Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 331 Kirn, Evang. Pfarrkirche 1571

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph für die wild- und rheingräflichen Kinder Hans Jakob und Georg Philipp. Ursprünglich rechts hinter dem ehemaligen Hochaltar an der rückwärtigen Chorwand befestigt1), wurde es anläßlich der Renovierung der Kirche 1890/94 am heutigen Platz in etwa drei Meter Höhe in die Südwand des Chors eingelassen2). Das wohl aus Tuffstein gefertigte, farbig gefaßte Wanddenkmal ist vierzonig aufgebaut: Als Bekrönung dient ein Rundmedaillon mit dem väterlichen Vollwappen, darunter befindet sich eine Rollwerktafel mit dem fünfzeiligen Bibelspruch (A). Ein weiterer (B) findet sich in einer Zeile auf der Gebälkzone. Im Mittelteil stehen die beiden Kinder in langen verzierten Kitteln mit gefalteten Händen unter zwei auf Pilastern ruhenden Blendbögen. Die beiden seitlich vorgesetzten, mit Todessymbolen verzierten Pfeiler tragen je zwei Ahnenwappen. Den Sockel des Denkmals bildet eine große, von Voluten flankierte Rollwerktafel mit der in vier Segmente gegliederten Inschrift (C1-C4).

Maße: H. ca. 200, B. ca. 150 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr. 331 - Kirn, Evang. Pfarrkirche - 1571

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/2]

  1. A

    Lasset die Kindlein zu mir kom(m)en vnd wehret / Ihnen nicht, Den solcher ist das Reich Gottes. / Warlich ich sage euch, wer das reich gottes nicht / empfehet als ein kindlei(n), der wirdt nicht hinein / kome(n). Vnd er hertzet vnd segnet sie. Mar. X3).

  2. B

    Wer ein solches Kindt aufnimpt in meine(m) name(n), der ni(m)pt mich auff. Matt. 184).

  3. C1

    Der Wolgebornen Hern, Hern Otto, Wildt vnd Rheingraue, Graue zu Salm, vnnd / frawen Otilia, Wildt vnd Rheingrauin, Grauin zu Salm, / vnd Frawen zu Vinstingen, Geborne Grauin zu Nassaw, zu Sarbrucken, vnd zu / Sarwerden, Eheliche geborne Junge Herlein, seindt Im Hernn / seligklich endtschlaffen, wie hernach volget.

  4. C2

    Anno d(omi)ni · 1571 · den · 2 · Martii, / verschiedt das Wolgeborn Herleinn, / Hanß Jacob, Wildt vnd Rheingraf & / Seines alters · 2 · Jhar 5 · Monat · 2 · tag.

  5. C3

    Anno Christi · 1571 · den · 15 · Martii, endt=/schlieff im Hern, das Wolgeborn Herleinn, / Georg Philips, Wildt vnd Rheingraf & / Seines alters · 6 · Monat · vnd · 22 · tage

  6. C4

    Alhie erwartendt der frolichen aufferstehung, vnd zukunfft des hern.

Wappen:
Wild- und Rheingrafen, Wild- und Rheingrafen, Hohenlohe-Waldenburg; Nassau-Weilburg, Salm5).

Kommentar

Die auf braunem Grund golden gefaßte Fraktur zeigt in (A) und (C) von der schreibschriftlichen Kursive beeinflußte, zum Teil mit üppigen Schnörkeln versehene Buchstabenformen.

Die verstorbenen Kleinkinder entstammen der seit 1553 durch ihren Vater Otto I. wieder vereinigten Kyrburger Linie der Wild- und Rheingrafen6), dem einzigen überlebenden Sohn aus der Ehe Johanns VII. mit der ebenfalls in der Kirner Kirche begrabenen Gräfin Anna von Hohenlohe-Waldenburg7). Mit seiner Ehefrau Ottilia Gräfin von Nassau-Weilburg, hatte Otto I. insgesamt sieben Töchter und sechs Söhne, von denen lediglich die beiden hier Begrabenen früh verstarben.

Wie im Falle des späteren Kinderepitaphs von St.Johannisberg8) rechnet man den unbekannten Meister dieser Arbeit der Werkstatt des Trierer Bildhauers Johann von Trarbach zu, einige Indizien scheinen zudem für die Hand seines Schülers Hans Ruprecht Hoffmann zu sprechen9).

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm. 193 mit Abb. 137, die den Zustand vor der Renovierung zeigt.
  2. Vgl. Clemen, Restauration 28.
  3. Mk. 10,14.
  4. Mt. 18,5.
  5. Wohl fälschlich für Isenburg-Büdingen.
  6. Vgl. Europ. Stammtafeln NF IV Taf. 105.
  7. Vgl. ihr monumentales Epitaph Nr. 394 von 1594.
  8. Vgl. Nr. 410 von 1599.
  9. Vgl. Strübing, Johann von Trarbach 108f. und Zimmermann, Nahegebiet 32.

Nachweise

  1. Schneider, Geschichte 231 (teilw.).
  2. Rhein. Antiquarius II 19, 86 (teilw.).
  3. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 301 (teilw.).
  4. Kdm. 198 mit Abb. 140.
  5. Peitz, Kirche 19.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

In der Wappenzeile ist “Nassau-Weilburg” zu streichen und durch “Wild- und Rheingrafen” zu ersetzen. – Somit sind auf dem Epitaph nur die väterlichen Ahnenwappen bis in die vierte Generation angebracht (freundlicher Hinweis meines Heidelberger Kollegen Dr. Harald Drös, Brief vom 14. November 1993).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 331 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0033107.