Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 296 Odernheim am Glan 1549

Beschreibung

Tafel mit Namensinschrift des Pfarrers Matthias Schol(l) am Haus Ransengasse 9. Links neben der Tür in die Wand eingelassen1), bisher unveröffentlicht. Tafel aus Sandstein mit nach innen abgeschrägten Leisten, oben im Mittelfeld Jahreszahl, darunter erhabenes, von der Inschrift umgebenes Wappen. Dick mit weißer Farbe überstrichen.

Maße: H. 30, B. 40, Bu. ca. 8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 34, Nr.296 - Odernheim am Glan - 1549

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/1]

  1. 1 · 5 · 4 · 9 / M(ATHIS) S//Chola)

Wappen:
M. Schol(l) (über einem rundarmigen Kreuz Initialen M S).

Kommentar

Der wohl um 1523 geborene Matthias Schol(l)2) amtierte in den Jahren 1548 bis 1558 im nahegelegenen Obermoschel (Donnersbergkreis) als Pfarrer und siedelte anschließend nach Odernheim über. Wie jedoch die eindeutig lesbare Jahreszahl ausweist, scheint er dieses Haus schon zuvor besessen zu haben3). Von seinen theologischen Aktivitäten zeugt die 1548 erfolgte Übergabe eines Glaubensbekenntnisses an den Herzog von Pfalz-Zweibrücken und das 1555 angefertigte Gutachten über die herzoglich württembergische Kirchenordnung4). 1566 wurde er von dem Meisenheimer Amtmann Thayn verdächtigt, Anhänger des Calvinismus und „mit derselben Lehren hochbefleckt und vergiftet“ zu sein. Aus diesem Grund stand er im Mittelpunkt einer längeren, brieflich geführten Auseinandersetzung mit dem Amtmann und der zweibrückischen Kanzlei, deren Vorladungen er sich allerdings immer wieder durch den Verweis auf seine „Leibesschwachheit“ entziehen konnte.

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Zeitgenössische Schreibweisen seines Namens auch „Mathes“ bzw. „Matheß Scholl“.

Anmerkungen

  1. Laut Auskunft des Hausbesitzers vom 12.08.1987 soll sich die Inschriftentafel am ursprünglichen Standort befinden.
  2. Vgl. zum Folgenden G. Biundo, Pfarrer Matthias Scholl in Odernheim als „Sektierer“, in: BllpfKg 5 (1929) 182-185.
  3. Vermutlich war es alter Familienbesitz, da in einem um 1500 angelegten Weinbeedbuch bereits ein „Mathis Scholl“ erwähnt wird, bei dem es sich um den Vater handeln könnte; vgl. dazu Schworm, Odernheim am Glan und Disibodenberg 138.
  4. Vgl. Biundo, Geistliche 419.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 296 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0029607.