Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 269† Hochstetten-Dhaun, ehem. Schloßkapelle St. Georg 1529

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Spruchinschrift auf einer hölzernen Seitenwange des alten Gestühls der Schloßkapelle. Überliefert auf einem schlechten Foto, bzw. heute in Privatbesitz1). Die zwanzigzeilige, bisher unbeachtete Inschrift ist in ein hochrechteckiges Eichenbrett geschnitzt, das in eine innen längsseitig profilierte, 7 cm dicke Balkenumrandung eingelegt ist2).

Nach Foto.

Maße: H. 95 (ges.), B. 48 (ges.) cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Minuskeln.

  1. S(ANKT) MAT(HEVS) · AM 2[3] / WE EVCh · SCHR/IffTGELER/TEN VND Ph/ARISEER IR / hEVChLER / DIE IR DE/R WITWEN / hEVSER fRE/SST VND W/ENDET [LANG GEBET FVR] / DARVMB / WERDET IR D/ESTO MER / VERDAMN/VS EMP/fANG/EN3) / 1529

Kommentar

Soweit auf dem Foto erkennbar, macht die tief eingeschnittene Schrift einen eher unregelmäßigen Eindruck, auffallend ist die Verwendung von Minuskelbuchstaben für F und H.

Von dem Gestühl der alten Kapelle, über deren Aussehen und Ausstattung weiter nichts bekannt ist4), sind noch vier weitere Wangen fotografisch überliefert, eine davon mit Inschrift5). Der reformatorisch anmutende Spruch mit dem Vorwurf der Diskrepanz zwischen Reden und Tun dürfte wohl eher ein Zeugnis der Zeitstimmung sein, als ein bewußtes Zeichen protestantischer Gesinnung. Hinzukommt, daß die Wild- und Rheingrafen dem Luthertum zwar von Anfang an wohlwollend gegenüberstanden, in ihrer Herrschaft jedoch die Reformation erst nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 endgültig durchführten6).

Anmerkungen

  1. Die Gestühlwangen wurden erstmals 1886 von Lehfeldt als Teil einer historischen Sammlung im Rittersaal von Schloß Dhaun erwähnt. Der Verfasser der Kdm. sah sie noch 1935 in einem Dhauner Gasthof ausgestellt, von dort aus gelangten sie nach dem Krieg als private Leihgabe wieder auf Schloß Dhaun, wo sie 1967 inventarisiert und fotografiert wurden. Die Sammlung wurde aus persönlichen Gründen 1976 aufgelöst und in der Familie des Besitzers verteilt (freundliche Mitteilung von Hermann Neess, Hochstetten-Dhaun, vom 01. Juni 1987; vgl. auch W. Franck/U. Klein: Chronik der Gemeinde Dhaun. Masch.schr. Arbeit o.O. 1983, 316, 360 und 363). In der Sammlung dürfte sich auch der von Lehfeldt 291 erwähnte Krug mit der Jahreszahl 1586 und dem Jülich-Kleve-Berg‘schen Wappen befunden haben.
  2. Maße nach Schellack.
  3. Mt. 23,14.
  4. Die abgegangene Kapelle im Obergeschoß des Südwestflügels wurde in ihren wesentlichen Teilen erst nach 1659 errichtet, vgl. Fröhlich/Zimmermann, Dhaun 11 und H. Fröhlich, Die Einweihung der Hofkapelle auf Schloß Dhaun am 1. Jan. 1661. In: MEKgR 6 (1957) 53.
  5. Vgl. die folgende Nr. 270.
  6. Bgl. Back, Kirchen II 79ff. und Fröhlich/Zimmermann, Dhaun 19f.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 290 (erw.).
  2. Kdm. 161 (erw.).
  3. Schellack, Kirchen 23 (1965) 15f. (erw.).
  4. Inventar Dhaun Nr. 126 (Foto).
Addenda & Corrigenda (Stand 23. September 2014):

Die Gestühlswange gelangte 2012 zusammen mit vier weiteren (vgl. folgende Nr. mit Anm. 5) aus Privatbesitz als Dauerleihgabe an die Verbandsgemeinde Kirn-Land und soll künftig in Schloss Dhaun ausgestellt werden (freundliche Mitteilung von Hans-Werner Ziemer vom 26. September 2013).

Maße: H. 96,5, B. 46,5 Bu. 2,5.

  1. S(ANKT) MAT(HEVS) AM 23 / WE EVCh SChR/IffTGELER/TEN VND Ph/ARISEER IR / hEVChLER / DIE IR DE/R WITWEN /hEVSER FRE/SET VND W/ENhET FVR / LANG GEBET/h DARVMb / WERDET IR D/ESTER MER / VERDAMN/VS ENP/fANG/EN / 1529

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 269† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0026908.