Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 289(†) Hüffelsheim, Ort und Evang. Pfarrkirche 1542?-1611

Beschreibung

Jahreszahlen. Zum Teil mit Wappen und Steinmetzzeichen versehen an verschiedenen Stellen des Ortskerns, des alten Rathauses und der evangelischen Pfarrkirche, teilweise verloren.

I. Jahreszahl, eingehauen in einen Kamin im Obergeschoß des Rathauses, verschwunden bei den nach 19791) erfolgten Umbaumaßnahmen.

Nach Polke, Rathaus.

DI 34, Nr.289 - Hüffelsheim, Ort und Evang. Pfarrkirche - 1542?-1611

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/9]

  1. 1542a)

II. Jahreszahl mit Wappen und Steinmetzzeichen (Nr. 34) auf dem balkenförmigen Unterteil einer Muschelnische, die als Aufsatz des reich mit Band- und Stabwerk sowie mit vier Löwenhäuptern verzierten Portals des Rathaustreppenturms dient. Nach dem Umbau von 1979 wurde sie 1982 durch eine originalgetreue Kopie ersetzt.

Nach Foto LfD (um 1970).

  1. 1 · 5 9 · 5b)

 
Wappen
Boos von Waldeck.

III. Jahreszahl (A) auf dem mit zwei großen Blüten verzierten Sturz des baufälligen Brunnens im Hof des Anwesens Fröschengasse 8; Jahreszahl (B) auf dem glatten Türsturz der gegenüberliegenden, ehemaligen Scheune. Beide Jahreszahlen waren bisher nicht bekannt2).

Maße: H. 22 (A) 25 (B), B. 118 (A) 145 (B), Z. 4-7 (A) 7 (B) cm.

  1. A

    1596

  2. B

    15 96c)

IV. Jahreszahl mit Wappen und Steinmetzzeichen (Nr. 45) im profilierten, mit Rosetten geschmückten Türsturz des ehemaligen Zugangs eines damals bereits an das Rathaus angebauten Backhauses, seit dem 1979 erfolgten Umbau an anderer Stelle im Durchgang des Rathauses eingefügt. Der weitgehend noch originale Türsturz aus gelbem Sandstein wurde sorgfältig restauriert, das Gewände jedoch neu angefertigt.

Maße: H. 42,5 (Sturz), B. 146, Z. 4,5 cm.

  1. 16 08

 
Wappen
Boos von Waldeck.

V. Jahreszahl im Sturz des zweigeteilten Schallfensters der Südseite des Turmes der evangelischen Pfarrkirche. Die Ziffern wurden während der Renovierung des Jahres 19873) schwarz nachgezogen.

  1. 1611

Die Bauherren des Rathauses waren die in Meisenheim und auf dem nahegelegenen Montforter Hof sitzenden Boos von Waldeck, die den Ort seit 14264) von den Wild- und Rheingrafen zu Lehen trugen. Die verschiedenen Jahreszahlen bezeichnen die aufeinander folgenden Bau- bzw. Umbauphasen des Hüffelsheimer Rathauses, das als freistehender, zweigeschossiger Fachwerkbau mit offenem, ehemals als Straßendurchfahrt dienendem Untergeschoß5) errichtet wurde. Wegen der daraus resultierenden Behinderungen wurde das gesamte Rathaus Ende der siebziger Jahre abgetragen, um 90 Grad gedreht und wieder aufgebaut6). Im Dachreiter befindet sich eine Glocke7).

Die wohl seit frühmittelalterlicher Zeit bestehende, um 1200 erstmals urkundlich erwähnte Lambertus-Kirche8) erfuhr mehrere Um- und Neubauten; Reste der romanischen und gotischen Vorgängerkirche sind mit Sicherheit nachzuweisen. Die vorliegende Jahreszahl bezieht sich hauptsächlich auf den Neubau des Westturms, das Langhaus wurde erst im Jahre 1706 angefügt.

Textkritischer Apparat

  1. Die Jahreszahl wurde erstmals von Kdm. 187 (davon abhängig Spille 183) mit der Lesung 1582 überliefert. Nach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Pfarrer Johannes Polke, Hüffelsheim, vom 21. Juli 1987, der die Inschrift noch vor 1976 sah, war jedoch die 8 eindeutig in Form einer gotischen Vier gestaltet. Da diese abweichende Lesung zudem durch architektonische und urkundliche Befunde unterstüzt wird (vgl. ders., Rathaus), wird ihr hier der Vorzug gegeben.
  2. Der erste Worttrenner besteht aus dem Steinmetzzeichen.
  3. 9 wohl spiegelverkehrt.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu ausführlich Polke, Rathaus pass.
  2. Freundlicher Hinweis von Herrn Pfarrer Johannes Polke, Hüffelsheim.
  3. Vgl. dazu Polke, Kirche 10.
  4. Vgl. Kdm. 184.
  5. Vgl. zu diesem für diese Zeit ungewöhnlichen Typ Spille 96.
  6. Vgl. die Abb. bei Polke, Rathaus.
  7. Vgl. Nr. 565 von 1661.
  8. Vgl. dazu Seibrich, Entwicklung 125ff. und ausführlich Polke, Kirche 8ff. mit Skizzen zum früheren Aussehen.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 298 (II).
  2. Renard, Instandsetzungsarbeiten 38 (II).
  3. Kdm. 186f. (I,II,IV) mit Abb.
  4. LfD Mainz, Fotoarchiv Neg.-Nr. 632/21 (II), Neg.-Nr. 632/27 (IV).
  5. J. Polke, Das alte Hüffelsheimer Rathaus. Ein geschichtlicher Rückblick, in: KHbll. 9-10 (1983) 33-36 und 40 (I,II,IV).
  6. Spille, Rathäuser 183 (I,II,IV) mit Abb. 186f.
  7. Polke, Kirche 8 (u.ö.) mit Abb. (V).
  8. Lipps, Entdeckungsreisen 128 (V).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 289(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0028902.