Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 309 Meisenheim, Schloßkirche kurz nach 1553

Beschreibung

Epitaph für den pfalz-zweibrückischen Rat Simon III. Boos von Waldeck, im Schiff an der Ostwand der südlichen Seitenkapelle. Zwischen zwei Gesimsen mit aufgesetzter Muschel und umrahmenden Akanthusblättern Rollwerktafel mit achtzeiliger Inschrift. Darunter befindet sich die lebensgroße, flachreliefierte Figur des Verstorbenen frontal in voller Rüstung, offenem Visier und gefalteten Händen auf einer profilierten Platte mit je vier unbezeichneten Vollwappen auf den nach außen abgeschrägten Pilastern. Das Gesicht dürfte porträtähnliche Züge zeigen. Den Abschluß des aus graugelbem Sandstein bestehenden Grabdenkmals bildet ein 60 cm hoher, (dazugehöriger?) profilierter Sockel.

Maße: H. 420 (mit Sockel), B. 130, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.309 - Meisenheim, Schlosskirche - kurz nach 1553

 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz [1/1]

  1. HOS NVMERAT PROAVOS VETERI DE STIRPE CREATOS,ORTVS AB ANTIQVA NOBILITATE SIMON,SED DECVS HOC, INGENS VIRTVS ORNABAT IN IPSO,ILLVSTRI SEMPER CONCOMITATA FIDE.DA PRECOR ALME DEVS STIRPE VT NASCANTVR AB ILLAPLVRES QVI SIMILI TE PIETATE COLANTET QVI VIRTVTIS VERA ORNAMENTA SEQVANTVRHAC ORNENTQ(VE) SVAM NOBILITATE DOMVM.

Übersetzung:

Diese aus altehrwürdigem Stamm Entsprossenen zählt zu seinen Ahnen Simon, (selbst) aus altem Adel entsprungen; aber diesen Schatz verzierte in ihm selbst eine außerordentliche Tugend, die stets begleitet wurde von hervorragendem Glauben. Gib, so flehe ich, gütiger Gott, daß aus diesem Geschlecht noch viele geboren werden, die dich in ähnlicher Frömmigkeit verehren und die dem wahren Schmuck der Tugend folgen und durch diesen Adel ihrem Haus zur Zierde gereichen.

Versmaß: Vier Distichen.

Wappen:
Boos von Waldeck, Marschall von Waldeck zu Iben1), Lewenstein, Schenk von Schmidtburg; Cratz von Scharfenstein, Schönburg auf Wesel, Sötern, Wallbrunn.

Kommentar

Die zum Teil in scriptura continua gehaltene Inschrift besteht aus vier lateinischen, mit leicht überhöhten Anfangsbuchstaben versehenen Distichen. Durch eine bewußte Sperrung in der ersten Zeile entsteht ein Binnenreim, der diese Stelle hervorhebt und auch formal auf die inhaltliche Verbindung zwischen Inschrift und Ahnenwappen aufmerksam macht.

Die von der gleichnamigen Burg im Baybachtal (Hunsrück) stammenden Boos von Waldeck bewohnten in Meisenheim einen der schönsten Adelshöfe (Obergasse 26)2). Simon III.3) wurde 1526 geboren, als erstes von insgesamt 18 Kindern aus der zweiten Ehe des kurfürstlich-trierischen und kurfürstlich-pfälzischen Amtmanns und Ritters Simon II. Boos von Waldeck (†1561) mit Margaretha Katharina Cratz von Scharfenstein4). Simon III. amtierte als Pfalz-Zweibrücker Rat mit Wohnsitz in Meisenheim. 1553 nahm er am Feldzug Kaiser Karls V. gegen Frankreich teil und fiel am 16. August während der erfolglosen Belagerung von Metz5). Da Simon III. zeitlebens unverheiratet blieb, dokumentieren die acht Ahnenwappen vier Generationen seiner elterlichen Vorfahren6). Den Meisenheimer Zweig der Familie setzte sein ebenfalls in der Schloßkirche beigesetzter Bruder Anton7) fort.

Die Datierung dieses wohl von seinem Vater in Auftrag gegebenen, für einen ritterschaftlichen Adeligen ungewöhnlichen und beeindruckenden, ganz der Renaissance verpflichteten Grabdenkmals, richtet sich nach den Todesdaten des Verstorbenen, die sich auf seiner ebenfalls erhaltenen, einfachen Grabplatte befinden8).

Anmerkungen

  1. Kdm. identifiziert es fälschlich mit Rüdesheim (bei Bad Kreuznach).
  2. Vgl. zur Baugeschichte Nr. 240 XI von 1669 und Anthes 10ff.
  3. Vgl. dazu und zum Folgenden Anthes 15 und 22ff. – Die Angaben bei Pies, Waldeck 222ff. und Stammtafel V/2 beruhen auf Verwechslungen und sind daher falsch.
  4. Tochter des in Sobernheim begrabenen Caspar Cratz von Scharfenstein, vgl. Nr. 241 von 1512.
  5. Vgl. Humbracht, Zierde Taf. 125.
  6. Vgl. Nr. 222 von 1502 und die Aufschlüsselung der ersten drei Generationen bei Anthes 25.
  7. Erhalten haben sich Grabplatte und Totenschild, vgl. Nrr. 360f. von 1585.
  8. Vgl. die vorhergehende Nr. 308.

Nachweise

  1. Wickenburg, Thesaurus Palatinus II 6 (Zeichnung).
  2. Crollius, Denkmahl 19, Anm. **.
  3. Heintz, Grabmäler Nr. 101.
  4. Heintz, Schloßkirche 254.
  5. Kdm. 263 und Taf. XI.
  6. Fröhlich/Zimmermann, Schloßkirche 66 (übers.) mit Abb. 12.
  7. Drescher, Schloßkirche 34 (übers.).
  8. Pies, Waldeck 225.
  9. Anthes, Boos von Waldeck 23.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 309 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0030902.