Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 313 Meisenheim, Schloßkirche 1557

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Epitaph für das Freifräulein Margarethe von Schwarzenberg, befestigt an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs. Hochrechteckige, farbig gefaßte Holztafel mit profiliertem, oben dachartig überstehendem Rahmen, darin innen die gemalte Inschrift (A). Das gesamte Mittelfeld ist ebenfalls gemalt und zeigt eine ovale, von einem Perlstab begleitete Rollwerkkartusche mit 26zeiliger Inschrift (B), wobei die oberen und unteren Zwickel von je einem mit Blüte, Fruchtgehänge und Weintrauben flankiertem Ahnenwappen gefüllt werden. Abgesehen von Holzwürmerbefall und einigen senkrecht verlaufenden Rissen befindet sich das Epitaph in einem guten Zustand, der wohl auf die bis 1892 andauernde Verwahrung in einer geschlossenen Kammer der Kirche zurückzuführen ist1).

Maße: H. 125, B. 68, Bu. 2-4 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 34, Nr.313 - Meisenheim, Schloßkirche - 1557

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    d(er) Christlich abscheidt frewli(n) Margrethe(n) vo(n) Schwartze(n)burg

  2. B

    Mitwochs / den 13 tag Octobris Nach Chr=/isti geburt vnsers liebe(n) herre(n) vn(d) heilandts / · 1 · 5 · 5 7 · Ist d(as) wolgeborne frewli(n) Margareta freÿin / zu schwarze(n)burg In rechter warer bekantnus vnd / Anruffung des suns gottes vnsers liebe(n) herre(n) vnd getre=/we(n) seligmachers vnsers herre(n) Jesu christi Vngeuerlich ein / virteil stundt vor acht vhren nach mittag Als sie Zuuor sambs=/tags de(n) · 9 · tag ernents Monats vor de(n) hoffprediger Zu Meise(n)heim / vnd ander vil mer christliche(n) perschone(n) Ire bekantdnus des glaubens / gethon vnd darauff mit grosse begirde(n) vnd andacht das hochwirdig / Sacrament des leibs vnd bluts Christi enfangen auch die gantze ze=/it Irer schwacheit das creutz ir von gott auff gelegt mit grosser / gedult willigklich gedragen vnd gott den herre(n) offtmals vmb ei(n) / seligs stundlin vnd gnedige(n) abschidt von diser welt vnerschrocke(n) / gebetten Gantz sanfft vnd still gleich eine(r) schlaffenden In dem / herre(n) Christo auß dem Jamertal vngezweiffelter hoffnung / In die ewig freudt vnd seligkeit verscheiden vnd volgens / den 15 Octobris In die pfarkirchen zu Meisenheim / Ehrlich begraben vnd zum erdtrich bestatt worden / Ir alter ist 19 Jar 〈..〉 monat 〈..〉 tag Der / Almechtig Gott woll ir vnd vns / Allen miteinander vmb seines / sons Jesu Christi willen / ein fröelich Aufferstehung / verleihenn

Wappen:
Schwarzenberg (siebenmal schräglinks geteilt), Grafen von Castell; Guttenberg (Rose), von der Thann (nach rechts gekrümmte Forelle).

Kommentar

Die elegant gemalten Buchstaben zeigen neben den für die entwickelte Fraktur charakteristischen verschnörkelten Ober- und Unterlängen die konsequent durchgeführte mandelförmige Gestaltung von d und o sowie das ebenfalls typische einstöckige a.

Die Verstorbene gehört trotz des ähnlichen Wappens nicht zum naheländischen Geschlecht der Schwarzenberg zu Wartenstein2), sondern entstammt vielmehr der fränkischen Großfamilie Seinsheim-Schwarzenberg. Dieses Geschlecht3) spaltete sich in zahlreiche Linien auf, wurde 1429 in den Freiherren-, 1566 in den Reichsgrafen- und 1670 in den Fürstenstand erhoben. Margarethe war die letztgeborene Tochter des brandenburgisch-ansbachischen Amtmannes Wolfgang von Schwarzenberg und seiner Frau Osanna von Guttenberg4). Wie ihre Schwester Amalie am kurpfälzischen Hof in Heidelberg, dürfte auch sie sich als Hoffräulein an der Zweibrücker bzw. Meisenheimer Residenz des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken und seiner Frau Anna5) aufgehalten haben. Die Inschrift gewährt einen guten Einblick in die religiöse Organisation der letzten Lebenstage einer jungen protestantischen Adeligen, der nach langer Krankheit ein erwünschter, sanfft(er) Tod6) beschieden war. Hofprediger war zu dieser Zeit Georg Codonius.

Anmerkungen

  1. Vgl. Heintz, Schloßkirche 253.
  2. So ebd. 262. – Die einheimischen Schwarzenberg hatten ihr Erbbegräbnis in Hennweiler (vgl. die Registereinträge) und führten im Gegensatz zum Wappen der Verstorbenen in gold zwei schwarze Balken.
  3. Vgl. dazu ausführlich Fugger, E. Graf von, Die Seinsheims und ihre Zeit. Eine Familien- und Kulturgeschichte von 1155-1890. München 1893, sowie Europ. Stammtafeln NF V Taf. 103-120.
  4. Vgl. Europ. Stammtafeln NF V Taf. 112.
  5. Vgl. ihr gemeinsames Epitaph Nr. 340.
  6. Vgl. zum gefürchteten Gegenteil R. Mohr, Der unverhoffte Tod. Theologie- und kulturgeschichtliche Untersuchungen zu außergewöhnlichen Todesfällen in Leichenpredigten (Marburger Personalschriften-Forschungen 5). Marburg 1982.

Nachweise

  1. Heintz, Grabmäler Nr. 104.
  2. Heintz, Schloßkirche 261f.
  3. C. Pöhlmann, Das Grabdenkmal der Margarethe von Schwarzenberg in der Schloßkirche zu Meisenheim, in: Westpfälzer Gbll. XIX (1917) 43f.
  4. Kdm. 263.
  5. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 68f.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. September 2014):

Inzwischen konnte das im Katalog unter der Nr. 420 edierte und an den Beginn der zweiten Hälfte des 16. Jh. datierte Grabdenkmal einer Unbekannten als die Grabplatte der Margarethe von Schwarzenberg identifiziert werden (s. d.).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 313 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0031309.