Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 274 Wallhausen, Schloß 1531

Beschreibung

Epitaph für Dieter VI. Kämmerer von Worms gen. von Dalberg und seine Frau Anna geb. von Helmstatt. Ehemals „extra ecclesiam in coemiterio“1), seit 1959 teils in die Ostwand der Tordurchfahrt des Salm-Salm‘schen Schlosses vermauert (I), teils in einem rückwärtigen Wirtschaftsgebäude (II) verwahrt. Im Mittelfeld der großen Platte (I) aus rötlichem Sandstein ist unter einer quastenbesetzten Granatapfelschnur das sich zuwendende Ehepaar lebensgroß dargestellt: links der Mann in ritterlicher Rüstung mit einem Kommandostab in der Rechten und der Linken am Schwert, zu Füßen sein Helm; daneben seine Frau in langem, fein gefälteltem Gewand, die Hände zum Gebet erhoben. In den Eckmedaillons je ein Wappen mit zugehörigen Beischriften auf den oberen und unteren Leisten, zwischen den Köpfen ein gerade noch lesbarer Rest einer zweizeiligen Namensbeischrift (A). Etwas unterhalb der Mitte der seitlichen, floral verzierten Leisten je ein kleines Täfelchen mit einem erhaben ausgeführten Künstlermonogramm (B1) links und der Jahreszahl der Herstellung (B2) rechts. Der zugehörige, querrechteckige Sockel (II) trägt im vertieften Mittelfeld die achtzeilige Grabinschrift, die in der Mitte durch zwei senkrechte Linien in die für den Mann links (C1) und die für die Frau rechts (C2) abgeteilt wird. Flankiert wird diese Inschrift von je zwei weiteren, mit Beischriften versehenen Ahnenwappen. Das insgesamt stark verwitterte und beschädigte Epitaph wurde einst auch noch als Spolie verwendet, wie einige auf beiden Teilen rechteckig ausgehauene Vertiefungen zeigen.

Erg. nach Kdm. (B) und Helwich (C).

Maße: H. 235 (I), 55 (II), B. 120 (I), 137 (II), Bu. 2,5 (A), 2 (B), 4 cm (C).

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B, C).

DI 34, Nr.274 - Wallhausen, Schloss - 1531

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/7]

  1. A

    Dieth[er v(on) D]ah(l) · / b(er)g

  2. B1

    I(OHANN) W(AGNER) B(ILDHAVER)a)

  3. B2

    1531

  4. C1

    VF · MITWOCH · VF · SANT · / APOLONIEN · TAG · ANNO · / 1530 · STARB · DER · EDEL · / VND · ERNVEST · DITTER · / KEMMERER · VON · WORMS · / GENANDT · VON · DALBERGb) / DEM · GOT · GNEDIG · SEIN · / · WÖL · AMEN ·

  5. C2

    VF · FREIDTAG · NACH · / BARTHOLOMEY · [A..]c) / ANNO [1528 STA]RB · / DIE · ED[ELE VND TUG]ENT/SAME · FR[AW ANN]A · GE=/BORN · VON ·HELMSTAD / DER · GOT · GNEDIG · SEIN / WOL · AMEN

Datum: 9. Februar 1530; 28. August 1528.

Wappen:
Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, Greiffenclau zu Vollrads, Langenau, Helmstatt; Helmstatt, Pallant, Felsberg, Flersheim.

Kommentar

 
Wappenbeischriften:
DALBERG, [LAN]G(EN)NAW2), [.....], HELMSTAD; [HELMST]AT, FELS[BERG3)], [.....], F[LERSHEIM].

Das repräsentative Grabdenkmal wurde bisher den „Oppenheimer Ausläufern der Backoffenschule“4) zugerechnet; erst neuere Untersuchungen konnten aufgrund der korrekten Lesung der Signatur den Meister mit dem in Mainz ansässigen Bildhauer Johann Wagner5) identifizieren, einem Mitglied der Werkstatt des Backoffenschülers Peter Schro. Durch die beigefügte Jahreszahl ergibt sich ein Zeitraum von mindestens einem Jahr zwischen Todesfall und Fertigstellung des Epitaphs.

Wallhausen lag seit 13656) im Zentrum einer kleinen Herrschaft der Kämmerer von Worms, zu der auch die namengebende Burg Dalberg gehörte. Der Verstorbene7) war eines von elf Kindern aus der Ehe des kurpfälzischen Hofmarschalls Wolf II. Kämmerer von Worms gen. von Dalberg mit Gertrud von Greiffenclau zu Vollrads8). Wohl 1468 in Oppenheim9) geboren, heiratete er 1495 Anna, einzige Tochter Johanns von Helmstatt-Dürrcastel und seiner Frau Gertrud von Pallant10). Zwischen 1490 und 1500 baute er die Burg Dalberg11) aus, beteiligte sich als Feldhauptmann auf Seiten der Bauern im Bauernkrieg und stand überdies dem reformatorisch gesonnenen Kreis um Franz von Sickingen nahe. Ein Sohn und ein Enkel12) des Ehepaars wurden ebenfalls in der Kirche zu Wallhausen begraben.

Textkritischer Apparat

  1. Kdm. liest mit Fragezeichen versehenes F.B.. – Die aufgelöste Schreibung der Berufsangabe ist hypothetisch.
  2. G wegen Platzmangel kleiner geschrieben hochgestellt.
  3. Folgen wenige noch sichtbare Hasten, die Kdm. als TAG liest; möglich wäre eher eine gekürzte Form von ABEND.

Anmerkungen

  1. So Helwich, vgl. auch die Abb. bei Kdm.
  2. Beischrift an dieser Stelle falsch, müßte laut Wappen Greiffenclau zu Vollrads heißen; Langenau bezieht sich auf das darunter angebrachte Wappen seiner Großmutter Adelheid.
  3. Beischrift an dieser Stelle falsch, müßte laut Wappen Pallant heißen; Felsberg bezieht sich auf das darunter angebrachte Wappen ihrer Großmutter Anna.
  4. Vgl. Kautzsch, Backoffen 62f., Kdm. und DI 23 (Oppenheim) Nrr. 137 und 145.
  5. Vgl. dazu ausführlich Lühmann-Schmidt 92ff. – Allerdings ist der Bildhauer erst 1560 erstmals urkundlich nachzuweisen; vgl. dazu Heinzelmann, Randnotizen 51.
  6. Vgl. dazu Seibrich, Dalberg 27ff.
  7. Vgl. zum Folgenden Möller, Stammtafeln AF II Taf. LXVI.
  8. Vgl. zu ihrem gemeinsamen Epitaph DI 23 (Oppenheim) Nr. 104.
  9. So Bollinger, Familien 38. – Nach seinem Ableben erhielt er in der dortigen Katharinenkirche, der eigentlichen Grablege seiner Familie, einen (heute verlorenen) Totenschild mit einer zu seinem Epitaph fast identischen Inschrift; vgl. DI 23 (Oppenheim) Nr. 147.
  10. Vgl. Möller, Stammtafeln AF III Taf. CXXXIV.
  11. Vgl. zum Folgenden Seibrich, Dalberg 32 und Bollinger, Familien 38f.
  12. Vgl. Nr. 337 von 1574, Nr. 401 von 1596 und Nr. 456a von 1607.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 439.
  2. Würdtweinsches Epitaphienbuch 268.
  3. Roth, Syntagma 3 (1884) 74.
  4. Kdm. 418 mit Abb. 309.
  5. Lühmann-Schmitt, Peter Schro mit Abb. Taf. 27a-b.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 274 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0027403.