos von Waldeck (zu Montfort). Ursprünglich im Boden der Kirche „ante choru(m) a dextris“1), jetzt senkrecht an der Westwand der südlichen Seitenkapelle befestigt; aufgefunden im Jahre 1896 unter dem Kirchengestühl in der Nähe des heutigen Standortes2). Große Platte aus graugelbem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien, im Mittelfeld zwischen je zwei reliefierten, mit großen Initialen versehenen Ahnenwappen erhaben gearbeitete Tafel mit einem nach unten hin zentrierten Bibelspruch (B) in elf Zeilen. Das linke und rechte untere Eck fehlt, die rechte obere Ecke ist geflickt. Die Schrift war einst mit einer noch in Spuren vorhandenen rotschwarzen Masse ausgefüllt.

Maße: H. 197, B. 98, Bu. 6 (A), 3,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.360 - Meisenheim, Schlosskirche - 1585

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. A

    ANNO DOMINI · 1 · 5 · 8 · 5 · DEN · 13 · / FEBRVARIa) · STARB · DER · EDEL · VND · VESTE · AN[THON BOOS / VON W]ALDEK · WELCHES S[EL] / GOT GNEDIG · V(N)D EI(N) FRÖLICH · AVFFERSTHEVNG V(ER)LEIE(N) WÖL

  2. B

    IOHA(NNIS) 3b) / ALSO HAT GOTTc) DER HERRE · / DIE WELT · GELIBETd) · DAS ER INe) / SEIINENf) · EINGEBORNEN SOH(N) / GAB · AVF DAS · ALLE DIE AN / IHN GLAVBEN · NICHT VER=/LOHREN WERDEN · SON=/DER DAS EWIG LEBEN / HABENN: AL MEIN / HOFFNVNGg) ZV / GOTT3)

Wappen:
Boos von Waldeck, Boos von Waldeck; Boos von Waldeck, Cratz von Scharfenstein.

Kommentar

 
Wappenbeischriften4):
A(NTON) · B(OOS) · V(ON) · W(ALDECK), E(LISABETH) · B(OOSIN) · G(EBORNE) · B(OOSIN) · V(ON) · W(ALDECK); · S(IMON) · B(OOS) · V(ON) · W(ALDECK), · M(ARGARETHA) · K(ATHARINA)h) · G(EBORNE) · K(RATZIN) · V(ON) · S(CHARFENSTEIN) ·

Die feinstrichige, teilweise unbeholfen wirkende Kapitalis der Umschrift mit ihren schlanken, schmucklosen Buchstaben5) ist in scriptura continua abgefaßt, die als kleine Rauten gestalteten Worttrenner scheinen zur besseren Lesbarkeit des Textes nachträglich eingefügt worden zu sein. Dies und die offensichtlichen Fehler der zweiten Inschrift lassen auf einen ungeübten, vielleicht leseunkundigen Steinmetz schließen. Ungewöhnlich ist ferner die Anordnung der Wappen: Da es sich um die Grabplatte einer adeligen männlichen Person handelt6), würde man eigentlich (vom Betrachter aus gesehen) links oben das Wappen des Verstorbenen selbst und rechts oben das seiner Mutter erwarten – da er jedoch verheiratet war, befinden sich an diesem Platz die sich (aus heraldischer Courtoisie) zuneigenden Wappen des Verstorbenen und seiner Ehefrau. Demzufolge sollte dann aber links unten das Wappen seiner Mutter (nicht seines Vaters) erscheinen und rechts das seiner Schwiegermutter (nicht seiner eigenen Mutter).

Anton war eines der zahlreichen Kinder7) aus der zweiten Ehe des kurfürstlich trierischen und kurpfälzischen Amtmannes und Ritters Simon II. Boos von Waldeck mit Margaretha Katharina Cratz von Scharfenstein. Am 24. Oktober 1565 heiratete er Elisabeth8), die zweite Tochter der entfernt verwandten, zur Linie der sogenannten Schwarz-Boos gehörenden Eheleute Balthasar Boos von Waldeck (zu Kobern) und Anna von Kettig. Anton bekam nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1561 den am Fuß der Burgruine Montfort9) gelegenen Montforter Hof (bei Durchroth) zugesprochen, den er zusammen mit seiner Frau landwirtschaftlich nutzte. Durch mehrere Zukäufe und Tauschgeschäfte arrondierte er seinen Besitz. Im Jahr 1577 wurde er wegen ständigen Waldfrevels in den Gemarkungen der Gemeinden Obermoschel und Duchroth vor das Hofgericht Herzog Johanns I. von Pfalz-Zweibrücken bestellt und gemaßregelt. Den Hof erbte sein ebenfalls in der Schloßkirche begrabener Sohn Johann Philipp10). Anton erhielt zusätzlich zu seiner Grabplatte einen beschrifteten Totenschild, der sich ebenfalls in der Schloßkirche befindet11).

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Zentriert in deutlich kleineren Buchstaben.
  3. Zweites T ohne Deckstrich, wohl verhauen.
  4. Das Folgende fehlt bei Kdm.
  5. N aus einem bereits schwach eingehauenem E korrigiert.
  6. Sic!
  7. Erstes F aus einem bereits eingehauenem E korrigiert.
  8. Pies versieht den Namen mit einem Fragezeichen und löst die folgende Kürzung fälschlich mitG(ERTRUDE?) auf.

Anmerkungen

  1. So Helwich, Op. gen. I fol. 268.
  2. So Heintz.
  3. Joh. 3,16. – Der durch den Doppelpunkt abgesetzte Spruch gehört nicht zu der Bibelstelle; es könnte sich hierbei um die Devise des Verstorbenen handeln.
  4. In diesem speziellen Fall werden die Wappenbeischriften von links nach rechts aufgeführt; vgl. den Textkommentar.
  5. Einzige Zier sind sind die mit Nodi versehenen Balken beim H.
  6. Heintz geht aufgrund der Wappenkonstellation von der dem Befund gerade entgegengesetzten These aus, daß die Grabplatte für das Ehepaar bestimmt war.
  7. Vgl. zum Folgenden Anthes 15ff.
  8. Sie starb am 2. Februar 1601 im Alter von 62 Jahren und wurde ebenfalls in der Schloßkirche neben ihrem Gatten beigesetzt. Ihr mit vier Ahnenwappen (Boos von Waldeck, Rüdesheim; Kettig, Selbach gen. Loe) versehenes Grabdenkmal war 1776 noch fragmentarisch erhalten; vgl. Helwich, Op. gen. I fol. 268 und Heintz, Schloßkirche 272.
  9. Die Boos von Waldeck hatten die im Jahr 1456 zerstörte Burg bereits seit 1480 als pfalz-zweibrückisches Lehen inne; vgl. dazu Nr. 222 von 1502 und zum Folgenden ausführlich Herzog, Duchroth 200ff.
  10. Vgl. Nr. 522 von 1632.
  11. Vgl. folgende Nr. 361.

Nachweise

  1. Heintz, Schloßkirche 255f.
  2. Kdm. 263.
  3. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 67 (A).
  4. Drescher, Schloßkirche 35.
  5. Pies, Waldeck 230f.
  6. Anthes, Boos von Waldeck 29.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 360 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0036000.