Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 320(†) Weinsheim 1565-1597

Beschreibung

Jahreszahlen zum Teil mit Initialen, Wappen und Steinmetzzeichen an verschiedenen Häusern im Bereich des alten Ortskerns, teilweise als Spolien verwendet.

I. Jahreszahl an einem mit Satteldach versehenen, 1937/38 vollständig abgebrochenen Bruchsteinbau1) (ehemaliges Haus Nr. 127), nicht mehr aufgefunden.

Nach Kdm.

DI 34, Nr.320 - Weinsheim, Backesgasse 2 (ehem. Rathaus) - 1576

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/5]

  1. 1565

II. Jahreszahlen mit unterschiedlichen Steinmetzzeichen am ehemaligen Rathaus (Backesgasse 2); einmal im Sturz eines Zwillingsfensters zur Backesgasse (A, mit Stmz. Nr. 16), dann auf einem schwarzumrandeten Werkstein in der giebelständigen Hausseite zur Kirchgasse (B, mit Stmz. Nr. 17), schließlich im Sturz eines Zwillingsfensters der Südseite (C, mit Stmz. Nr. 18). Das Rathaus wurde in den Jahren 1981/82 und 1985/86 renoviert2), die Ziffern und Steinmetzzeichen dabei schwarz nachgezogen.

  1. A

    15 76a)

  2. B

    1576

  3. C

    15 76

III. Jahreszahl auf einem wohl als Spolie verwendeten Werkstein in der straßenseitigen Wand des Hauses Kreuznacher Str. 25; Sandstein, weiß überstrichen, Ziffern schwarz nachgezogen.

Maße: H. 19, B. 46, Z. 7 cm.

  1. 1586

IV. Jahreszahl auf einem längsrechteckigen, mit profiliertem Rand versehenen Werkstein aus gelblichem Sandstein, neben dem großen Tor des Hauses Kirchgasse 5 als Spolie eingebaut; stammt wohl aus der benachbarten, „am Bach“ gelegenen, mit Fachwerk ausgestatteten „schöne(n) Hofanlage“3), über deren Tor ein Schild mit Hausmarke und der gleichen Jahreszahl angebracht war.

Maße: H. 22, B. 114, Z. 8,5 cm.

  1. · 1 · 5 · 9 · 6

V. Initialen mit Jahreszahl, Wappen und Steinmetzzeichen (Nr. 36) auf dem Türsturz des ehemaligen Gemeindebackhauses (Backesgasse 2), jüngst (wie II.) renoviert und rot gefaßt. Reich profilierter Sturz aus gelbem Sandstein mit Blüten in den Zwickeln, auf der Stirn das halbplastisch gearbeitete Ortswappen umgeben von der Jahreszahl, dem Steinmetzzeichen und einem Spitz- und Paarweck, darüber die Initialen.

Maße: H. 42 (Türsturz), B. 172, Bu. 6,5, Z. 8-11 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. M H 15 97 N H

 
Wappen:
Weinsheim (über einer Schrotleiter4) Weinrebe mit zwei Trauben, darunter ein erhaben ausgeführtes W).

Schon die erhaltenen Jahreszahlen zeugen von der Bedeutung und dem Wohlstand des ehemals sponheimischen und später kurpfälzisch-badischen Dorfes5), in dem sich verschiedene Freihöfe und -güter zahlreicher Adeliger befanden.

Textkritischer Apparat

  1. Kdm. überliefert irrtümlich 1670.

Anmerkungen

  1. Vgl. FS 1972, 29.
  2. Vgl. dazu ausführlich FS 1986.
  3. (Kirchgasse 1) Kdm. 429.
  4. Die in der Regel verwendete Bezeichnung „Weinleiter“ (vgl. etwa DI 16, Rhein-Neckarkreis II, Nr. 10 u.ö.) für dieses historische, zum Transport von Weinfässern dienende Handwerksgerät ist mißverständlich; freundlicher Hinweis von Prof. Dr. F.K. Azzola, Trebur, mit Verweis auf K. Ossendorf, Schröter – Weinlader – Weinrufer. Erinnerungen an ausgestorbene Weinhandelsberufe (Schriften zur Weingeschichte 62). Wiesbaden 1982.
  5. Vgl. Kdm. 427f. und Seibrich, Entwicklung 103ff.

Nachweise

  1. Kdm. 428f. (I, IV, V).
  2. FS 1200 Jahre Weinsheim. Bad Kreuznach 1972, 27 (V) (Abb.).
  3. Dehio Rheinland-Pfalz 1120 (II, V).
  4. Unser Rathaus, unser Backes. FS zur Einweihung der beiden historischen Gebäude nach der Renovierung im Jahre 1986. Staudernheim 1986 (mehrfache Abb. II und V).
  5. Lipps, Entdeckungsreisen 262 (V).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 320(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0032002.