Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 333† Sobernheim, Priorhof 1572-1589

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Bauinschrift und zwei Jahreszahlen am Priorhof. Teilweise noch um 1935 vorhanden, verschwanden letztere wohl erst nach der 1978-82 erfolgten durchgreifenden Renovierung1). An einer unbekannten Stelle („aedificio adposita“) des aus Bruchsteinen errichteten, dreigeschossigen Giebelbaus eine achtzeilige Versinschrift (A), noch 1732 kopial überliefert. Links neben dem jüngst rekonstruierten Renaissanceportal der Südseite war noch 1935 ein verstümmeltes Wappen mit Jahreszahl (B) zu sehen2), heute nur noch als völlig verwittertes Fragment vorhanden. An dem 1935 noch vorhandenen Ziehbrunnen im Hof des Anwesens war die Jahreszahl (C) eingehauen. Aussehen und Ausführung aller Inschriften unbekannt.

Nach Fuchs (A) und Kdm. (B, C).

  1. A

    SEPTEM CVM DENIS ANNIS, NVMMERVMa) PVTO PARVUM,EXIERANT, MEA CVM VISCERA FLAMMA RAPIT.POST SED IOHANNES SEXTO ME SCHNECKIVS ANNOEMIT IN TANTAM FECIT ABIRE DOMVM.SECHTZIG SIEBEN DER MINDER ZAHLBRANDT DIESER HOEFF GANTZ VBERAHL,SECHS IAHR DARNACH HAT MICH BEREITTIOHANN SCHNECK MIT SOLCHER HERRLICHKEIT.

  2. B

    1572

  3. C

    1589

Übersetzung:

Als siebzig Jahre, die ich als die mindere Zahl rechne, vergangen waren, verzehrte die Flamme mein Inneres. Aber danach hat mich Johannes Schneck im sechsten Jahr gekauft und mich zu einem so großen Haus verwandelt.

Versmaß: Zwei Distichen; Knittelverse.

Kommentar

Die ersten vier Zeilen der lateinischen Inschrift sind in zwei Distichen gehalten, die durch die beiden folgenden Knittelverse zumindest sinngemäß in deutscher Sprache wiedergegeben werden. Allerdings wird das Jahr des Unglücks unterschiedlich überliefert. Die Datierung nach der Minderzahl, bei der nur die Zehner und Einer angegeben werden, ist eine Eigenart des 16. Jahrhunderts.

Die Bauinschrift berichtet von einem 1567 bzw. 1570 völlig abgebrannten Vorgängerbau, bei dem es sich um den mittelalterlichen Wirtschaftshof des nahegelegenen Wilhemitenklosters Marienpfort3) gehandelt hat – daher der Name des stattlichen Anwesens. Bei dem Erbauer des heute noch im Kern erhaltenen, mit hohen Giebeln, Treppenturm und Standerker ausgestatteten Priorhofes, handelt es sich um den 1592 verstorbenen Johann Schneck, der dreizehn Jahre lang Schultheiß in Sobernheim war. Das 1572 angebrachte Wappen dürfte sein eigenes gewesen sein, wie es auf seinem erhaltenen Epitaph zu sehen ist4). Neben der Erweiterung des Anwesens durch einen Brunnen wurde 1609 an der Westseite ein mit Inschriften versehener Dreieckerker5) angefügt.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Caspary, Denkmalpflege 172f. mit Plänen im Anhang.
  2. Dem dürfte das von Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 333 erwähnte zerschlagene Wappen mit Jahreszahl 1572 entsprochen haben.
  3. Vgl. Kdm. 410f. und die zahlreichen Einträge im Register.
  4. Vgl. Nr. 385 von 1592 in der evang. Pfarrkirche.
  5. Vgl. Nr. 464 von 1609.

Nachweise

  1. Fuchs, Oratio 9 Anm. ++ (A).
  2. Andreae, Crucenacum Palatinum 57 (A).
  3. LHAK 700, 30 Nr. 749 (Umschlag Sobernheim), Abschrift um 1850.
  4. Rhein. Antiquarius II 18, 109.
  5. Kdm. 371.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

Die richtige Übersetzung lautet:

"Siebzehn Jahre, die ich als die Minderzahl rechne, waren vergangen, als die Flamme mein Inneres verzehrte". Da XVII hier als Minderzahl von MDL XVII gerechnet wird, ist der Kommentar wie folgt zu ändern:

Streiche: "Allerdings ... überliefert."

Streiche "bzw. 1570".

(freundliche Hinweise meines Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 333† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0033303.