Inschriftenkatalog: Bad Kreuznach

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 34: Bad Kreuznach (1993)

Nr. 233 Biebelsheim, Evang. Kirche 1506

Beschreibung

Jahreszahl auf der Rückenlehne einer Kirchenbank. Aufgestellt innen an der Südseite des dreiseitig geschlossenen Chors der um 14961) erbauten Kirche. Zu unbekannter Zeit umgearbeitete, hellgrau überstrichene Holzbank2) mit stark profilierten seitlichen Hochwangen, die mit flachgeschnitzten pflanzlichen Ornamenten3) verziert sind. Die Bekrönung der Rückwand besteht aus einem Zinnenkranz, darunter folgt in einer Zeile die erhaben ausgeführte Inschrift. Als Worttrenner dienen buchstabengroße Quadrangeln mit leicht ausgezogenen Enden.

Maße: H. 136 (Rückwand), B. 182, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis, erhaben.

DI 34, Nr.233 - Biebelsheim, Evang. Kirche - 1505/1663

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/1]

  1. ANNO · DOMINI · M · CCCCC · VND · VI ·

Kommentar

Die originalen Teile der unsignierten Kirchenbank4) können mit Sicherheit dem aus Niederbayern stammenden Meister Erhart Falckener und seiner am Mittelrhein tätigen Werkstatt zugeschrieben werden. Aufgrund der pflanzlichen Motive und vor allem wegen der besonderen, aus der Technik der Flachschnitzerei resultierenden und daher nicht ganz dem Kanon der frühhumanistischen Kapitalis entsprechenden Schriftformen ergeben sich deutliche Übereinstimmungen etwa mit dem Laiengestühl der St. Valentinuskirche in Kiedrich5): spitzes A mit überstehendem Deck- und gebrochenem Mittelbalken, I mit wulstigem Nodus, M mit herabgezogenem Mittelteil, O mit beiderseitiger Bogenschwellung und zum Teil verschobener Achse, sowie das für Falckener typische V mit den dreiecksförmig (bei den meisten anderen Buchstaben schwalbenschwanzförmig) auslaufenden Hasten.

Sollte es sich bei der Kirchenbank6) um ein Teil der ursprünglichen Ausstattung der Kirche des zur Grafschaft Daun-Falkenstein7) gehörenden Ortes handeln, könnte dies mit der Nähe zum Wohnsitz des Meisters in Gau-Odernheim zusamenhängen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 182 von 1496.
  2. Nach Sobel 130 wurden Sitzbank und Rückwand neu angefertigt.
  3. Nach ebd. 40 zeigt die äußere Ostwange „Solanaceenmotive mit weichen Blättern und großen Blüten“, die innere „reduzierte Ranken ohne naturalistisches Gepräge“, während die äußere Westwange leer und die innere „mit stilisierten Ranken versehen (ist), die mit Distelblüten besetzt“ sind.
  4. Vgl. zum Folgenden ausführlich ebd. 5ff. und 39f.
  5. Vgl. ebd. 17ff. und die vollständige Edition der Inschriften künftig in DI Rheingau-Taunus-Kreis.
  6. Sobel 40 weist überzeugend darauf hin, daß es sich bei der Bank eher um einen „Herrschaftssitz“ als um einen Teil eines für eine kleine Kirche entbehrlichen Chorgestühls gehandelt habe.
  7. Vgl. dazu Gerster, Chronik 75ff.

Nachweise

  1. H. Sobel, Die Kirchenmöbel Erhart Falckeners und seiner Werkstatt mit besonderer Berücksichtigung der Flachschnitzerei (QuAmrhKg 36). Mainz 1980, 40 und 130 mit Abb. 38 und 39.
  2. Lipps, Entdeckungsreisen 73.

Zitierhinweis:
DI 34, Bad Kreuznach, Nr. 233 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di034mz03k0023307.