Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 242 Monzingen, Evang. Pfarrkirche 1512

Beschreibung

Glocke mit Namens-, Spruch- und Meisterinschrift. Sie kam 1942 ins Hamburger Glockenlager, wurde nach Kriegsende zurückgebracht und hängt heute wieder als mittlere von drei Glocken1) in der Glockenstube des Südwestturmes. Große Glocke mit zweizeiliger Umschrift zwischen Rundstegen, darunter ein Rundbogenfries mit hängenden Kreuzblüten, zudem am Schlagrand ein Blätterfries. Auf der Flanke sind zwei sich gegenüberliegende Reliefs angebracht: zum einen eine großformatige, stehende Maria mit dem Kind im Arm, zum andern wohl ein kleines Gießerzeichen, das im Oberteil die Kreuzigung mit Maria und Johannes zeigt. Der Textbeginn wird durch eine über den oberen Rundsteg gesetzte, kleine weisende Hand angezeigt, das Textende durch eine Viererkombination Sternchen/Blümchen. Als Worttrenner dienen Sternchen. Gewicht 1500 kg2), Schlagton h.

Maße: H. (o. Kr.) ca. 100, Dm. ca. 128, Bu. 3,3 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 34, Nr.242 - Monzingen, Evang. Pfarrkirche - 1512

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/5]

  1. · MARIA · GLOCK · HEIS · ICH· IN · SANT · MARTHINVS · VND · ERASMVS · EER · LAVD · ICH· BOES · WETTER / ·a) VERDREIB · ICH· MEISTER · HANS · ZV · FRANCKFORT · GOS · MICH· ANNO · DOMINI · M · Vc · XII · IAR · · · ·

Versmaß: Knittelverse.

Kommentar

Die kunstvoll ausgebildete, sorgfältig geformte Schrift zeigt die charakteristischen Merkmale der frühhumanistischen Kapitalis wie D mit leicht nach innen gebogener Haste, zweibogiges E, H mit halbrunder Ausbuchtung am Balken, I mit Nodus, schlankes M mit sich nach oben verjüngendem, hochgezogenem Mittelteil sowie N und Z durchgehend spiegelverkehrt mit halbrunder Ausbuchtung an der Schräghaste.

Die Namen Maria und Erasmus beziehen sich wohl auf deren geweihte Altäre in der Kirche3), Martin auf das Patrozinium4). Die mit zeittypischen Knittelversen versehene Glocke stammt aus der Werkstatt des bekannten Frankfurter Glockengießers und städtischen Büchsenmeisters Hans von Winterberg, dem zwischen 1500 und 1514 insgesamt 17 Glocken nachzuweisen sind5).

Textkritischer Apparat

  1. Zeilenwechsel durch ein großes Blümchen angezeigt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 127 von 1450 und Nr. 230 von 1505.
  2. So Verzeichnis 81.
  3. Der Erasmus-Altar wird 1437 erstmals urkundlich erwähnt (LHAK 642, 46).
  4. Vgl. Vogt, Geschichte Monzingen 55.
  5. Vgl. dazu Bund, Frankfurter Glockengießer 174-177.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 312.
  2. Zimmermann, Glocken 35.
  3. Geib, Nahetal 53.
  4. Kdm. 299.
  5. Liste der Glocken 5.
  6. 1200 Jahre Monzingen 57.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 242 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0024206.