Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 251(†) Merxheim 1517 bis 1626

Beschreibung

Jahreszahlen an verschiedenen Häusern und bäuerlichen Anwesen im Bereich des alten, im Jahr 1870 größtenteils abgebrannten Dorfkernes1); teilweise als Spolien verwendet.

I. Jahreszahl auf „der hinteren Seite“ eines „plumpen Hauses mit kleinen Fenstern“ in der Großen Gasse, nicht aufgefunden.

Nach Schlickum.

DI 34, Nr.251 - Merxheim - 1517 bis 1626

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Eberhard J. Nikitsch) [1/9]

  1. 1517

II. Jahreszahl auf dem straßenseitigen Erker des 1779 umgebauten und 1989 renovierten Rathauses2) (Großstr. 32). Rechteckiger Renaissance-Erker aus farbig gefaßtem Sandstein auf geschweifter Stütze mit dreiteiligem Fenster, darunter Masken- und Rankenschmuck, darüber die rot gefaßte Jahreszahl zwischen paragraphenförmig ausgezogenen Worttrennern, daneben ein Steinmetzzeichen (Nr. 8).

  1. · 1 · 5 · 50 ·a)

III. Jahreszahl im giebelförmig gestalteten Fenstersturz links neben dem dreiseitig vorspringenden Treppenturm des Hauses Großstr. 28. Das Fenster wurde 1783 verändert und jüngst farbig gefaßt.

  1. 1 · 5 · 72

IV. Jahreszahl (A) mit darüber eingehauener Hausmarke auf einem giebelförmigen Werkstein aus gelbem Sandstein, entdeckt im Sommer 1989 bei der durchgreifenden Renovierung des Hauses Bachstr. 17 (ehemaliges Pfarrhaus). Der Stein fand sich bei einem weiteren, mit einem Steinmetzzeichen (Nr. 19) versehenen Fragment (B) aus gelblichem Sandstein in einer mit Spolien verfüllten, alten Reparaturstelle im Bereich des ehemaligen Rechteckerkers3).

Maße: H. 30 (A), 27 (B), B. 38 (A), 20 (B), Z. 8-10 (A) cm.

  1. A

    1574

Hausmarke: unbekannt (geteiltes Schildchen zwischen zwei ringförmigen Zeichen).

  1. B

    [1]57[.]

V. Jahreszahl mit Wappen auf einem als Spolie verwendeten Türsturz am Rückgebäude des Hauses Weidenweg 4 (sogenannte Villa Estrella); stammt wohl aus dem 1870 abgebrannten Burghaus „Nürnberger“. Der reliefierte Wappenstein aus porösem, gelblichem Sandstein ist kunstvoll aufgebaut: in der Mitte des vertieften, querrechteckigen Feldes zwei erhabene Wappen, die von der hälftig geteilten Jahreszahl umgeben und wiederum von zwei sitzenden Eulen flankiert werden. Daneben sind Reste des früheren, sich nach unten fortsetzenden, hochrechteckig kassettierten Türgewändes zu sehen. Rechte Hälfte stark verwittert.

Maße: H. 30, B. 142, Z. 10 cm.

  1. · 1 · 5 / 7 · 5b)

 
Wappen
Braunsberg/Brohl4) (im quadrierten Schild im ersten und dritten Feld drei Rauten nebeneinander, im zweiten und vierten Feld sechzehn 4:4:4:4 gestellte Kugeln); leer (unbearbeitet?).

VI. Jahreszahl im giebelförmigen Aufsatz des ornamentierten, aus gelblichem Sandstein gearbeiteten Türgewändes des Hauses Hauptstr. 22. In der Mitte das von der hälftig geteilten Jahreszahl umgebene, erhaben gearbeitete Wappen, darüber ein Steinmetzzeichen (Nr. 29). Den Brand von 1870 haben zudem zwei große, ebenfalls von dem stattlichen Anwesen der Erbauungszeit stammende, mit Tierköpfen, Blattranken und Bandwerk verzierte, als Hofeinfahrt dienende Doppelbögen überstanden. Die beeindruckende Renaissance-Architektur ist stark verwittert und steht vor dem Verfall.

Erg. nach Kdm.

Maße: H. 93, B. 140, Z. 12 cm.

  1. 1 [5] / 9 2

 
Wappen
unkenntlich.

VII. Jahreszahl zwischen einem mit Initialen und Hauszeichen versehenen, erhaben gearbeiteten Wappen auf einem Türsturz am Haus Hauptstr. 32; wohl als Spolie verbaut. Sandstein, farbige Fassung neu.

Maße: H. 45, B. 138, Z. 8 cm.

  1. 16 / 22

 
Wappen
unbekannt (unter Initialen H:B eine mit vier Schaftnasen und einem Haken an der hinteren Mittelkreuzsprosse versehene Kopfkreuzsprosse).

VIII. Jahreszahl auf der „steinernen Umrahmung der inneren Tür“ des alten, sogenannten Fleck‘schen Hauses in der Bruchgasse; nicht gefunden.

Nach Schlickum.

  1. 1623

IX. Grenzstein. Vermutlich aus der Merxheimer Gemarkung, wurde er an der Ostwand des Rathausanbaus (Großstr. 32) aufgestellt; bisher unbeachtet. Quader aus gelblich-rotem Sandstein mit rundem Kopf, im Feld erhabenes Wappen, darüber Jahreszahl, darunter einzelner kapitaler Buchstabe. Insgesamt stark verwittert.

Maße: H. 42, B. 25, Z. 5,5, Bu. 5 cm.

  1. 1626 // W

 
Wappen
unkenntlich.

Ursprünglich Teil der Raugrafschaft, gelangte der Ort Mitte des 14. Jahrhunderts als reichsunmittelbarer Besitz an die ortsansässigen Edelherren von Merxheim und hundert Jahre später im Erbgang zur einen Hälfte an die Vögte von Hunolstein5), zur anderen nacheinander an verschiedene Geschlechter, darunter auch – wie die Inschrift (V) zeigt – an die Herren von Braunsberg6). Diese residierten in einem von Gräben umgebenen und mitten im Ort gelegenen, siebenstöckigen Burghaus, dem später so genannten „Nürnberger“7), das nach dem Brand von 1870 vollständig abgerissen wurde. Die rege Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bezeugt den damaligen Wohlstand des Ortes.

Textkritischer Apparat

  1. 0 kleingeschrieben. – Kdm., Dehio und Spille lesen 1570.
  2. Schlickum liest 1576.

Anmerkungen

  1. Vernichtet wurden innerhalb von drei Stunden rund 120 Häuser und Scheunen; vgl. dazu J.F.M., Zur Geschichte des Dorfes Merxheim/Nahe, in: FS zum 40-jährigen Bestehen der Freiw. Feuerwehr Merxheim (1976) 21f. und J. Fickinger, Aus der Geschichte von Merxheim, in: NK (1980) 89.
  2. Nach Schlickum 13 befand sich im Innern des Rathauses ein an der Wand des großen Sitzungssaales angebrachtes Bild mit der Darstellung eines „aus dem Feuer lebend emporsteigenden Phönix mit der Jahreszahl 15..“. Laut Füllmann/Vogt 187 kam das Wandgemälde 1978 wieder zum Vorschein.
  3. Freundliche Mitteilung von Frau Klages, Merxheim. – Das gleiche Steinmetzzeichen findet sich mehrmals auch auf den alten Tür- und Fenstergewänden des Hauses. Durch diesen Fund dürfte erstmals das genaue Erbauungsjahr des bis 1740 als Pfarrhaus genutzten Anwesens (vgl. Schlickum 13 und zu den Resultaten der jüngsten Renovierung ausführlich Freckmann, Schneckenstiegen 230ff.) feststehen.
  4. Von Schlickum 15 fälschlich als das der Vögte von Hunolstein identifiziert.
  5. Vgl. auch Nr. 287 (kurz nach 1540).
  6. Seit 1486 zugleich Herren von Brohl, erloschen 1625 (vgl. Gruber, Wappenbilder 23). – 1575 lag die Teilherrschaft in den Händen des Wilhelm von Braunsberg, verheiratet mit Anna von Winneburg, bzw. in zweiter Ehe mit Magdalena Gräfin von Manderscheid (vgl. Toepfer, UB Hunolstein II 460).
  7. Abb. bei Kdm. 289.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 464 (V).
  2. Schlickum, Merxheim pass. (I, V, VI, IX).
  3. Bindseil, Glocken 35 (II).
  4. Kdm. 291f. (II, III, V, VI).
  5. Krumm, Denkmalschutz 197 (mit Abb.) (II).
  6. NK 1980, 197 (mit Abb.) (II).
  7. Spille, Rathäuser 198 (mit Abb. 364) (II).
  8. Dehio Rheinland-Pfalz 668 (II, V, VI, VII).
  9. Verbandsgemeinde Sobernheim 87 (II) und 92 (VI) mit Abb.
  10. NK (1990) 57 (II).
  11. Lipps, Entdeckungsreisen 180 (II).
  12. Füllmann/Vogt, Merxheim 100 und 175 (mit Abb.) (II), 15 (mit Abb.) (VI).

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 251(†) (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0025105.